48er-WM in Katar - FIFA-Rat soll Machbarkeit bestätigen

Die erste Sitzung im FIFA-Council im Mai 2016 in Mexiko

Sitzung in Miami

48er-WM in Katar - FIFA-Rat soll Machbarkeit bestätigen

Von Chaled Nahar

Der FIFA-Rat soll am Freitag eine Machbarkeitsstudie zur 48er-WM in Katar bestätigen, womit die Erweiterung näher rücken würde. Bewegung kommt auch in die finanziell gewichtigen neuen Wettbewerbe, die sich Präsident Infantino wünscht.

Am Freitag (15.03.2019) trifft sich der FIFA-Rat - auch FIFA-Council genannt - in Miami. Die beiden heißesten Themen: Die WM-Erweiterung schon zur WM 2022 und die Einführung neuer Wettbewerbe wie der Klub-WM.

Kommt die WM-Erweiterung schon in Katar 2022?

Bei der WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada werden 48 Mannschaften statt bisher 32 dabei sein - das steht fest. Infantino und viele Landesverbände wollen die Erweiterung aber schon 2022 umsetzen, da sie mehr Einnahmen verspricht. Dem FIFA-Rat wird am Freitag eine Machbarkeitsstudie vorgestellt, aus denen die britische Nachrichtenagentur AP bereits berichtet.

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Der Studie zufolge soll eine Erweiterung möglich sein, Mehreinnahmen von 400 Millionen US-Dollar stehen demnach für die FIFA in Aussicht. Ein weiteres Land als Co-Gastgeber mit "zwei bis vier" Stadien müsse laut Studie aber neben dem zu kleinen Katar hinzukommen. Das Dokument nennt laut AP Kuwait, Oman, Bahrain, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate als Möglichkeiten. Die drei letztgenannten befinden sich aber in einer großen politischen Krise mit Katar. Angemessene Stadien sind in der Region zudem nur wenige vorhanden. Es wäre also noch einiges zu tun und zu verhandeln.

Stimmt der FIFA-Rat trotzdem zu, entscheidet der FIFA-Kongress im Juni in Paris über die Erweiterung ab. Die Zeit drängt, denn im Herbst beginnt die Qualifikation - eine grundsätzliche Entscheidung über das Format muss bald erfolgen. Lehnt der FIFA-Rat die Erweiterung ab, wäre das Thema wohl abgeschlossen.

Wie geht's weiter mit Klub-WM und weltweiter Nations League?

Die beiden Wettbewerbe, mit denen FIFA-Präsident Gianni Infantino große Kasse für den Weltverband machen will, stehen offiziell als Diskussionspunkt auf der Tagesordnung. Kritiker sprechen von einem Ausverkauf des Fußballs, denn der FIFA liegt ein Angebot von 20 Milliarden Euro durch ein nicht genau benanntes Konsortium für die Ausrichtung einer weltweiten Nations League und einer alle vier Jahre stattfindenden Klub-WM mit 24 Teams vor. Das ZDF und der Kicker berichten, dass Beschlüsse nahen.

Infantino, das große Geld und die Mega-WM Sportschau 02.03.2019 03:18 Min. Verfügbar bis 02.03.2020 Das Erste

Demnach nimmt die FIFA von der globalen Nations League zunächst Abstand, dafür soll die Einführung der Klub-WM ab Sommer 2021 beschlossen werden. Platz im Rahmenterminkalender werde demnach durch die Abschaffung des Confed Cups geschaffen. Offene Streitpunkte zwischen der FIFA auf der einen sowie den Konföderationen und Klubs auf der anderen Seite sind demnach die Verteilung der Einnahmen und die Zahl der Teilnehmer aus den Kontinenten. DFB-präsident Reinhard Grindel sagt in einem (abgebrochenen) Interview mit der Deutschen Welle, dass Europa zunächst einen neuen Kalender ausverhandeln wolle. Die Klub-WM wolle man eher auf 2025 verlegen.

Die UEFA hatte sich bislang gegen die Idee gestellt, fürchte dabei aber wohl vor allem um die eigenen Einnahmequellen. Denn an einer Konkurrenz zur EM und zur Champions League, mit denen in Europa das große Geld gemacht wird, ist die UEFA wenig interessiert. Weltweit steht die UEFA mit ihrer Kritik jedoch eher alleine da. Vor allem in Südamerika und Afrika hat Infantino für seine Ideen viele Unterstützer.

FIFA-Rat - Nachfolger des Exekutiv-Komitees

Der FIFA-Rat ist der Nachfolger des skandalumwitterten FIFA-Exekutivkomitees und damit das höchste Entscheidungsorgan des internationalen Fußballs. Mit dabei sind neun Vertreter aus Europa, darunter auch DFB-Präsident Reinhard Grindel. Im FIFA-Rat sitzen insgesamt 37 Personen - der Einfluss ist zumindest zahlenmäßig also klein. Auf der Tagesordnung für Miami stehen aber noch einige weitere spannende Themen:

Gibt es den Video-Assistenten bei der Frauen-WM 2019?

Weniger als drei Monate vor der Frauen-WM in Frankreich ist immer noch nicht sicher, ob die Schiedsrichterinnen dort auf den Video-Assistenten zurückgreifen können oder nicht. Lange hatte die FIFA gezögert, das Organisationskomitee für Wettbewerbe sprach sich nun aber für den Video-Assistenten aus. Es gilt deshalb als wahrscheinlich, dass der FIFA-Rat ebenfalls zustimmt und den VAR ermöglicht. Vor allem in den USA hatten Spielerinnen über eine mögliche Ungleichbehandlung geklagt, sollte das Frauen-Turnier 2019 nicht wie das Turnier der Männer in Russland 2018 den Video-Assistenten haben.

Wer bekommt die Frauen-WM 2023?

Der FIFA-Rat wird über das Bewerbungsverfahren zur Frauen-WM 2023 diskutieren. Interessant dabei ist, dass das Turnier nicht wie bei den Männern transparent im Kongress, sondern hinter verschlossenen Türen durch den Rat vergeben wird. Das gilt für alle FIFA-Turniere mit Ausnahme der Männer-WM, deren Vergabe häufig mit Berichten über Korruption einher ging.

Ihr Interesse an einer Austragung haben bislang Australien, Japan, Thailand, Neuseeland, Kolumbien und Südafrika angekündigt. Eine Entscheidung fällt laut FIFA im März 2020.

Wohin mit der U17-Weltmeisterschaft 2019?

Die FIFA hat Peru im Februar die Austragung der U17-WM entzogen. Es habe Probleme bei der Infrastruktur und bei der Organisation gegeben, teilte die FIFA mit. Der FIFA-Rat soll nun in Miami einen neuen Gastgeber bestimmen. In südamerikanischen Medien wurde spekuliert, dass Brasilien übernehmen könnte. Das Turnier soll vom 5. bis 27. Oktober stattfinden.

Stand: 11.03.2019, 22:27

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