Diese Regeländerungen könnten in der neuen Fußball-Saison kommen

Schiedsrichter Harm Osmers pfeift ein Handspiel

Sitzung der Regelhüter

Diese Regeländerungen könnten in der neuen Fußball-Saison kommen

Von Chaled Nahar

Die Regelhüter des International Football Association Board (IFAB) treffen sich am Samstag zu ihrer Generalversammlung. Sie werden möglicherweise die Handspielregel ändern - und zwei Maßnahmen gegen das Zeitspiel ergreifen.

Die Generalversammlung des International Football Association Board (IFAB) ist ein wichtiger Termin, denn es ist der einzige, an dem die Regeln des Fußballspiels geändert werden können. Nur das IFAB berät und beschließt die Fußballregeln - und wird am Samstag (02.03.2019) im schottischen Aberdeen diese Vorschläge diskutieren:

Handspiel: "absichtlich" oder "unnatürlich"?

Das wohl wichtigste Thema wird das Handspiel sein. Zwei Änderungen stehen dabei zur Abstimmung:

1. Die "unnatürliche Armbewegung" könnte Teil des Regelwerks werden. Eine Armhaltung über Schulterhöhe würde grundsätzlich bei einem Kontakt mit Hand oder Arm ein strafbares Handspiel nach sich ziehen. Das soll eine klare Grenze aufzeigen, die es für Fans und Spieler nachvollziehbarer macht, wann ein Handspiel vorliegt. Auch dem Video-Assistenten wäre geholfen, der mit einer klareren Kategorie seinen (Nicht-) Eingriff rechtfertigen könnte. Es soll dabei allerdings Ausnahmen geben: Beispielsweise, wenn der Ball von einem anderen Körperteil abprallt oder wenn ein Arm bei einer Grätsche zum Abstützen benutzt wird.

2. Unabsichtliches Handspiel könnte (teilweise) strafbar werden. Und zwar ausschließlich dann, wenn aus einem solchen Handspiel eine Torchance oder sogar ein Tor entsteht - ein sogenannter "klarer Vorteil". Ein Beispiel ist das Tor von Mönchengladbachs Christoph Kramer am 17. Bundesliga-Spieltag bei Borussia Dortmund. Ein solcher Treffer würden bei Annahme der Regeländerung nicht mehr zählen. Die Regel beträfe ausschließlich die Offensive. Wer unabsichtlich mit der Hand ein Tor verhindert, käme weiter ungestraft davon. Ziel dabei ist, dem Schiedsrichter und dem Video-Assistenten mit deutlicheren Vorgaben die Auslegung einfacher zu gestalten.

Handspiel: "Absicht" bleibt, "Uhr-Regel" kommt nicht

Wichtig beim Thema Handspiel: Der Terminus "Absicht" wird nicht gestrichen. "Das stand niemals zur Debatte. Absicht ist und bleibt eine Voraussetzung für ein Handspiel", sagt IFAB-Geschäftsführer Lukas Brud im Gespräch mit sportschau.de.

Auch eine bestimmte Armhaltung - zu lesen war in Medien von sogenannten "4-Uhr- und 8-Uhr-Haltungen" oder anderen an einem Zifferblatt orientierten Haltungen - wird nicht als regelwidrig festgelegt. "Diese Diskussion hat nicht stattgefunden", stellt Brud klar, "das Zifferblatt wird keine Rolle spielen." Eine generelle Strafbarkeit jeder Ballberührung mit Hand oder Arm komme ebenfalls nicht in Frage - das könnte zu einer Art "Völkerball" führen, bei der Spieler versuchen, ihre Gegner am Arm zu treffen.

Zeitspiel: Auswechslungen und Abstöße im Visier

Auswechslungen: Auswechslungen sollen dadurch beschleunigt werden, dass der ausgewechselte Spieler dort das Spielfeld zu verlassen hat, wo er sich zum Zeitpunkt des gewünschten Wechsels befindet. Der oft gemächliche Gang zur Bank würde entfallen.

Abstoß und Freistoß im eigenen Strafraum: Der Ball soll nicht wie bisher den Strafraum verlassen müssen, bevor ein Mitspieler ihn annehmen darf. Dadurch war nämlich bisher ein Zeitspiel möglich, da Abstoß oder Freistoß wiederholt werden müssen. Eine vorgetäuschte Unachtsamkeit brachte dabei bislang einige Sekunden ein - das würde entfallen.

Strafen für Offizielle: Ein weiteres disziplinarisches Thema: der Schiedsrichter soll auch Vereinsoffiziellen wie beispielsweise Trainern transparent mit gelben und roten Karten signalisieren, wenn er sie verwarnt oder aus dem Innenraum verweist.

Bewegungsfreiheit für den Torwart und Schiedsrichterball

Und noch zwei weitere Themen wird es geben.

Torwart beim Elfmeter: Der Torwart soll künftig nur noch einen Fuß auf Höhe der Torlinie haben müssen, nicht beide. Damit soll den Torhütern klarer gemacht werden, welchen Bewegungsspielraum sie bei einem Elfmeter haben. Zudem werden solche Situationen für den Schiedsrichter und den Video-Assistenten leichter zu bewerten sein.

Schiedsrichterball: Wenn der Schiedsrichter das Spiel unterbricht und mit einem Schiedsrichterball fortsetzt, soll er künftig der Mannschaft den Ball zuspielen, die zuletzt am Ball war.

Regeln für Regeländerung: Dreiviertelmehrheit ist nötig

Das IFAB hat acht Mitglieder. Bei einer Abstimmung müssen sechs der acht Mitglieder für eine Regeländerung stimmen, damit sie in Kraft tritt. Änderungen würden ab dem 1. Juni gelten. Dass die genannten Vorschläge durchkommen, gilt als sehr wahrscheinlich. Schließlich haben alle Beteiligten an der Ausarbeitung der Vorschläge mitgearbeitet und sie in den Sitzungen zuvor bis in die entscheidende Generalversammlung getragen.

Vier der acht Mitglieder stammen traditionell aus den "Ur-Verbänden" England, Schottland, Wales und Nordirland. Die anderen vier entsendet die FIFA. Die vier Mitglieder aus der FIFA müssen immer geschlossen abstimmen, die anderen dürfen unterschiedlich votieren. An der Abstimmung sind meist die obersten Vertreter der vier Verbände und der FIFA beteiligt: Präsidenten, Geschäftsführer, Generalsekretäre.

IFAB von der FIFA 1904 anerkannt

Das IFAB ist ein der FIFA übergeordnetes Gremium. Es wurde von den vier Verbänden des Vereinigten Königreichs mehr als 20 Jahre vor der FIFA gegründet. Die FIFA erkannte bei ihrer Gründung 1904 die Hoheit des IFAB in Regelfragen an.

Stand: 25.02.2019, 08:36

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