Elfmeter ohne Nachschuss vom Tisch

Herthas Vedad Ibisevic verwandelt am 6. Spieltag gegen Bayern München einen Elfmeter

Sitzung der Regelhüter

Elfmeter ohne Nachschuss vom Tisch

Von Chaled Nahar

Die Regelhüter des IFAB haben von der Idee eines Elfmeters ohne Nachschuss Abstand genommen. Dafür rückt eine Präzisierung des Handspiels näher.

"Die Idee wurde bei der Sitzung nicht besprochen", sagt Lukas Brud, der Geschäftsführer des International Football Association Board (IFAB), das die Regeln des Fußballspiels berät und beschließt. Im Gespräch mit sportschau.de sagt Brud: "Deshalb wird das Prozedere zunächst nicht weiterverfolgt."

Die Idee lautete: Abstoß bei gehaltenen Bällen

Vor der von Brud angesprochenen Sitzung des IFAB am Donnerstag vergangener Woche, bei der Vorschläge für mögliche Regeländerungen für die Generalversammlung am 2. März 2019 in Aberdeen besprochen wurden, hatten zahlreiche Medien über die Idee berichtet.

Nach dem Vorschlag sollte bei einem Strafstoß im Spiel der Ablauf künftig wie beim Elfmeterschießen sein - ein Nachschuss wäre also nicht mehr möglich. Ein vom Torwart abgewehrter Ball oder ein Abpraller von Pfosten oder Latte hätten einen Abstoß als Spielfortsetzung zur Folge haben sollen. Selbst der DFB-Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich hatte sich bereits positiv zu der möglichen Regeländerung geäußert.

Der Schiedsrichter hätte nicht mehr die schwierige Entscheidung treffen müssen, ob ein Spieler zu früh in den Strafraum gelaufen ist oder nicht. Dieses Problem ist allgemein erkannt - die nun vorgeschlagene Lösung wird jedoch derzeit vom IFAB nicht unterstützt.

Dauerthema Handspiel: "absichtlich" oder "unnatürlich"?

Das wohl wichtigste Thema für die Generalversammlung des IFAB - nur diese kann Änderungen beschließen - wird damit das Handspiel. "Wir wollen die Formulierung präzisieren", sagt Brud. "Wir können keine Schwarz-Weiß-Regel schaffen, nach der jede Arm- oder Handberührung ein Handspiel ist. Denn dann würden viele Spieler auf die Arme des Gegners zielen." Man könne das Problem also nicht lösen, aber verkleinern.

Dem Vorschlag aus der vorbereitenden Sitzung zufolge wird das IFAB diskutieren, ob künftig eine "unnatürliche Armbewegung" die vornehmliche Grundlage für ein Handspiel sein soll. Als "unnatürlich" würde eine Armhaltung über Schulterhöhe gelten. Wenn ein Spieler den Arm über Schulterhöhe hat, wäre beispielsweise damit auch ein Ballkontakt von hinten ein Handspiel. Das würde sich weitgehend an das Vorgehen der Schiedsrichter bei der WM anschließen.

Darüber hinaus könnte das IFAB künftig unter bestimmten Voraussetzungen auch ein unabsichtliches Handspiel strafbar machen. Nämlich in den Fällen, in denen ein Spieler einer angreifenden Mannschaft durch das unabsichtliche Handspiel einen klaren Vorteil hat: beispielsweise eine Torerzielung oder die Einleitung einer klaren Torchance.

Weitere Änderungen möglich

Neben dem Handspiel wird das IFAB bei seiner Generalversammlung über weitere mögliche Regeländerungen abstimmen.

Auswechslungen: Da sie häufig Instrument des Zeitschindens sind, sollen Auswechslungen dadurch beschleunigt werden, dass der ausgewechselte Spieler dort das Spielfeld zu verlassen hat, wo er sich zum Zeitpunkt des gewünschten Wechsels befindet.

Abstoß und Freistoß im eigenen Strafraum: Der Ball soll nicht wie bisher zwingend den Strafraum verlassen müssen, bevor ein Mitspieler ihn annehmen darf. Dadurch war nämlich auch hier ein Zeitspiel möglich, da Abstoß oder Freistoß dann bislang wiederholt werden müssen.

Strafen für Offizielle: Der Schiedsrichter soll auch Vereinsoffiziellen wie beispielsweise Trainern transparent mit Gelben und Roten Karten signalisieren, wenn er sie verwarnt oder aus dem Innenraum verweist.

Schiedsrichterball: Wenn der Schiedsrichter das Spiel unterbricht und mit einem Schiedsrichterball fortsetzt, soll er der Mannschaft den Ball zuspielen, die zuletzt am Ball war.

Torwart beim Elfmeter: Der Torwart soll künftig nur noch einen Fuß auf der Torlinie haben müssen. Damit soll den Torhütern klarer gemacht werden, welchen Bewegungsspielraum sie bei einem Elfmeter haben. Zudem werden solche Situationen für den Schiedsrichter und den Video-Assistenten leichter zu bewerten sein.

Sechs von acht Mitgliedern müssen zustimmen

Das IFAB hat acht Mitglieder. Vier davon stammen traditionell aus den Verbänden von England, Schottland, Wales und Nordirland. Die anderen vier entsendet die FIFA. Bei einer Abstimmung des IFAB müssen sechs der acht Mitglieder für eine Regeländerung stimmen, damit sie in Kraft tritt - so auch im kommenden März. Die vier Mitglieder aus der FIFA stimmen immer geschlossen ab.

Das IFAB ist ein der FIFA übergeordnetes Gremium, das die Regeln des Fußballspiels berät und beschließt. Es wurde von den Verbänden des Vereinigten Königreichs mehr als 20 Jahre vor der FIFA gegründet. Die FIFA erkannte bei ihrer Gründung 1904 die Hoheit des IFAB in Regelfragen an.

Stand: 27.11.2018, 16:15

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