Regeländerungen sollen Schiedsrichter-Entscheidungen verständlicher machen

Handspiel von Sebastian Langkamp

Regeländerungen vor der neuen Saison

Regeländerungen sollen Schiedsrichter-Entscheidungen verständlicher machen

Videobeweis, Handspiel, Auswechslungen, Freistöße: Diese Spielsituationen sorgten zuletzt immer wieder für mächtig Ärger. Regelveränderungen zur neuen Saison sollen es Schiedsrichtern, Videoassistenten und den Zuschauern leichter machen.

Abwehrmauer bei Freistößen: Alle Spieler des angreifenden Teams müssen einen Abstand von mindestens einem Meter zur Mauer einhalten. Falls nicht, wird dies mit einem direkten Freistoß geahndet. Bisher "versteckten" sich oft Spieler der angreifenden Mannschaft in der Mauer und schufen dann eine Lücke durch Ausweichen oder Fallenlassen. Dadurch gab es ein ständiges Gerangel.

Auswechslungen: Der Spieler, der ausgewechselt wird, muss den Rasen über die nächste Auslinie verlassen. Bisher wurde oft Zeit geschunden, wenn sich ein angeschlagener Profi quer über den Platz Richtung Bank schleppte.

Abstoß: Bei Abstößen ist der Ball im Spiel, sobald er mit dem Fuß gespielt wurde. Er muss den Strafraum dabei nicht verlassen. Damit haben die Mannschaften mehr spielerische Lösungen.

Gelbe und Rote Karten für Trainer und Betreuer: Diese können wegen unsportlichen Verhaltens gegeben werden - neue FIFA-Regel. Rot (Verweis auf die Tribüne) zieht mindestens ein Spiel Sperre nach sich. Noch nicht entschieden ist, ob es nach der dritten Gelben Karte ein Spiel Sperre gibt. Tendenz beim DFB: ja.

Der Ball und der Schiedsrichter: Wenn der Ball den Unparteiischen berührt und danach ins Tor geht, dadurch der Ballbesitz wechselt oder ein Angriff gestartet wird, gibt es Schiedsrichterball. Bisher galt: Der Schiedsrichter ist Luft.

Strafstoß: Bei der Ausführung eines Strafstoßes muss sich der Torhüter mindestens mit einem Teil seines Fußes auf oder über der Linie befinden und er darf nicht hinter der Linie stehen. Bei der Frauen-WM wurde die Regel bereits angewandt und sorgte für viel Unmut, weil Torhüterinnen beim Verstoß mit Gelb bestraft wurden. Diese Konsequenz wurde beim Elfmeterschießen ausgesetzt, sonst hätte es schnell mal Gelb-Rot für die Keeperin gegeben.

Handspiel: Die Regel enthält nach DFB-Angaben nun "klare Richtlinien, wann ein unabsichtliches Handspiel zu ahnden ist und wann nicht". Der Verband will "eine verbesserte Vereinheitlichung bei der Bewertung gewisser Handspielsituationen" erreichen und hat 40 "relevante Handspielsituationen" an die Vereine übermittelt. Trainer und Spieler sollen die Szenen bewerten. Am 5. August ist ein zweiter Workshop der 1. und 2. Liga. Klar ist: Handspiele vor einem Tor werden künftig in jedem Fall abgepfiffen. "Das macht es viel einfacher für die Schiedsrichter. Da wird es keine Diskussionen mehr geben", verspricht Videochef Jochen Drees.

Fußball-Regeländerungen zum Handspiel

1. Die "unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche" wird Teil des Regelwerks. Eine Armhaltung über Schulterhöhe zieht damit künftig grundsätzlich bei einem Kontakt mit Hand oder Arm ein strafbares Handspiel nach sich. Es soll dabei allerdings Ausnahmen geben: Beispielsweise, wenn der Ball von einem anderen Körperteil abprallt oder wenn ein Arm bei einer Grätsche zum Abstützen benutzt wird. Auch unterhalb der Schulterhöhe soll eine "unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche" strafbar werden.

2. Unabsichtliches Handspiel wird teilweise strafbar. Und zwar dann, wenn aus einem solchen Handspiel eine Torchance oder sogar ein Tor entsteht - ein sogenannter "klarer Vorteil". Ein Beispiel ist das Tor von Mönchengladbachs Christoph Kramer am 17. Bundesliga-Spieltag bei Borussia Dortmund. Ein solcher Treffer wird künftig nicht mehr zählen. Die Regel betrifft ausschließlich die Offensive. Wer unabsichtlich mit der Hand ein Tor verhindert, kommt weiter ungestraft davon.

Videobeweis: Erstmals wird der Videobeweis in der 2. Liga angewandt. Verlässt der Schiedsrichter nach Ende einer Halbzeit das Spielfeld, um eine Videoüberprüfung vorzunehmen oder die Spieler auf das Spielfeld zurückzuholen, darf er eine Entscheidung noch ändern. Außerdem sollen die Bilder aus dem Keller in Köln verbessert werden. "Unser Schwerpunkt in der kommenden Saison wird sein, den Informationsfluss zu beschleunigen", sagte Drees. Der frühere Spitzenreferee rechnet aber nicht damit, dass die Zuschauer umstrittene Szenen bereits in der neuen Spielzeit auf der Videotafel zu sehen bekommen. Der so oft kritisierte Videobeweis soll damit weiter verbessert werden.

Handspiel beim Torhüter: Torhüter dürfen nach einem Einwurf oder Rückpass eines Mitspielers den Ball mit der Hand berühren - wenn sie ihn vorher bei einem Klärungsversuch eindeutig mit dem Fuß gespielt oder dies versucht haben. Damit haben die Torwarte nun die Möglichkeit, nach einem missglückten Klärungsversuch noch mit der Hand einzugreifen.

Karten und Freistöße: Der Schiedsrichter kann Gelb oder Rot auch erst bei der nächsten Spielunterbrechung zeigen, wenn der Freistoß schnell ausgeführt wird. Damit wird dem Team, das einen Freistoß zugesprochen bekommt, der Überraschungseffekt nicht mehr genommen. und der Gegner kann sich nicht mehr in Ruhe positionieren.

sid/dpa/red | Stand: 31.07.2019, 09:56

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