Polizeikosten bei Hochrisikospielen - Vereine wollen sich nicht beteiligen

DFL - Beteiligung an Polizeikosten

Hochrisikospiele

Polizeikosten bei Hochrisikospielen - Vereine wollen sich nicht beteiligen

Die Mehrheit der 36 Erst- und Zweitligisten will sich nicht an den Kosten für Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen beteiligen - zu Lasten von Werder Bremen.

Die Profiklubs lehnten bei ihrer Versammlung am Dienstag (03.12.2019) in Frankfurt eine solidarische Beteiligung an den Auslagen ab. Die Bremer hatten bei der DFL einen Antrag auf eine "angemessene Teilung" der Kosten eingereicht und die anderen Klubs aufgefordert, gegen die Umlegung aller Auslagen auf Werder zu stimmen.

Sportschau.de hat die wichtigsten Fragen zum Thema zusammengestellt.

Worum geht es bei dem Streit genau?

Es geht um Polizeikosten, die bei Hochrisikospielen zusätzlich anfallen, weil mehr Beamte eingesetzt werden müssen. Pro Saison gibt es in der Bundesliga und der 2. Liga davon insgesamt etwa 50 Begegnungen.

Wer entscheidet über die Einstufung Hochrisikospiel?

In Paragraph 32 der Regularien des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gibt es "Spiele mit erhöhtem Risiko, bei denen aufgrund allgemeiner Erfahrung oder aktueller Erkenntnisse die hinreichende Wahrscheinlichkeit besteht, dass eine besondere Gefahrenlage eintreten wird". Konkret entscheidet der DFB in Absprache mit den Sicherheitsbehörden und den Vereinen. Meist geht es um Derbys oder um Spiele, bei denen verfeindete Fangruppen aufeinandertreffen.

Watzke: "Solidarität ist das eine, Ordnungspolitik das andere"

Sportschau 04.12.2019 01:30 Min. Verfügbar bis 04.12.2020 ARD Von HR-Reporter Tim Brockmeier

Welches Bundesland erhebt bislang Gebührenbescheide?

Nur das Land Bremen hat bisher eine Gebührenordnung eingeführt, die es erlaubt, die Kosten auf die Deutsche Fußball-Liga (DFL) abzuwälzen. Klubs in anderen Bundesländern können nur zur Kasse gebeten werden, wenn dort ähnliche Gebührenordnungen eingeführt werden.

Wie verhalten sich die anderen Länder?

Am Mittwoch (04.12.2019), dem Tag nach der DFL-Versammlung, treffen sich die Innenminister in Lübeck. Dort wird sich zeigen, welche Länder Bremen folgen könnten. Rheinland-Pfalz hat schon Bereitschaft signalisiert, Hamburg und das Saarland denken noch nach.

Wie verhält sich die DFL?

Das Bundesverwaltungsgericht hatte im März entschieden, dass die Bundesländer die zusätzlichen Polizeikosten bei Hochsicherheitsspielen grundsätzlich der DFL in Rechnung stellen dürfen. Die DFL hatte im September die Gebührenbescheide des Landes Bremen für vier Partien des Bundesligisten Werder in Höhe von 1,17 Millionen Euro mit großem Widerwillen beglichen.

Urteil und Begründung zum Polizeikosten-Streit in voller Länge Sportschau 29.03.2019 21:03 Min. Verfügbar bis 29.03.2020 Das Erste

Die Hälfte der Gesamtsumme wurde Werder gleich in Rechnung gestellt. Wer die anderen 584.000 Euro bezahlen soll, war bisher noch ungeklärt. Es gab zwei Varianten: Die Kosten werden auf alle Profiklubs umgelegt oder Werder muss auch die andere Hälfte begleichen.

Wie verhalten sich die anderen Klubs?

Werder Bremen hatte beantragt, in Zukunft nicht allein auf den Kosten für den zusätzlichen Einsatz von Sicherheitskräften bei Hochrisikospielen sitzen zu bleiben. Der Verein appelliert stattdessen an das Solidaritätsprinzip und möchte erreichen, dass es zu einer "angemessenen Teilung" dieser Kosten unter den Erst- und Zweitliga-Klubs kommt.

Auch Bremens Innensenator Ulrich Mäurer und sein rheinland-pfälzischer Kollege Roger Lewentz fordern die Einrichtung eines Fonds durch den Profifußball. Die 36 deutschen Profivereine lehnten nun eine Beteiligung an den Kosten ab.

Wie geht es jetzt weiter?

Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald kündigte an, rechtliche Schritte gegenüber der DFL zu prüfen. Das zeigt: Aus einem Streit, der ursprünglich einmal zwischen Profifußball und Politik ausgetragen wurde, droht nun eine Auseinandersetzung innerhalb des Fußball-Geschäfts zu werden. "Wir werden uns, wenn nötig, auch mit juristischen Mitteln dafür einsetzen, dass nicht 100 Prozent und auch nicht 50 Prozent der Kosten an uns weiterbelastet werden. Wir sind in der Position, dass wir uns jetzt auch gegen die DFL stellen müssen", sagte Hess-Grunewald.

Die kämpferische Haltung der Werder-Verantwortlichen kommt nicht von ungefähr. Schließlich hat Bremens Innensenator Ulrich Mäurer bereits deutlich gemacht, dass er weitere Rechnungen schicken wird. Drei Bescheide in Höhe von 1,12 Millionen Euro sind bereits in Arbeit - ganz abgesehen von Gebühren für kommende Partien.

sid/dpa | Stand: 03.12.2019, 12:40

Darstellung: