Hohe Labor-Auslastung: Bundesliga-Tests "im Promillebereich"

Ein Mann wird per Stäbchen auf das Coronavirus getestet

Corona-Testengpässe in Deutschland

Hohe Labor-Auslastung: Bundesliga-Tests "im Promillebereich"

Bundesweit werden offenbar die Corona-Testkapazitäten knapp. Der DFB reagiert und modifiziert deshalb seine Tests in der 3. Liga und der Frauen-Bundesliga - auch die DFL passt ihre Teststruktur an. Laut "Akkreditierte Labore in der Medizin" besteht durch die Bundesliga aber keine Gefahr der medizinischen Versorgung.

Vor dem Hintergrund begrenzter Testkapazitäten stehen für die Fußball-Bundesliga mit ihren regelmäßigen Corona-Tests keine Engpässe im Raum. "Man muss schon sagen, dass wir im Promillebereich liegen für die Testungen, die für die Bundesligaspieler in den Laboren erfolgen", sagte Jan Kramer, Vorstand beim Verein "Akkreditierte Labore in der Medizin" (ALM): "Im Moment kann ich aus den mir bekannten Laboren, die solche Testungen durchführen, berichten, dass es im Promillebereich liegt und hierdurch keine Gefährdung der medizinischen Versorgung entsteht."

Wie die Deutsche Fußball Liga am Donnerstag (05.11.2020) mitteilte, geht sie auf Basis der Erfahrungen in der Vorsaison von 3.000 bis 3.600 Tests pro Woche für die Bundesliga und die 2. Liga aus. Dies entspreche einem Anteil von etwa 0,2 Prozent der realen wöchentlichen Kapazität von knapp 1,6 Millionen Tests, die laut Robert Koch-Institut in dieser Woche zur Verfügung stehen. Laut DFL verteilen sich die Tests auf deutschlandweit zehn Labore.

DFL ändert Teststruktur

Dennoch hat die "Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb" der Deutschen Fußball Liga eine Änderung an der Corona-Teststruktur für die Bundesliga und 2. Bundesliga beschlossen. Auswärtsmannschaften dürfen sich "aus logistischen Gründen" bei hohem Pandemie-Level (über 35 Neuinfektionen pro 100.000) früher testen lassen. Bislang konnte der Test maximal 36 Stunden vor dem Anstoß erfolgen, nun sieht das Regelwerk 52 Stunden vor. Dies erleichtere "unter anderem Reiseabläufe sowie die Abstimmung mit Laboren und deren Arbeit", hieß es in einer Pressemitteilung am Donnerstag.

DFB hatte Hygienekonzept schon geändert

Der DFB reagiert und modifiziert deshalb seine Tests in der 3. Liga und der Frauen-Bundesliga. Der Verband will mit seinem Schritt auch möglicher Kritik hinsichtlich einer Verknappung der Testkapazitäten durch den Fußball auf Kosten der Allgemeinheit vorbeugen. "Zum einen macht dieses Vorgehen Pool-Testungen möglich, was eine Entlastung der Kapazitäten zur Folge hat", ließ der DFB wissen: "Zum anderen bleibt dadurch mehr Zeit für die Auswertung der Proben, dies verringert den zeitlichen Druck und gibt den Laboren weiterhin die Möglichkeit, andere Testungen, die medizinisch notwendig sind, vorzuziehen."

Bei Pool-Tests werden nicht einzelne Ergebnisse, sondern das Resultat der ganzen Gruppe ausgewertet. Fällt der Gruppentest negativ aus, fallen aufwendige Einzeltests weg. Nur bei einem positiven Befund müssen zusätzliche Tests mit den zurückbehaltenen Proben durchgeführt werden.

Handball-Bundesliga will im Zweifel kürzertreten

Auch der Handball, dessen Test-Konzept rund um die Geisterspiele und den Trainingsbetrieb an dem des Fußballs angelehnt ist, hatte immer erklärt, sich bei gesellschaftlichem Bedarf einschränken zu wollen.

Die Bundesliga-Spitze machte nun deutlich, dass sie nach wie vor zu ihrem Wort stehe. "Wenn andere Berufs- oder Zielgruppen diese Tests benötigen, dann müssten wir kürzertreten. Wir sind nicht diejenigen, die die Tests zwingend brauchen", sagte Geschäftsführer Frank Bohmann: "Ich glaube aber nicht, dass wir dabei das Zünglein an der Waage sind. Unsere Vertragspartner aus den Laboren sind diesbezüglich bisher auch noch nicht auf uns zugekommen."

Labor-Verband beklagt Überlastung

Zuletzt hatte der Verband der "Akkreditierten Labore in der Medizin" (ALM) über eine Überlastung seiner Einrichtungen geklagt. Die jüngsten Zahlen weisen 1,4 Millionen Test pro Woche auf, damit sei die Kapazität "bundesweit erstmalig zu 100 Prozent ausgereizt".

Nach Ansicht der ALM käme es bereits zu Rückstaus, die Reserven seien erschöpft. Das liegt laut ALM-Vorsitzenden Michael Müller auch daran, dass "immer noch zu viele asymptomatische und damit Personen mit sehr niedriger Priorität getestet" würden.

DFL - Hygienekonzept ging voll auf

Sportschau 13.08.2020 00:41 Min. Verfügbar bis 13.08.2021 ARD Von Mareike Zeck


sid | Stand: 05.11.2020, 20:22

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