Sexueller Missbrauch von Kindern: Fußball-Jugendtrainer vor Gericht

Das Landgericht Freiburg

Prozessauftakt vor dem Landgericht Freiburg

Sexueller Missbrauch von Kindern: Fußball-Jugendtrainer vor Gericht

Von Andrea Schültke

Vor dem Landgericht Freiburg muss sich seit dieser Woche ein Fußball-Jugendtrainer verantworten. Der Vorwurf: sexueller und schwerer sexueller Missbrauch von Kindern. Außerdem soll der Mann Fotos sexueller Handlungen an Kindern angefertigt und weiterverbreitet haben.

"Es war mein Traum, Fußballprofi zu werden", schildert einer der Zeugen, sein Ziel als 12-Jähriger. Heute ist er 23 und blickt zurück auf die Zeit in der C- und B-Jugend. "Man war so sehr auf Fußball fixiert und hat gedacht: Das ist eine Chance". Diese Chance sei für ihn das Training beim Angeklagten gewesen. Er habe gute Spieler um sich geschart und auch dadurch die Hoffnung geweckt, vielleicht den Sprung zu einem Profiverein zu schaffen.

"Als ich erfahren habe, was alles passiert ist, war es ein Schock", so hat es nicht nur dieser Zeuge beschrieben. Es habe ihn fassungslos gemacht, sagt ein anderer, heute erwachsener Zeuge aus. "Das ist eine Riesenfrechheit, dass er seinen Job so ausgenutzt hat", ein weiterer. Die Polizei hatte ihnen Fotos gezeigt. Darauf sind wohl die jungen Fußballer schlafend zu sehen, teilweise während der Angeklagte sexuelle Handlungen an ihnen vornimmt. "Am Anfang hat mich das schon sehr mitgenommen, mittlerweile geht es", erklärt ein anderer Zeuge seine Reaktionen.

Hinweise aus den USA

Oberstaatsanwalt Eckart Berger: "Angeklagter lud Kinderpornografie auf Instagram hoch"

Sportschau 24.06.2020 00:35 Min. Verfügbar bis 24.06.2021 ARD

Alle Fotografierten berichten übereinstimmend, von den Fotos und den Handlungen im Schlaf nichts mitbekommen zu haben. Erst Jahre später hätten sie durch die Polizei davon erfahren. Die Behörden in Deutschland haben Hinweise aus den USA bekommen, vom dortigen "National Center for Missing and Exploited Children", erläutert Oberstaatsanwalt Eckart Berger.

Dort gingen Verdachtsmeldungen der amerikanischen Internetprovider ein: "Facebook, Instagram und so weiter berichten, wenn die in ihren Datenleitungen im Upload kinderpornografische Dateien feststellen. Diese Organisation leitet das an das Bundeskriminalamt weiter mit möglicherweise zur Identifizierung des Täters führenden persönlichen Verhältnissen. Und so kam man darauf, dass der Angeklagte Kinderpornografie auf einen Instagram-Account geladen hatte."

Umfangreiche Ermittlungen und Vernehmungen

Sportschau 24.06.2020 00:24 Min. Verfügbar bis 24.06.2021 ARD

In mehreren Vereinen tätig

Dann hätten sich die Ermittlungen ausgedehnt auf den Verdacht des sexuellen Missbrauchs von Kindern. Die Anklage wirft dem Ex-Trainer sexuellen und schweren sexuellen Missbrauch in mehr als 20 Fällen vor, das Fotografieren der Taten und Verbreiten der Bilder im Netz. Die Betroffenen: sieben Jungen, die Jüngsten waren zur Tatzeit neun Jahre alt.

Bei Trainerstationen in mehreren renommierten Fußballklubs in der Region Freiburg soll der Beschuldigte die Straftaten begangen haben. Zuletzt soll er als Jugendtrainer des Karlsruher SC eine Kamera in der Dusche versteckt und nackte Jungen gefilmt haben.

Oberstaatsanwalt Eckart Berger: Der Fußball hat ihm die Gelegenheit gegeben

Sportschau 24.06.2020 00:16 Min. Verfügbar bis 24.06.2021 ARD

Zeugen erinnern sich vor Gericht an "komische Situationen"

Im Nachhinein seien ihnen einige Situationen komisch vorgekommen, lassen die Zeugen vor Gericht Situationen Revue passieren, die teilweise mehr als zehn Jahre zurückliegen: Während des Duschens sei der Angeklagte häufig in die Kabine gekommen, bei Übernachtungssituationen etwa in Trainingslagern sei er in die Zimmer gekommen und habe die Jungen im Intimbereich berührt. Mit zwölf oder 13 Jahren hätten sie das nicht einordnen können, schildern die Zeugen. Ein heute 16-Jähriger beschreibt: "Das beschäftigt mich schon, warum ich das in dem Moment nicht gemerkt habe und gedacht habe, dass es Spaß war."

Rangeleien und Raufereien habe es gegeben, und der Trainer sei immer mit dabei gewesen. Auch da hätten die Berührungen stattgefunden, aber sie hätten sich nichts dabei gedacht, der Trainer sei "eine Art Freund gewesen", so die Aussagen.

Teilgeständnis keine große Bedeutung für Strafzumessung

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit hatte der Angeklagte zu Beginn des Verfahrens ein Teilgeständnis abgelegt: "Die Taten, die er jetzt eingeräumt hat, das sind die, die fotografisch dokumentiert sind. Zumindest zum großen Teil. Und da ist dann halt auch nicht so wirklich viel zu bestreiten. Die Taten, die er bisher in Abrede stellt, sind vielfach solche, für die es keine objektiven Beweise gibt, sondern wo sich die Anklage allein auf die Zeugenaussagen stützt, sodass das Geständnis bisher nicht so die sehr große Bedeutung für die Strafzumessung hat", ordnet Oberstaatsanwalt Eckhart Berger ein.

Oberstaatsanwalt Eckart Berger: "Kinder haben Übergriffe zunächst als normal betrachtet"

Sportschau 24.06.2020 00:33 Min. Verfügbar bis 24.06.2021 ARD

Bei einigen seiner ehemaligen Fußballer, die als Zeugen vor Gericht ihre Aussage gemacht haben, hat sich der Angeklagte entschuldigt. "Es tut mir wirklich leid", sagte er oder: "Ich schäme mich dafür und hoffe, dass du davon keinen Schaden hast". Bei den Zeugen, die ihm die schwersten Taten vorwerfen, schweigt der Ex-Trainer. Insgesamt sind für den Prozess fünf Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil könnte Anfang Juli fallen.

Stand: 24.06.2020, 12:03

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