Wegen Corona - DFB stellt Verfahren zu Hopp-Bannern ein

Dietmar Hopp im Fadenkreuz bei Fans von Union Berlin

Sportgerichtsbarkeit

Wegen Corona - DFB stellt Verfahren zu Hopp-Bannern ein

Von Chaled Nahar

Der DFB-Kontrollausschuss und das DFB-Sportgericht stellen wegen der Coronavirus-Pandemie zahlreiche Verfahren ein. Dazu gehören auch jene Fälle, die sich mit Beleidigungen gegen den Hoffenheimer Mehrheitseigner Dietmar Hopp beschäftigt haben.

Der DFB teilte auf seiner Internetseite am Freitagmittag (05.06.2020) mit, dass der Kontrollausschuss und das Sportgericht alle anhängigen Verfahren aus dem Jahr 2020 einstellen werden, die sich gegen Vereine aus der Bundesliga, der 2. Bundesliga und der 3. Liga richten und noch nicht rechtskräftig abgeschlossen sind. "Das schließt sämtliche Vereinsverfahren ein, beispielsweise wegen Abbrennen von Pyrotechnik im Stadion, Zuschauerausschreitungen oder verbotener Banner", hieß es in der Mitteilung.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass auch alle Verfahren im Zusammenhang mit den viel diskutierten Beleidigungen gegen Dietmar Hopp zu Beginn des Jahres hinfällig sind. Auf eine konkrete Nachfrage der Sportschau antwortete der DFB: "Sollten die von Ihnen genannten Spiele alle in diesem Kalenderjahr gewesen sein, dann wurden die entsprechenden Verfahren eingestellt."

Klubs beantragten Einstellung der Verfahren

Laut eines Berichts der Deutschen Presse-Agentur Mitte Mai hatte der 1. FC Köln beim Sportgericht bereits die Einstellung seines Verfahrens beantragt. Diesem Vorgehen schlossen sich laut dpa weitere Klubs an. In der Coronakrise waren ohnehin alle offenen Verfahren ausgesetzt.

"Der DFB will mit dieser Maßnahme einen Teil dazu beitragen, die angespannte finanzielle Lage der Klubs nicht noch weiter zu belasten", wurde Hans E. Lorenz, der Vorsitzende des DFB-Sportgerichts, zur Begründung der Maßnahme zitiert. Dr. Anton Nachreiner, der Vorsitzende des Kontrollausschusses, sagte demnach mit Blick auf wirtschaftliche Folgen durch mögliche Strafen: "Besondere Situationen rechtfertigen besondere Maßnahmen."

Ermittlungen liefen gegen mehrere Vereine

Vor der Coronakrise war Hopp das alles bestimmende Thema im deutschen Fußball. Mehrere Fangruppen hatten Transparente gezeigt, auf denen der Mehrheitseigner des Bundesligisten TSG Hoffenheim beleidigt wurde. Zudem wurde sein Gesicht in einem Fadenkreuz gezeigt, was viele Beobachter als Gewaltandrohung interpretierten.

Im Fadenkreuz: Wie der Fall Hopp die Fans politisiert sport inside 11.03.2020 08:45 Min. UT Verfügbar bis 11.03.2021 WDR

Der Hintergrund: Nachdem das DFB-Sportgericht eine Bewährungsstrafe gegen die Dortmunder Fans wegen erneuter Beleidigungen gegen Hopp umgesetzt und sie für zwei Saisons von Auswärtsspielen bei der TSG ausgeschlossen hatte, solidarisierten sich andere Fangruppen mit den Dortmundern.

Fans von Bayern München zeigten beim Auswärtsspiel ihrer Mannschaft gegen Hoffenheim ein beleidigendes Plakat gegen Hopp, auch Fans von Borussia Mönchengladbach, von Union Berlin oder vom 1. FC Köln zeigten ähnliche Transparente. In diesem Zusammenhang nahm der DFB-Kontrollausschuss gegen mehrere Klubs Ermittlungen auf und hätte möglicherweise Anklage vor dem Sportgericht erhoben - dies ist nun hinfällig.

Was steckt hinter den Hopp-Schmähungen? WDR aktuell 02.03.2020 01:36 Min. Verfügbar bis 02.03.2021 WDR

Der Drei-Stufen-Plan sorgte für Diskussionen

Mehrere Spiele standen damals vor dem Abbruch. Der DFB war durch seine Schiedsrichter rigoros gegen die Plakate vorgegangen - mit dem Drei-Stufen-Plan:

  • Stufe 1: Spielunterbrechung und Stadiondurchsage
  • Stufe 2: Mannschaften gehen in die Kabine und erneute Stadiondurchsage
  • Stufe 3: Spielabbruch

Der Drei-Stufen-Plan existiert bei FIFA und UEFA seit Jahren. Auch der DFB nahm ihn vor mehreren Jahren auf, nutzte ihn aber vor den Beleidigungen gegen Hopp nie. Zahlreiche Fangruppen kritisierten, dass der DFB bei Hopp derart schützend agierte, während er den Drei-Stufen-Plan zuvor bei rassistischen, homophoben oder sexistischen Zwischenfällen in den Stadien nie zur Anwendung gebracht hatte.

Zudem erklärten Fanvertreter, dass sich die Kritik an Hopp als Provokation vorrangig gegen den DFB oder gegen von Investoren geführte Klubs im Allgemeinen richte. Kollektivstrafen wie Blocksperren lehnen sie als Form einer unzulässigen Sippenhaft ab, dem DFB warfen sie wegen der Umsetzung der Bewährungsstrafe gegen die Dortmunder Fans Wortbruch vor. Denn der Verband hatte den Verzicht auf Kollektivstrafen in Aussicht gestellt.

Corona bedeutete das Ende der Debatte

Am Wochenende des 7. und 8. März gab es in zahlreichen Stadien Deutschlands weitgehend ohne Beleidigungen Proteste gegen Hopp - noch viel mehr aber gegen den DFB. Themen waren auch Rassismus, Korruption und die WM in Katar.

Die Debatte wurde jedoch ruckartig von der Coronavirus-Pandemie abgelöst: Am 4. März erläuterte der DFB noch in Breite den Drei-Stufen-Plan, am 11. März fand das erste Geisterspiel in der Coronakrise zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln statt, ehe der Spielbetrieb für rund zwei Monate ausgesetzt wurde.

Stand: 05.06.2020, 22:46

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