Machtkampf: DFB will erstmals Untersuchungssausschuss einrichten

Friedrich Curtius (l) und Fritz Keller

Machtkampf an Verbandsspitze

Machtkampf: DFB will erstmals Untersuchungssausschuss einrichten

Novum in der Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes: Erstmals soll ein Untersuchungsausschuss die Verhältnisse im Machtkampf zwischen Präsident Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius klären.

Eigentlich ist es ein Instrument, dass in der Politik angewendet wird, um Skandale und Affären aufzuklären. Nun will sich angeblich auch der Deutsche Fußball-Bund mit einem Untersuchungsausschuss behelfen, um das Hauen und Stechen an der Verbandsspitze zwischen den Fraktionen um Verbandschef Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius zu beenden - auch wenn offiziell keiner darüber redet.

Indiskretionen begutachten und aufarbeiten

"Das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat in seiner Sitzung am 23. Oktober 2020 beschlossen, an mehr Geschlossenheit an der Führungsspitze zu arbeiten, um im Interesse des Verbandes und aller Mitglieder gemeinsam nach vorne zu schauen", ließ der Verband dem Sport-Informationsdienst als Begründung für eine ausbleibende Stellungnahme zu den Berichten ausrichten: "Dabei sollen weiterhin die Interessen des Fußballs im Vordergrund stehen und der bereits eingeschlagene Veränderungsprozess fortgesetzt werden. An dieser Absprache halten wir fest."

Dennoch ist durchgesickert, dass Keller einen "internen Untersuchungsausschuss" einsetzen will. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, möchte der DFB-Boss damit unter anderem die zahlreichen Indiskretionen der vergangenen Monate begutachten und sachlich aufarbeiten lassen.

Keller will Curtius offenbar kaltstellen

Dieses Anliegen kommt nicht ungefähr. Schließlich hatten diese Indiskretionen Keller massiv geschadet, die Informanten werden deshalb unter den internen Gegnern des Präsidenten vermutet. Laut "Bild-Zeitung" soll sich das Präsidium am Freitag (15.01.2021) mit der Einsetzung eines U-Ausschusses beschäftigen.

Was der Präsident mit seinem Schritt plant, ist klar: Der 63-Jährige möchte seinen Kontrahenten Curtius kaltstellen und die Oberhand im Verband zurückgewinnen. Laut "SZ" wolle Keller "vollumfänglich die Informationen bereitstellen, die mir vorliegen und die mich dazu gebracht haben, kein Vertrauen in die Zusammenarbeit mit Friedrich Curtius mehr zu haben".

Folgt das Präsidium dem Chef?

Nach den Vorstellungen Kellers sollen dem U-Ausschuss drei bis vier Präsidiumsmitglieder und ein Wirtschaftsprüfer angehören. Dass das Präsidium seinem Chef folgt, scheint allerdings mehr als fraglich.

Schließlich ist es ein offenes Geheimnis, dass hohe Amateurvertreter wie Vizepräsident Rainer Koch oder auch Schatzmeister Stephan Osnabrügge im Lager von Curtius stehen. Die drei haben auch die Mehrheit im mächtigen Präsidialausschuss - wo ihnen Keller und dessen getreuer Vize Peter Peters gegenüberstehen.

Es wird vermutet, dass zahlreiche Präsidiumsmitglieder gegen einen Untersuchungsausschuss sind. Sollte Kellers Vorhaben scheitern und sich am Ende "lediglich" das Präsidium in einer Sondersitzung mit dem Machtkampf beschäftigen, wäre das eine weitere Niederlage für den vom Profifußball vorgeschlagenen und gestützten Keller. Im Grunde müsste dann der dritte Präsident in Folge vorzeitig das Handtuch werfen.

Sollte Keller schon nach 16 Monaten seinen Platz an der Spitze räumen, wäre das der GAU für den DFB, der dann endgültig als unregierbar gelten würde.

Bericht zur sogenannten Generalinventur im Januar

Die Ursachen des Konflikts zwischen Keller und Curtius sind mannigfaltig. Ein zentraler Streitpunkt soll der Umgang mit dem Wirken der externen Ermittler der Firma Esecon sein, die seit mehr als eineinhalb Jahren im Verband zugange sind. Ende Januar soll ihr Bericht zur sogenannten Generalinventur vorliegen, inklusive neuen Erkenntnissen zu den Ungereimtheiten rund um die Vergabe der WM-Endrunde 2006.

sid | Stand: 12.01.2021, 12:57

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