Regionalligen - Schwierige Suche nach der Lösung

Tageskasse beim SV Rödinghausen

Coronakrise

Regionalligen - Schwierige Suche nach der Lösung

Von Lukas Thiele

Laut DFB soll es "einheitliche Lösungen" für die Fortsetzung des Spielbetriebs in den fünf Regionalligen geben. Von einer solchen Lösung ist man derzeit aber noch weit entfernt.

Der Profifußball wäre laut DFL-Chef Christian Seifert "bereit", sollte die Politik grünes Licht geben, für eine Fortsetzung der Saison mit Geisterspielen. In den unteren Klassen ist man dagegen noch lange nicht soweit. Vor allem in den fünf Regionalligen, vertreten durch fünf verschiedene Regionalverbände, gestaltet sich die Suche nach einer Lösung schwierig.

Fest steht: Bis zum 31. August werden in den Regionalligen aufgrund des Verbots von Großveranstaltungen durch die Bundesregierung keine Spiele vor Zuschauern stattfinden können. Das stellt die Vereine vor enorme finanzielle Probleme, da in den Regionalligen die Zuschauereinnahmen einen Großteil der Etats ausmachen. Es drohen Insolvenzen.

Viertligsten - Existenzielle Bedrohung durch Zuschauerverlust Mittagsmagazin 22.04.2020 02:39 Min. Verfügbar bis 22.04.2021 Das Erste

Warten auf Drittliga-Entscheidung

Zu den finanziellen Nöten kommen aber auch noch sportliche Fragezeichen. Kann die seit März ruhende Saison fortgesetzt werden? Wenn ja, wann? Und wer steigt in die 3. Liga auf, die ihre Saison möglichst bis zum 30. Juni beenden möchte? Wie der Deutsche Fußball Bund (DFB) am Freitag (24.04.2020) bekanntgab, soll bei einem außerordentlichen Bundestag über das Schicksal der 3. Liga entschieden werden. Diese Entscheidung wird entscheidende Auswirkungen auf die Regionalligen haben.

Der DFB wünscht sich laut seiner Homepage möglichst eine "einheitliche Lösung" für alle Regionalligen. Ein Sprecher des Westdeutschen Fußballverbandes (WDFV)  bestätigte gegenüber Sportschau.de zwar, dass es einen regelmäßigen Austausch zwischen den Verbänden gebe, dennoch stellt sich die Situation in den verschiedenen Regionalliga-Staffeln äußert unterschiedlich dar.

Regionalliga West vor Abbruch

Beim WDFV, zuständig für die Regionalliga West, ist die Tendenz eindeutig. Auf einer Videokonferenz haben sich am vergangenen Dienstag 16 von 18 Vereinen für einen Abbruch der Saison ausgesprochen. Lediglich Rot-Weiss Essen stimmte dagegen, die zweite Mannschaft von Borussia Mönchengladbach enthielt sich. Absteiger soll es keine geben. Die Frage nach dem Aufstiegsanwärter birgt jedoch Konfliktpotenzial. Tabellenführer SV Rödinghausen hat keine Lizenz für die 3. Liga beantragt. Demnach könnte der Tabellenzweite, aktuell der SC Verl, gegen den Vertreter der Regionalliga Nordost um den Drittliga-Aufstieg spielen. Marcus Uhlig, Geschäftsführer von Rot-Weiss Essen, hat im Falle einer solchen Entscheidung jedoch bereits Protest angekündigt. "Es kann nicht sein, dass der Verband Verl zum Meister kürt und wir bekommen gar nichts", sagte Uhlig. RWE liegt in der Tabelle zwei Punkte hinter Verl, hat aber auch bereits zwei Spiele mehr absolviert.

Regionalliga West: Klare Mehrheit für Abbruch der Saison

00:57 Min. Verfügbar bis 22.04.2021 Von Ulli Schäfer

SV Babelsberg widerspricht NOFV

Der Blick aus dem Westen geht derweil verstärkt in den Nordosten, zum möglichen Gegner in einem Aufstiegs-Relegationsspiel. Beim zuständigen Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) ist das Meinungsbild noch nicht so klar wir im WDFV. Laut Verband sprach sich die Mehrheit der Vereine für eine Fortsetzung der Saison und eine sportliche Entscheidung vor dem 30. Juni aus.

