DFB - Alle Augen auf Fritz Keller

Fritz Keller

Reden vor Amateurvertretern und Profiklubs

DFB - Alle Augen auf Fritz Keller

Erst die Amateure, dann die Profis und dann auch die Öffentlichkeit: Am Mittwoch erklärt der designierte DFB-Präsident Fritz Keller, wie er den Verband aus der Krise führen will. Gewählt wird er aber noch nicht.

Am Mittwoch (21.08.2019) hat Keller in Berlin seinen ersten großen Auftritt. Ab 9.30 Uhr wird er zu den Regionalverbänden des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sprechen, also zu den Amateuren. Rund zwei Stunden später stellt er sich dann bei der Generalversammlung der Deutschen Fußball Liga den Profiklubs vor.

Der 62-jährige Präsident des SC Freiburg soll und will neuer DFB-Präsident werden. Das hat die DFB-Findungskommission beschlossen. Keller war der erste und einzige Kandidat, mit dem gesprochen wurde. Der Winzer und Hotelier wird seine Pläne vorstellen und erklären, wie er den größten nationalen Sport-Fachverband der Welt künftig führen will. Er hält also seine Bewerbungsreden. Von seinem Konzept wird hinterher auch die breite Öffentlichkeit erfahren, per Pressekonferenz.

Fritz Keller im Kurzporträt: Winzer, Gastronom und Vereinspräsident Sportschau 15.08.2019 00:38 Min. Verfügbar bis 15.08.2020 Das Erste

Wahl am 27. September

Gewählt wird er am Mittwoch nicht. Doch wenn er alle überzeugen kann, wird er anschließend als gemeinsamer Vorschlag beider Lager präsentiert. Ernsthafte Zweifel daran bestehen keine - trotz der jüngsten Kritik aus dem Amateurlager an der Art und Weise der Nominierung.

Seine Wahl zum 13. DFB-Präsidenten soll dann auf dem DFB-Bundestag am 27. September in Frankfurt/Main erfolgen. Das scheint beschlossene Sache zu sein. Die einfache Mehrheit genügt bei der Abstimmung. Keller würde dann vom Amt des Freiburger Klubchefs zurücktreten.

Die Findungskommission um die Interimschefs Rainer Koch und Reinhard Rauball hatte immer klar gemacht, nur einen starken Kandidaten zu suchen, um Kampfabstimmungen zu vermeiden. Die sind in der Fußball-Funktionärswelt ohnehin die absolute Ausnahme. Überraschend ist allerdings, dass nur mit Keller Gespräche geführt wurden. Offenbar standen die Kandidaten an der Otto-Fleck-Schneise nicht Schlange.

DFB-Präsidentschaftswahl - Kritik am DFB Sportschau 19.08.2019 00:53 Min. Verfügbar bis 19.08.2020 Das Erste

Hoffnungsträger soll Ruhe und Kontinuität bringen

Fritz Keller ist der Hoffnungsträger des DFB für ein Ende der Krisen und Skandale. Er soll für Ruhe und Kontinuität sorgen. Der Verband hat vor allem ein Imageproblem. Der WM-Skandal und Reinhard Grindels Rücktritt sorgten für einen riesigen Vertrauensverlust. Dem Selbstanspruch, als gesellschaftliche Instanz weit über den Fußball hinaus wirken zu können, hinkt der DFB weit hinterher. Vor allem die Außendarstellung muss sich massiv verbessern. Der bislang letzte Präsident, der ohne Querelen oder Skandal aus dem Amt ging, war Kellers Vor-Vor-Vor-Vorgänger Egidius Braun Anfang des Jahrtausends. Nach ihm folgten Gerhard Mayer-Vorfelder, Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach und Grindel.

Kann Keller es besser machen? Natürlich war auch er in den vergangenen Jahren Teil des Systems, wenn auch nur als Randfigur. Für die DFL, deren Aufsichtsrat er angehört, sitzt er im DFB-Vorstand. Den SC Freiburg führt er als sympathischen Bundesliga-Provinzklub auch schon seit fast einem Jahrzehnt. Als revolutionärer Querdenker ist Keller bislang nicht in Erscheinung getreten. Ein Näschen hatte er offenbar in Sachen Grindel. Bei dessen erster Wahl 2016 stimmte er nicht für den ehemaligen DFB-Präsidenten.

Neue Struktur

Neben einem neuen Boss wird der DFB als Konsequenz der jüngsten Rücktritte auch eine neue Struktur erhalten. So wird der neue DFB-Chef weniger Macht als seine Vorgänger haben. Die Macht in den internationalen Führungsgremien beim Weltverband FIFA und der Europäischen Fußball-Union (UEFA), in denen Grindel bis zu seinem Rückzug im April saß, muss sich der DFB ohnehin erst wieder erkämpfen. Keller zieht es nicht in die Gremien - auch weil die  Ämterhäufung ein Grund für das Scheitern seiner Vorgänger war. Der aktuelle DFB-Co-Interimspräsident Rainer Koch gilt als Anwärter auf die Posten.

Rauball tritt ab

Durch die Keller-Präsentation gerät eine andere wichtige Personalie in den Hintergrund. Reinhard Rauball verabschiedet sich am Mittwoch als Ligapräsident. Der Posten wird in der Form nicht mehr besetzt, denn die DFL verpasst sich eine neue Struktur und macht Christian Seifert endgültig zum starken Mann. Als Vorsitzender der Geschäftsführung wird der 50-Jährige auch Sprecher des DFL-Präsidiums und hat als Mitglied des DFB-Vorstands in Summe mehr exekutive Macht als Keller. Rauball beschränkt sich auf seine Aufgabe als Präsident bei Borussia Dortmund. Der DFB verliert damit einen bewährten Krisenmanager der vergangenen Jahre.

vdv/sid/dpa | Stand: 20.08.2019, 10:15

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