Kurioser Elfmeter bei Kiel gegen Bochum soll einmalig bleiben

Silvère Ganvoula führt den kuriosen Strafstoß aus

IFAB reagiert

Kurioser Elfmeter bei Kiel gegen Bochum soll einmalig bleiben

Von Chaled Nahar

Das Zweitligaspiel zwischen Holstein Kiel und dem VfL Bochum erlebte einen der kuriosesten Strafstöße überhaupt, weil ein nicht eingesetzter Ersatzspieler ihn verursachte. Nun sagen die Regelhüter des IFAB: So soll das künftig nicht mehr ablaufen.

Beim Spiel zwischen Kiel und Bochum gab es einen Strafstoß, obwohl Bochums Silvere Ganvoula den Ball in der 37. Minute eigentlich klar links am Kieler Tor vorbei geschossen hatte. Denn der Kieler Einwechselspieler Michael Eberwein kickte den Ball zu seinem Torwart Ioannis Gelios, um ihm die schnelle Ausführung des Abstoßes zu ermöglichen. Das große Problem: Der Ball war noch nicht ganz im Aus.

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Der Video-Assistent funkte Schiedsrichter Tino Gerach an und teilte ihm mit, dass Eberwein damit ins Spiel eingegriffen habe. Regelkonform entschied Gerach auf Strafstoß. Der Eingriff des Video-Assistenten wirkte zunächst korrekt, ging es doch um eine Strafstoß-Situation, und diese dürfen vom Video-Assistenten beanstandet werden. Ganvoula schritt zum Punkt und traf zum 1:1 für Bochum. Doch danach kamen unter den Schiedsrichtern und Video-Assistenten Fragen auf. Jochen Drees, Projektleiter Video-Assistent beim DFB, bat deshalb um eine Einschätzung der Regelhüter des IFAB.

Entscheidung war richtig und falsch zugleich

Und die sagen nun, dass sie solche Eingriffe des Video-Assistenten nicht mehr sehen wollen. "Vom Regelwerk her war alles richtig", sagt IFAB-Geschäftsführer Lukas Brud im Gespräch mit sportschau.de. "Aber der Eingriff des Video-Assistenten hätte nicht unbedingt sein müssen. Denn das widerspricht dem Sinn und Geist der Regel."

Brud spricht von Regel 3.7, nach der der Schiedsrichter das Spiel unterbrechen muss, wenn beispielsweise ein Teamoffizieller oder ein Ersatzspieler in das Spiel eingreift. Fortgesetzt werden soll das Spiel dann mit einem direkten Freistoß oder im Strafraum mit einem Strafstoß, wie in Kiel geschehen. Der DFB hat in der Situation also eigentlich richtig gehandelt - trotzdem war es falsch.

"Der Ersatzspieler aus Kiel hat instinktiv den Ball angehalten, um das Spiel schnell zu machen. Und sicher nicht, um die Spielsituation zum Nachteil Bochums zu verändern", sagt Brud. Es gab in früheren Zeiten eine Lücke im Regelwerk, die Eingriffe von außen wie durch einen Teamoffiziellen oder einen Ersatzspieler mit einem Schiedsrichterball beziehungsweise einem indirekten Freistoß ziemlich milde bestrafen ließ. Nur für absichtliche Eingriffe von außen, die das Spiel verändern, wurde die Regel 2016 eingeführt. Bei der Situation in Kiel wäre deshalb eine Ermahnung besser gewesen, so Brud.

DFB will auf solche Eingriffe des Video-Assistenten verzichten

Die Grundlage, den Video-Assistenten künftig bei solch knappen, aber sichtbaren Szenen außen vor zu lassen, obwohl es sich um eine Strafstoß-Situation handelt, liegt im Detail: Denn der Video-Assistent soll sich laut Protokoll bei Eingriffen von Ersatzspielern oder Teamoffiziellen nur dann melden, wenn diese ein Tor verhindern oder einen Gegenspieler attackieren. Ein für den Torwart gestoppter Ball durch einen nicht im Einsatz befindlichen Spieler gehört also nicht dazu.

Und so soll es künftig in diesen speziellen wie knappen Situationen auch in Deutschland zu keinem Einsatz des Video-Assistenten kommen. "Die schriftliche Vorgabe des IFAB liegt vor, und die setzen wir ab sofort so um", sagt Drees im Gespräch mit sportschau.de. Gleichzeitig gibt der Chef der deutschen Video-Assistenten zu bedenken, dass sich die Ersatzspieler hinter der Torlinie künftig besser zurückhalten sollten. "Ein Freibrief ist das nämlich nicht. Wenn der Schiedsrichter auf dem Platz ein solches Vergehen wahrnimmt, kann es weiter zu einem Strafstoß kommen." Das Risiko, einen Elfmeter zu verursachen, bleibt in diesen Situationen bei einem deutlicheren Vergehen als in Kiel also erhalten.

Darf Kiel sich nun beschweren?

Könnte sich Kiel nun beklagen, eine im deutschen Profifußball vielleicht einmalig benachteiligte Mannschaft zu sein? Nein, denn sowohl ein falscher Eingriff wie auch ein nicht erfolgter Eingriff können laut Regelwerk niemals die Grundlage für einen Protest sein. Nötig wäre der ohnehin nicht, denn auch wenn der Strafstoß der Bochumer durch Ganvoula zum 1:1 des VfL im Tor landete, gewann Kiel das Spiel mit 2:1.

Statistik

Fußball · 2. Bundesliga · 11. Spieltag 2019/2020

Freitag, 25.10.2019 | 18.30 Uhr

Wappen Holstein Kiel

Holstein Kiel

Gelios – Neumann, Wahl, Schmidt, van den Bergh – Meffert, Mühling, J. Lee, S. Özcan (89. Thesker) – M. Baku (59. Iyoha), Serra (90.+2 Lauberbach)

2
Wappen VfL Bochum

VfL Bochum

M. Riemann – Celozzi, Decarli, Lorenz, Danilo Soares – Losilla, Eisfeld (78. Lee), Weilandt (67. Zoller), S. Maier (61. Wintzheimer), D. Blum – Ganvoula

1

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 J. Lee (9.)
  • 1:1 Ganvoula (39./Elfmeter)
  • 2:1 Serra (52.)

Strafen:

  • gelbe Karte M. Baku (1 )
  • gelbe Karte Eberwein (1 )
  • gelbe Karte Meffert (2 )
  • gelbe Karte Ganvoula (5 )
  • gelbe Karte Eisfeld (1 )
  • gelbe Karte Mühling (2 )
  • gelbe Karte Wintzheimer (1 )
  • gelbe Karte M. Riemann (1 )
  • gelbe Karte Danilo Soares (4 )

Zuschauer:

  • 12.359

Schiedsrichter:

  • Timo Gerach (Landau in der Pfalz)

Vorkommnisse:

  • Elfmeter (Bochum) und Gelbe Karte für Ersatzspieler Eberwein (Kiel), weil dieser den Ball im Spielfeld berührt hatte (37.).

Stand der Statistik: Samstag, 26.10.2019, 19:04 Uhr

Stand: 06.11.2019, 10:17

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