Bahrainischer Nationalspieler Al Oraibi bleibt in Thailand in Haft

Bahrainischer Nationalspieler bleibt in Thailand in Haft Sportschau 11.12.2018 02:03 Min. Verfügbar bis 11.12.2019 Das Erste

Gericht in Bangkok verlängert Arrest

Bahrainischer Nationalspieler Al Oraibi bleibt in Thailand in Haft

Von Robert Kempe und Michael Ostermann

Der bahrainische Nationalspieler Hakeem Al Oraibi muss weiter die Auslieferung von Thailand in seine Heimat fürchten. Eine endgültige Entscheidung soll in 60 Tagen fallen. In Bahrain drohen Al Oraibi Folter oder sogar der Tod.

Dem bahrainischen Nationalspieler Hakeem Al Oraibi, der 2014 nach politischer Verhaftung und Folter aus Bahrain nach Australien geflohen war, droht weiter die Auslieferung in sein Heimatland. Ein Gericht in der thailändischen Hauptstadt Bangkok entschied am Dienstag (11.12.18) nach einer Anhörung Al Oraibis, dessen Auslieferungshaft um 60 Tage zu verlängern. Danach soll eine endgültige Entscheidung fallen. Die Richter hatten den Fußballer zunächst aufgefordert, einer Rückkehr nach Bahrain zuzustimmen. Das lehnte Al Oraibi erwartungsgemäß ab, weil er in Bahrain Folter oder gar den Tod fürchten muss.

Internationale Protest

"Ich denke, wir haben gute Chancen, dass er nicht ausgeliefert wird, weil wir Beweise für das Risiko haben", sagte seine Anwältin Nadthasiri Bergman der französischen Nachrichtenagentur AFP. Al Oraibi ist seit gut einem Jahr in Australien als Flüchtling anerkannt. Nach Thailand war er Ende November gemeinsam mit seiner Frau gereist, um dort Urlaub zu machen. Bei seiner Ankunft wurde er verhaftet, nachdem Bahrain via Interpol einen internationalen Haftbefehl erlassen hatte. Sayed Alwadaei, einer der Direktoren der Mennschenrechtsorganisation BIRD in London, sieht in der Verlängerung der Auslieferungshaft ein schlechtes Zeichen. "Dass das thailändische Gericht entschieden hat, das Auslieferungsverfahren fortzuführen, ist alarmierend", sagte Alwadaei gegenüber sportschau.de.

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Die Verhaftung hatte internationale Proteste ausgelöst. Die australische Außenministerin Marise Payne erklärte am Sonntag (09.12.18), sie habe den Fall bei einem Treffen mit ihrem thailändischen Amtskollegen Don Pramudwinai angesprochen und die sofortige Rückkehr Al Oraibis nach Australien verlangt. Minky Worden von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch an den Fußball-Weltverband FIFA appeliert, sich stärker für den inhaftierten Fußballer aus Bahrein einzusetzen. "Wenn sich die FIFA nicht endlich mehr anstrengt und stärker in Erscheinung tritt, um diesen Spieler freizubekommen, damit er nach Australien heimkehren kann, ist sie in ihrer grundsätzlichen Aufgabe gescheitert: sich für Fußballer einzusetzen", sagte sie in der ARD-Sportschau.

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In Bahrain gefoltert

Die internationale Spielergewerkschaft World Players Association hatte gegenüber der ARD-Sportschau die FIFA und vor allem ihren bahreinischen Vizepräsidenten Scheich Salman dazu aufgefordert, sich für die Freilassung Al Oraibis nach Australien einzusetzen. Während des FIFA-Präsidentschaftswahlkampfs 2016 zwischen Scheich Salman und Gianni Infantino war es vor allem Al Oraibi, der Salman kritisierte und die Folter gegen bahrainische Fußballspieler öffentlich machte. Diese hatten 2011 beim arabischen Frühling in Bahrain eine entscheidende Rolle. Sie demonstrierten an der Spitze, nutzen ihre Bekanntheit, um Bürgerrechte einzufordern. Die Spieler wurden daraufhin bedroht und zu Staatsfeinden. Der Verbandspräsident zu dieser Zeit: Scheich Salman.

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Al-Oraibi war 2010 im Alter von 16 Jahren zum ersten Mal in Bahrain verhaftet worden. Zwei Jahre darauf wurde er erneut festgenommen. Der Vorwurf: Er soll eine Polizeistation angegriffen haben. Zu einem Zeitpunkt, als er nachweislich mit dem Nationalteam spielte: Die Partie war live im Fernsehen zu sehen. Damals wurde er wieder gefoltert, wie Al Oraibi 2016 gegenüber der WDR-Sendung "Sport inside" schilderte.

In Abwesenheit verurteilte ein Gericht in Bahrain ihn zu zehn Jahren Gefängnis. Sollte er tatsächlich nach Bahrain ausgeliefert werden, droht ihm dort erneut Folter. Al Oraibi selbst fürchtet sogar um sein Leben. "Ich habe Bahrain vor fast fünf Jahren verlassen, seitdem lebe ich in Australien. Ich habe ihnen hier gesagt, wenn sie mich nach Bahrain zurückschicken, werden sie mich dort töten", sagte er vergangene Woche in einem Telefoninterview mit "Sport inside".

Al Oraibi: "Sie werden mich töten"

WDR 06.12.2018 00:23 Min. Verfügbar bis 06.12.2019 WDR

Stand: 11.12.2018, 11:50

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