Enrico Maaßen - einer, der mal "oben" landen könnte

Enrico Maaßen

Neuer Trainer des BVB II

Enrico Maaßen - einer, der mal "oben" landen könnte

Von Marcus Bark

Enrico Maaßen ist der neue Trainer bei Borussia Dortmund II. Viele seiner Vorgänger haben selbst den Sprung in den Profifußball geschafft, nur nicht zum BVB I. Maaßen gilt als außerordentlich talentiert. Vielleicht landet er mal "oben". 

Es wird weiterhin viel gebaut im Viertel Hohenbuschei. Auch beim Fußballverein Borussia Dortmund, dessen Trainingszentrum am Rand des Neubaugebiets im Stadtteil Brackel liegt, wurde wieder investiert. Sportdirektor Michael Zorc wird dort sein Büro in der neuen "Geschäftsstelle Sport" beziehen, auch das Nachwuchsleistungszentrum wird modernisiert. 

Titel haben die Jugendmannschaften des BVB in den vergangenen Jahren genug geholt. Der Verein wartet jedoch sehnsüchtig auf Spieler, die nach ihrer erfolgreichen Ausbildung in die Profimannschaft rutschen und da zu mehr als ein paar Einsatzminuten kommen.

Enrico Maaßen ist die "Wunschlösung" des BVB

Einer der wichtigsten Ausbilder bei der Borussia und in anderen Fußballvereinen ist der Trainer der zweiten Mannschaft. Der BVB hat sich zur neuen Saison mal wieder einen neuen geholt. Enrico Maaßen, so sagte Ausbildungschef Lars Ricken, sei die "Wunschlösung" gewesen, weil er "trotz seines jungen Alters an seinen beiden bisherigen Stationen herausragende Arbeit geleistet hat".

Maaßen ist jetzt 36 Jahre alt. Als er wegen mehrerer schwererer Knieverletzungen seine Karriere als Spieler im gehobenen Amateurbereich vor sechs Jahren beendete und als Trainer begann, hatte er nicht mal die C-Lizenz. Bald wird er alle haben, er wird dann Fußballlehrer sein. Er könnte dann also auch die Profis des BVB trainieren.   

Maaßen hatte schon Angebote aus dem Profibereich

Während der Wunsch, Spieler aus dem eigenen Nachwuchs für "oben" ausbilden zu wollen, ganz offen kommuniziert wird, ist das beim Trainer aus naheliegenden Gründen anders. Wer dem Trainer der "Zweiten" öffentlich zutraut, bestimmt auch mal "die Erste" zu übernehmen, schwächt den Chef der Profis. Aber dass es praktisch wäre, jemanden in den eigenen Reihen zu haben, zeigen Beispiele der Vergangenheit. Ausbilder, die sich selbst aus- und fortbilden, um nach "oben" zu kommen.

Enrico Maaßen wäre schon Trainer im Profibereich, wenn er entsprechende Angebote angenommen hätte. Er habe sich aber für den BVB II entschieden, weil "ich etwas haben wollte, was ich noch nicht hatte". Das sei eben der Schwerpunkt auf die Ausbildung und "nicht so der Fokus auf Ergebnisse", sagte Maaßen bei einem Treffen mit der Sportschau.

Bei seinen bisherigen Stationen sehr erfolgreich

Auf seinen bisherigen Stationen führte er die SV Drochtersen/Assel in die Regionalliga Nord und den SV Rödinghausen zur Meisterschaft in der Regionalliga West. Nur ein freiwilliger Verzicht verhinderte den möglichen Aufstieg in die 3. Liga.

Zudem kam Maaßen mit beiden Klubs in den DFB-Pokal, forderte dort namhafte Gegner heraus, sogar Borussia Mönchengladbach und den FC Bayern. Große Spiele waren das, aber es ist mehr eine Aufzählung von Maaßen. Ins Schwärmen gerät er beim Rückblick auf ein Pokalspiel mit der SV Drochtersen/Assel beim VfB Oldenburg. Monate vor dem Halbfinale habe es schon ein Duell in der Liga gegeben: "1:1, aber wir haben ganz viel Glück gehabt und unser Torwart das Spiel seines Lebens gemacht. Die sind immer wieder über unsere Seiten durch und zu Chancen gekommen."

Schon im Winter grübelte Maaßen, wie der Favorit beim Halbfinale Ende März in dessen Stadion zu Sturz gebracht werden könnte. Heraus kam der Plan: Fünferkette. Strategie: Jede Menge Testspiele mit Fünferkette, die letzten beiden vor dem Start und die ersten Meisterschaftsspiele mit Viererkette. Der Plan ging auf: Sieg beim VfB Oldenburg, Einzug ins Landespokalfinale und damit verbunden in die erste Runde des DFB-Pokals. "Ein einmaliges Erlebnis. Wir hatten 1.000 Fans dabei", sagt Maaßen.

"Es geht sehr viel um Prinzipien, unabhängig vom System"

"Den Gegner gegen den Ball mal überraschen, auch mal mit anderen Systemen", das gehöre zu seinem Ansatz. Im eigenen Ballbesitz habe er dann "eine sehr klare Idee", die er jedoch nicht näher ausführen wolle. Nur so viel: "Es geht sehr viel um Prinzipien, unabhängig vom System."

Es wird eine harte Saison mit dem BVB II in der Regionalliga West mit ihren 21 Mannschaften. Am ersten Wochenende im September geht es los. "Wir wollen eine Mannschaft werden und in der Saison bleiben", sagt Maaßen. Deshalb sei ihm wichtig, den "Menschen in den Mittelpunkt" zu stellen. Eine Gruppe zu führen, das habe er schon als Leiter eines Fitnessstudios gelernt, das werde ihm helfen. 

Sportlicher Erfolg soll in Dortmund mit der Entwicklung von Talenten einhergehen

Enrico Maaßen ist überzeugt von sich und seinen Ideen. Seine Mannschaften hätten sich bislang "jedes halbe Jahr gesteigert". 

In Dortmund "sollen sich die Spieler verbessern, und sie werden sich auch verbessern", sagt Maaßen. Dass die individuelle Aus- und Fortbildung im Vordergrund stehe, habe auf die Trainingsarbeit kaum Auswirkungen. Es soll alles einhergehen, sportlicher Erfolg und Entwicklung von Talenten, für die es ein sehr großer Sprung ist. "Es ist ja nicht nur von der Regionalliga in die Bundesliga, es ist ja auch noch Borussia Dortmund", sagt Maaßen. Auch deshalb, weil ein großer Klub, dem er zudem schon als Kind zugeneigt war, angefragt hatte, arbeitet er nun für den BVB.

Viele seiner Vorgänger sind gut untergekommen. Hannes Wolf war beim VfB Stuttgart, dem HSV, ist jetzt beim KRC Genk in Belgien. David Wagner trainierte Huddersfield in der Premier League, jetzt den FC Schalke. Auch Daniel Farke machte sich trotz des Abstiegs mit Norwich City einen guten Namen. Sie haben den Sprung vom BVB II geschafft, nur eben nicht zum BVB I.

Stand: 30.07.2020, 08:26

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