Keller vor der Wahl - Ziele, Pläne, Fallstricke

Fritz Keller

DFB-Bundestag

Keller vor der Wahl - Ziele, Pläne, Fallstricke

Fritz Keller wird am Freitag (27.09.2019) zum neuen DFB-Präsidenten gewählt. sportschau.de erklärt, wie die Wahl abläuft, was auf Keller zukommt, was er vorhat, und warum er weniger Macht hat als seine Vorgänger.

Dass Fritz Keller zum neuen Verbandschef gewählt wird, ist klar. Er ist der einzige Kandidat für den seit April vakanten Posten als DFB-Präsident. Einmütig wie selten zeigten sich die Amateur- und Profivertreter des deutschen Fußballs bei der Nominierung des Freiburgers im August.

Nach dem skandalumwitterten Rücktritt von Reinhard Grindel im April braucht der DFB eine Persönlichkeit, die den nächsten Neuanfang bei dem seit Jahren kriselnden Verband unvorbelastet gestalten kann. Keller erfüllt diese Vorgabe. Als Präsident des SC Freiburg kennt er das Fußball-Geschäft seit Jahren, ist aber in der Breisgauer Nische von den großen Konfliktherden wie dem Sommermärchen-Skandal unberührt geblieben. Der Tenor auf seine Nominierung war daher auch praktisch nur positiv. Von Uli Hoeneß bis Joachim Löw - alle finden Keller gut.

Für ein sechsköpfiges Spitzengremium von DFB und Deutscher Fußball Liga war Keller erste Wahl. Seine Nominierung war dennoch von Kritik begleitet. Formal stimmte der Prozess, doch es war klar, dass nur der Vorschlag der Findungskommission eine Chance hat. Alternativkandidaten wie die Düsseldorfer Amateurvertreterin Ute Groth kamen an der großen Lobby nicht vorbei. Als Keller sich im August aber auch den Vertretern der Landes- und Regionalverbände vorstellte, gab es keinen Widerspruch.

Kommentar zu DFB-Präsidentenkür: "Hinterzimmerpolitik statt gleiche Chancen für alle" Sportschau 21.08.2019 01:48 Min. Verfügbar bis 21.08.2020 Das Erste

259 Stimmen

Gewählt wird Keller von den Delegierten des DFB-Bundestages, einer Generalversammlung, die das wichtigste Organ des Deutschen Fußball-Bundes ist. Stimmberechtigt sind neben den 44 Mitgliedern des Verbandsvorstandes und Ehrenpräsident Egidius Braun die Vertreter der 21 Landes- und fünf Regionalverbände des DFB. Die Verteilung der laut DFB-Homepage 140 Stimmen erfolgt nach der Größe der Verbände. Die meisten Stimmen hat der Bayrische Fußballverband mit 21, die wenigsten der Bremer Fußballverband mit zwei.

Die Vertreter der 36 Profiklubs haben 74 Stimmen, zwei pro Verein, wobei der FC Bayern München als deutscher Meister und der 1. FC Köln als Zweitliga-Primus der Vorsaison je eine Stimme extra bekommen. Insgesamt sind das 259 Stimmen. Um ins Amt zu kommen, benötigt Keller die Mehrheit der gültigen Stimmen.

Fritz Keller - neuer DFB-Präsident mit weniger Macht Sportschau 25.08.2019 04:28 Min. Verfügbar bis 25.08.2020 Das Erste

Große Aufgaben, weniger Befugnisse

Nach seiner Wahl warten auf den 62 Jahre alten Top-Winzer große Aufgaben. Über allem steht eine Verbesserung der Außendarstellung. In den vergangenen Jahren stand der DFB für Streit, Skandal oder Mauschelei. Anpacken muss Keller auch Konflikte zwischen Amateurvertretern und Profiklubs. Auf lange Sicht soll Keller den Verband zu einer funktionierenden Dachorganisation machen - wirtschaftlich solide und moralisch integer.

Allerdings hat er weniger Befugnisse als seine Vorgänger. Denn der DFB streicht mit seiner Strukturreform die Richtlinienkompetenz für den Verbandschef aus seinen Statuten. Bisher hieß es dort in Paragraf 33 unter anderem zum Präsidenten: "Ihm obliegt die Gesamtverantwortung und die Richtlinienkompetenz. Er ist verantwortlich zuständig für die Belange der Nationalmannschaft und den Leistungssport." Eine Art Alleinherrschaft des Präsidenten ist jetzt nicht mehr möglich. Besonders Ex-DFB-Präsident Grindel wurde nach seinem Rücktritt im April vorgeworfen, zu viele Geschäftsbereiche an sich gezogen zu haben. Andere Präsidenten hatten sich in den verschiedenen Aufgabenbereichen verzettelt. Weniger Macht zu haben, muss für Keller also erstmal nichts Negatives sein.

Strukturen in Ruhe entwickeln

Mit der Nationalmannschaft hat Keller in Zukunft formal nichts zu tun. Chef von Bundestrainer Löw ist künftig DFB-Direktor Oliver Bierhoff, der wiederum dem Präsidialausschuss untersteht. Vorherige Präsidenten hatten sich oft in Belange der A-Auswahl eingemischt. Auch in den Gremien von FIFA und UEFA strebt Keller keinen Posten an. Kellers Stellvertreter Rainer Koch soll im März den vakanten Posten im UEFA-Exekutivkomitee einnehmen.

Zunächst versteht sich Keller, das hat er bereits angekündigt, als Führungskraft in den herkömmlichen Gremien. "Es ist wichtig, dass ich als Präsident die Strukturen mit entwickele. Wenn die Strukturen stimmen, kann ich mehr Aufsichtsrat sein", umriss er seinen persönlichen Fahrplan. Über das Knie brechen will er die anstehende Strukturreform nicht. "Qualität steht vor Geschwindigkeit, es muss wasserdicht sein, steuerrechtlich und handelsrechtlich", betonte Keller: "Und es muss ein Transparenz- und Kontrollmechanismus eingebaut sein."

Bei der Neugestaltung des kriselnden Verbandes setzt er auf ein Team. "Der Präsident ist keine One-Man-Show. Die Verantwortung muss auf verschiedene Schultern verteilt werden", kündigte Keller an: "Ich habe großen Respekt vor dem Amt, der Aufgabe und dem, was vor mir steht. Ich kann nicht mehr machen, als alles zu geben - von ganzem Herzen", sagte er.

red/sid/dpa | Stand: 26.09.2019, 10:59

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