Viel Unterstützung für Al Araibi - aber weiter Todesangst

Fußballer droht Auslieferung nach Bahrain

Viel Unterstützung für Al Araibi - aber weiter Todesangst

Von Marcus Bark und Robert Kempe

Es kommt Bewegung in den Fall des Fußballers Hakeem Al Araibi. Große Sportverbände setzen sich für den politischen Flüchtling ein, der in Thailand im Gefängnis sitzt. Reicht das, um seine Auslieferung nach Bahrain zu verhindern? Es geht um Macht und Intrigen im Fußball, Al Araibi fürchtet, dass es sogar um sein Leben geht.

Der Flug JQ29 landet am Abend des 27. November 2018 mit knapp einer Stunde Verspätung auf dem Flughafen Suvarnabhumi in Bangkok. Hakeem Al Araibi ist mit seiner Frau an Bord. Die Saison in der Victorian Premier League ist längst beendet, Al Araibi ist mit dem Pascoe Vale FC Vierter in der zweiten australischen Liga geworden.

Zehn Stunden und zwölf Minuten hat der Flug gedauert, der das Ehepaar in die Flitterwochen bringen soll. Aber die Reise endet für Al Araibi im Gefängnis.

Proteste gegen das Königshaus

So hat es Bahrain gewollt. Der kleine Staat im Persischen Golf ist das Geburtsland von Al Araibi. Er hat dort für die Nationalmannschaft Fußball gespielt.

Der Arabische Frühling erreicht Bahrain 2011. Hakeem Al Araibi wird in jenem Jahr gerade mal 18 Jahre alt. Auch prominente Fußballer protestieren in der ersten Reihe, lehnen sich auf, werden deshalb zu Staatsfeinden und spüren später die Härte, mit der das Königshaus Al Khalifa den Protest verfolgt.

Al Araibi, ein prominenter Fußballer, berichtet im Januar 2016 dem Magazin "Sport inside", er sei in Haft gefoltert worden: "Sie haben mir drei Stunden hart auf die Beine geschlagen, gesagt, sie werden mir die Knochen brechen, dir deine Zukunft zerstören."

Die Vorwürfe gibt es von Fußballern schon länger. Salman bin Ibrahim Al Khalifa, ein Scheich aus der bahrainischen Königsfamilie, hat sie stets bestritten. "Das ist eine Lüge", sagt Al Araibi. Er sei "ein Beispiel" für Folter.

Al Araibi ist 2014 nach Australien geflohen. Dort ist er als politischer Flüchtling anerkannt. Dort fühlt er sich so sicher, dass er sich die Vorwürfe gegen den Scheich traut, der seit 2013 Vorsitzender des asiatischen Fußballverbandes AFC ist.

Der Scheich verliert die Wahl zum FIFA-Präsidenten

Salman bin Ibrahim Al Khalifa will noch mehr Macht. Er kandidiert für das Präsidentenamt beim Weltverband FIFA. Experten schätzen seine Chancen gut ein, mindestens genauso gut wie die von Gianni Infantino. Im Februar 2016 gewinnt der Schweizer die Wahl. Er bekommt 115 Stimmen, Al Khalifa nur 88. Al Araibis Foltervorwürfe, die während der heißen Phase des Wahlkampfes weltweit laut geworden sind, haben Al Khalifas Kampagne zumindest schwer geschadet.

"Sie wollen ihn zweifelsfrei zurück"

Am 8. November 2018 stellt Interpol auf Antrag Bahrains eine "Red Notice" aus, die "Sport inside" vorliegt. Das ist ein Ersuchen, den Aufenthaltsort einer Person zu ermitteln und diese vorläufig festzunehmen.

Der Verdacht liegt nahe, dass Bahrain die "Red Notice" aus Rache beantragt, nachdem es von den Urlaubsplänen Al Araibis erfahren hat. "Sie wollen ihn zweifelsfrei zurück", sagt Craig Foster im Gespräch mit "Sport inside". Der ehemalige australische Nationalspieler und Gewerkschafter engagiert sich sehr stark für eine Freilassung Al Araibis.

Verurteilung in Abwesenheit

Hakeem Al Araibi bucht den Flug nach Thailand am 5. Oktober 2018, gut einen Monat vor der "Red Notice", die sich auf eine vermeintliche Straftat bezieht. Al Araibi soll am Abend des 3. November 2012 mit Komplizen eine Polizeistation in Bahrain in Brand gesetzt haben. Der Fußballer bestreitet das. Er behauptet, an jenem Abend gespielt zu haben. Videoaufnahmen, die am Mittwoch (30.01.19) bei "Sport inside" zu sehen sein werden, entlasten Al Araibi. Trotzdem wird er in Abwesenheit zu zehn Jahren Haft verurteilt.

"Sie werden mich töten"

In Australien ist Al Araibi sicher, selbst wenn die "Red Notice" auch dort bei der Polizei eingegangen ist. In Thailand aber greifen sie sofort nach der Landung zu und lassen den Häftling auch nicht frei, als Interpol die "Red Notice" später zurückzieht. Sie hätte aufgrund des anerkannten Flüchtlingsstatus' gar nicht ausgestellt werden dürfen. "Sie werden mich töten. Ich habe die bahrainische Regierung erzürnt", sagt Al Araibi in einem Telefonat mit "Sport inside" eine Woche nach der Verhaftung.

Er fürchtet die Auslieferung, die Bahrain mit Verzögerung beantragt. Thailand bestätigt den Eingang der Papiere am 29. Januar 2019.

Unterstützung von IOC, FIFA und AFC

Nur ein paar Stunden später setzt der Vizepräsident des asiatischen Verbandes einen Brief an Prayut Chan-o-cha, den Premierminister Thailands, auf.

Praful Patel fordert darin, dass Al Araibi schnellstmöglich aus dem Gefängnis entlassen werden solle und nach Australien zurückkehren dürfe. Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa, der Chef des AFC und Vizepräsident der FIFA, hält sich offiziell aus dem Fall heraus. Er sei als Bahrainer einem Interessenkonflikt ausgesetzt.

Schon sechs Tage vor dem asiatischen Verband hat sich die FIFA mit einem Brief an den Regierungschef Thailands gewandt. Unterstützung erhält der Weltverband vom Internationalen Olympischen Komitee.

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Craig Foster kämpft seit der Verhaftung für Al Araibi. Er hat ihn im Gefängnis besucht, ist viele tausend Kilometer geflogen, um sich für die Belange des Fußballers einzusetzen. Die Unterstützung ist groß, Craig Foster twittert am 29. Januar, dass er "weiter verhalten optimistisch" bleibe, weil der Druck auf Thailand wachse.

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Ein Gericht in dem südostasiatischen Königreich wird nun über den Auslieferungsantrag Bahrains entscheiden müssen. Menschenrechtsaktivisten in Bahrain fürchten, dass es Hakeem Al Araibi so ergehen wird wie Ali Haroon. Der ist 2014 in Thailand festgenommen und später - wie von dem kleinen Königreich im Persischen Golf gewünscht - ausgeliefert worden.

Stand: 30.01.2019, 10:01

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