Der SV Babelsberg widersprach dieser Darstellung jedoch. Die Zusammenfassung des NOFV werde "dem Stimmungsbild nicht gerecht", hieß es auf der Homepage der Babelsberger. "Die Mehrheit der Vereine plädiert für einen Abbruch oder eine Annullierung der Saison. Sie sehen unter den aktuellen Umständen keine Voraussetzungen, die Saison zu Ende zu spielen." Wie es weitergeht, ist offen. Die Tabelle führt aktuell die VSG Altglienicke an, hat jedoch gegenüber dem punktgleichen Tabellenzweiten Lok Leipzig ein Spiel mehr absolviert. Das könnte im Falle eines Saisonabbruches zu weiteren Konflikten führen. Dazu ist auch noch nicht geklärt, ob ein Relegationsspiel gegen einen West-Vertreter überhaupt stattfinden kann.

Aufstiegsfrage in Bayern wohl geklärt

In Bayern sieht man die Sache wesentlich entspannter. In einer Umfrage des Bayrischen Fußball-Verbandes (BFV) hat sich eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Amateurclubs dafür ausgesprochen, die aktuelle Saison nach dem 31. August fortzusetzen. Dieses Votum gilt jedoch ausdrücklich nicht für die Regionalliga. Wie ein Sprecher des BFV gegenüber sportschau.de bestätigte, will man zunächst die Entscheidungen des DFB für die 3. Liga abwarten. Sollte es einen Aufsteiger geben, wird das aller Voraussicht nach Türkgücü München sein, aktuell mit neun Punkten Vorsprung Tabellenführer. Der Tabellenzweite aus Schweinfurth hatte bereits ein entsprechendes Signal gegeben. Lauf BFV wird derzeit aber über noch meherere Lösungswege gesprochen.

Kaum Erkenntnisse in Südwest- und Nord-Staffel

Wenig Erkenntnisse gibt es aktuell in Staffeln Südwest und Nord. Im Norden ist der Verband laut "Sportbuzzer" derzeit dabei, ein Meinungsbild von den Vereinen einzuholen. Eine Tendenz gibt es noch nicht. Eine finale Entscheidung hänge derweil auch an den behördlichen Verfügungen und den Entscheidungen des DFB für die 3. Liga, wie der Nordeutsche Fußball-Verband gegenüber sportschau.de mitteilte.

Auch im Südwesten ist das Meinungsbild der Klubs noch nicht bekannt. Eine Entscheidung soll auch von der 3. Liga abhängig sein. "Bevor da nichts entschieden ist, können wir auch nichts entscheiden", sagte der Geschäftsführer der Trägergesellschaft Regionalliga Südwest GbR, Sascha Döther, dem „Kicker“. Beste Chancen auf einen eventuellen Aufstieg hat hier wohl der 1. FC Saarbücken, der in der Tabelle aktuell sechs Punkte vor der SV Elversberg liegt.

No Sports!? - Wie kommt der Sport durch die Corona-Krise? - Folge 3 sport inside 15.04.2020 08:51 Min. Verfügbar bis 15.04.2021 WDR

DFB gegen zweigleisige 3. Liga

Die Elversberger und auch Rot-Weiss Essen haben sich unterdessen für eine zweigleisige 3. Liga ausgesprochen. „Eine zweigleisige 3. Liga wäre gut finanzierbar“, sagte RWE-Geschäftsführer Uhlig: „Es gibt mehr Derbys, höhere Einnahme-Potenziale bei den Zuschauern und weniger Reisekosten. Da kann man nicht mit einem Handstrich sagen, wir machen das nicht.“ Der DFB hatte in der vergangenen Woche bereits erklärt, eine zweigleisige 3. Liga sei „weiterhin kein Thema“. Zudem hätten sich alle aktuellen Drittligisten dagegen ausgesprochen.

Stand: 24.04.2020, 21:48

Darstellung: