Abstoß, ABBA und Co. - Wo der Fußball neue Regeln bekommt

Regel-Reformen in Europas Fußball-Ligen

Abstoß, ABBA und Co. - Wo der Fußball neue Regeln bekommt

Von Volker Schulte

Mehrere Länder führen neue Fußballregeln ein: beim Elfmeterschießen, bei Trainerstrafen, bei elektronischen Hilfsmitteln und beim Liga-Modus. Außerdem testet die FIFA eine Reform des Abstoßes - um einen Logikfehler im Regelwerk zu beheben.

Niederlande: ABBA im Elfmeterschießen

Elfmeterschießen zwischen Russland und Kroatien

Elfmeterschießen zwischen Russland und Kroatien

Erst schießt ein Spieler von Mannschaft A, dann einer von Mannschaft B, dann wieder A, wieder B ... so lautet das gängige Prinzip beim Elfmeterschießen. Allerdings besagen Studien, dass die beginnende Mannschaft einen Vorteil hat, da sie mit verwandelten Versuchen die Schützen von Mannschaft B unter Druck setzen kann. In knapp 60 Prozent der Fälle gewinnt demnach Mannschaft A.

Diese Ungleichheit beseitigen soll das System ABBA, das in dieser Saison im niederländischen Pokalwettbewerb eingeführt wird. Auf den ersten Schützen von Mannschaft A folgen zwei Schützen von Mannschaft B, dann zwei Schützen von Mannschaft A und so weiter.

England: Karten auch für Trainer

Die Schiedsrichter in England können künftig nicht nur Spieler, sondern auch Trainer mit Gelben und Roten Karten bestrafen. Die neue Regel gilt zunächst für die unteren Ligen und die Pokalwettbewerbe, aber noch nicht für die Premier League. Gelbe Karten können die Trainer etwa für höhnisches Klatschen oder für einen wütenden Flaschenwurf kassieren.

Nach vier Gelben Karten wird der Trainer für ein Spiel gesperrt, nach acht Karten für zwei Spiele, nach zwölf Karten für drei Spiele. Nach 16 Karten müssen die Trainer vor einen Disziplinarausschuss treten.

Österreich: Komplett neuer Modus

Österreichs Bundesliga wird nicht nur von zehn auf zwölf Teams aufgestockt, sondern in der Hoffnung auf mehr Spannung und höhere Zuschauerzahlen grundsätzlich reformiert. Nach klassischem Hin- und Rückspiel wird die Liga in zwei Sechsergruppen getrennt. Dabei nehmen die Teams die Hälfte ihrer bis dahin gesammelten Punkte mit in diese Gruppen, bei ungeraden Zahlen wird abgerundet. Anschließend spielen die besten Sechs in der sogenannten Meistergruppe in Hin- und Rückspiel um den Titel, die unteren Sechs gegen den Abstieg (ein Abstiegsplatz).

Die beiden besten Teams der Meistergruppe qualifizieren sich für die Champions League oder deren Qualifikation. Der Dritte darf in die Europa-League-Qualifikation. Ein weiterer Platz in der Europa-League-Qualifikation wird in Play-offs ausgespielt: Der Sieger der Qualifikationsgruppe spielt zunächst ein Heimspiel gegen den Fünftplatzierten der Meistergruppe. Der Sieger dieser Partie spielt dann in Hin- und Rückspiel gegen den Viertplatzierten der Meistergruppe.

Deutschland: Elektronische Kommunikation auf der Trainerbank

Von der neuen Bundesligasaison an dürfen Trainerteams zu taktischen Zwecken elektronische Kommunikation einsetzen. Beispielsweise kann ein Taktik-Analyst von der Tribüne aus Tipps geben. Außerdem kann der Teamarzt während der Behandlung von verletzten Spielern die Diagnose zur Trainerbank funken.

FIFA-Jugendwettbewerbe: Auswechslungen und Abstoß-Reform

Schalkes Schlussmann Ralf Fährmann beim Abstoß.

Schalkes Schlussmann Ralf Fährmann beim Abstoß.

Der Weltverband testet in Jugendwettbewerben Gelbe und Rote Karten für Trainer (wie in England) sowie eine Neuerung bei Auswechslungen: Um Zeitspiel einzudämmen, darf der Schiedsrichter zur Auswechslung vorgesehene Spieler auffordern, das Spielfeld an einer beliebigen Stelle zu verlassen. Bisher muss der Spieler das Feld auf Höhe der Mittellinie verlassen - was oft für Zeitspiel missbraucht wird.

Auch der Abstoß wird testweise neu geregelt. Laut aktuell gültiger Regel muss der Ball nach einem Abstoß den Strafraum verlassen, bevor ein Spieler ihn berühren darf. Nimmt ein Mitspieler den Ball innerhalb des Strafraums an, wird dieser Regelverstoß aber nicht etwa bestraft, sondern der Abstoß wiederholt. Diese Regel können Spieler, die sich einem Pressing des Gegners ausgesetzt sehen, ausnutzen, indem sie den Ball bewusst innerhalb des 16ers annehmen.

Die nun getestete Regel sieht vor, dass der Ball ähnlich wie bei Freistößen den Strafraum nicht unbedingt verlassen muss. Stattdessen kann beispielsweise der ausführende Torwart auch einen direkt neben ihm befindlichen Spieler anspielen. Erst wenn dieser den Ball berührt, dürfen die Gegner den Strafraum betreten.

Stand: 10.08.2018, 14:40

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