Robin Afamefuna: Über das US-College zum Fußballprofi

Robin Afamefuna im Trikot der Virginia Cavaliers

Kapitän der Virginia Cavaliers

Robin Afamefuna: Über das US-College zum Fußballprofi

Von Moritz Cremers und Gian-Luca Delbach

2015 spielt Robin Afamefuna in der A-Jugend von Borussia Mönchengladbach. Dann reißt sein Meniskus. Es folgt das Aus im Nachwuchszentrum, er wechselt in die USA, ans College. Jetzt ist er einer der besten Verteidiger der Uni-Liga und kann von einer Karriere als Profi träumen.

Für den Kapitän der Virginia Cavaliers, der vielleicht besten College-Mannschaft der USA, klingt Robin Afamefuna fast zu bescheiden: "Ich bin kein Supertalent, ich war auch noch nie ein Supertalent. Ich bin kein Supertechniker, kein Goalscorer, einfach nur ein sehr sauberer Fußballer." Doch der 22-jährige Linksverteidiger aus Würselen in der Nähe von Aachen meint das ernst: "Ich wusste immer, dass ich jeden Tag hart arbeiten muss, um Profi zu werden, anders als talentiertere Spieler." Vielleicht ist es gerade dieses Wissen um die Grenzen der eigenen Fähigkeiten, das Afamefuna davon abgehalten hat, seinen Traum von Profifußball aufzugeben. Er hätte allen Grund dazu gehabt.

Meniskusriss und Aus bei Gladbach

Im September 2015 ist Afamefuna auf dem Höhepunkt seiner bisherigen Fußballkarriere: Er hat sich in den Monaten zuvor den Stammplatz als Linksverteidiger in der A-Jugend der Borussia erkämpft, steht vor dem ersten Spiel in der UEFA-Youth-League. Kurz vor dem Spiel der Gladbacher in Sevilla verletzt er sich im Training, kann aber dennoch auflaufen. Wie sich später herausstellen wird, spielt er das komplette Spiel in Sevilla mit gerissenem Meniskus. "Wenn ich mir das Spiel jetzt nochmal angucke, ist das fast lustig. Man kann sehen, dass ich mein Bein gar nicht strecken kann, nicht richtig laufen kann." Was dann kommt, ist alles andere als lustig: sechs Monate Verletzungspause, in denen er seine Form verliert - und den Anschluss ans Team. Seine Trainer teilen ihm schließlich mit, dass sie nicht weiter mit ihm planen. Sie glaubten nicht, erzählt Afamefuna, dass er wieder so spielen werde wie vor der Verletzung.

Robin Afamefuna: "Ich war nie ein Supertalent"

Sportschau 15.11.2019 00:25 Min. Verfügbar bis 14.11.2020 ARD

Der Deutsch-Nigerianer steht vor der Wahl: Versucht er es bei anderen, vermutlich unterklassigen Klubs in Deutschland, oder gibt er den Plan von der Profikarriere auf? Unerwartet eröffnet sich bei einer Präsentation einer Vermittlungsagentur ein dritter Weg: der in die USA, ans College.

Geregelter Tagesablauf statt Training und Zocken

Die Umstellung vom Leben für den Fußball im Nachwuchszentrum zur Mischung aus Uni-Alltag und täglichem Training ist selbst für den sehr guten Schüler (Abiturschnitt 1,9) herausfordernd. Nach dem Aufstehen geht es um 7 Uhr zuerst einmal in die Kabine, wo Besuche beim Physiotherapeuten, ein gemeinsames Frühstück mit der Mannschaft und Videoanalysen anstehen. Dann beginnt erst das eigentliche Training. Ab 11 Uhr geht es mit der Uni los, nach Unterrichtsschluss stehen dann noch Hausarbeiten und Lernen an. Viel Aufwand, der Afamefuna aber liegt: "Ich ziehe diesen Lebensstil definitiv dem vor, was ich im zweiten Jahr in der U19 gemacht habe. Da habe ich am Tag einmal Training gehabt und habe sonst viel Zeit auf der Couch verbracht, viel Playstation gespielt. Diese Zeit kann man sinnvoller nutzen und das mache ich jetzt."

Führungsspieler auf und neben dem Platz

Afamefuna steht jetzt nach vier Jahren am Ende seines Bachelorstudiums. Fußballerisch sei er besser geworden, sagt er über sich selbst, wichtiger ist aber wohl seine Entwicklung zum Führungsspieler. Seit vergangener Saison ist er außerdem Kapitän des Teams. Eine Aufgabe, die am College noch wichtiger ist als in anderen Mannschaften: Afamefuna ist Anlaufstelle für Sorgen und Nöte seiner Mitspieler, auch solcher, die nicht direkt mit dem Sport zu tun haben. "Dadurch, dass wir uns jeden Tag sehen und zusammen Unterricht haben oder essen, gibt es auch viele private Anliegen, mit denen Mitspieler zu mir kommen."

In seiner letzten Saison steht er jetzt mit den Virginia Cavaliers unmittelbar vor dem Highlight des Jahres: den Playoffs um den Titel des Landesmeisters im College-Fußball. Ab Ende November spielen die Cavaliers gegen die besten College-Mannschaften und gelten dabei als Mitfavorit auf den Titel. Experten sehen das Team in den Top Fünf der Nation, Afamefuna geht sogar einen Schritt weiter: "Wir sind die beste Mannschaft des Landes. Ich habe jedenfalls noch keine gesehen, die besser ist", sagt er selbstbewusst.

Der Traum lebt

Ebenso sicher ist er, dass er den Sprung in den Profifußball schaffen kann. Wenn im Januar der MLS-Super-Draft ansteht, wenn also die Profiklubs der ersten US-Liga neue Spieler vom College unter sich aufteilen, dann könnte auch Afamefunas Name aufgerufen werden. Er ist einer der besten Spieler in einem der besten Teams des Landes und als Kapitän einer, auf den sich ein Klub verlassen kann. Welches Team ihn dann auswählt, ist ihm praktisch egal: "Es wäre schon cool, wenn Atlanta mich draften würde, einer meiner Brüder lebt in der Stadt. Aber auch wenn es sich doof anhört: Es kommt, was kommt. Und das werde ich annehmen." Immerhin würde sich dann sein Traum erfüllen, der vor vier Jahren schon einmal fast ausgeträumt war.

Stichwort College Cup: Der College Cup ist ein landesweites Turnier, ausgerichtet von der National Collegiate Athletic Association (NCAA). Die besten 48 Universitätsmannschaften aus den Vereinigten Staaten treten in einem K.o.-Modus gegeneinander an, um den nationalen Uni-Champion zu küren. Das Turnier wird seit 1959 ausgerichtet und zieht tausende von Fußballfans in die Stadien. Rekordchampion ist die Saint Louis University aus Missouri. Robin Afamefunas University of Virginia ist mit sieben Titeln auf Platz drei der ewigen Bestenliste.

Stand: 14.11.2019, 12:08

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