UEFA-Präsident Ceferin - der "Retter" aus dem Nichts

UEFA Präsident Aleksander Ceferin

Porträt

UEFA-Präsident Ceferin - der "Retter" aus dem Nichts

Von Marcus Bark

Aleksander Ceferin ist unter zweifelhaften Umständen Präsident der UEFA und damit einer der mächtigsten Menschen im Weltfußball geworden. Seitdem er die Großklubs anbrüllte und diese ihr Projekt einer Super League stoppten, steht er sogar als Retter des Sports da. Ein Porträt.

Noch immer bleiben viele Fragen offen. Etwa die, warum große und erfolgreiche Klubs wie Real Madrid, Manchester United und Juventus Turin ihr Projekt der Super League ziemlich dilettantisch auf den Markt brachten, um es dann schnell wieder zurückzuziehen. Steckte ein so guter wie perfider Plan dahinter, der diese Klubs und ihre neun Mitstreiter mittelfristig ans Ziel bringen wird? 

Bis auf weiteres scheint die Sache klar zu sein. Der Gewinner der heftigen Auseinandersetzung während gerade mal 48 Stunden ist die UEFA, allen voran ihr Präsident Aleksander Ceferin. 

Zwei irre Tage des Fußballs

Er hatte sofort auf Gegenangriff geschaltet. Ceferin diskreditierte die Abtrünnigen, drohte ihnen und deren Spielern scharf mit Ausschluss und Verbannung. Die Mehrzahl an Juristinnen und Juristen ist der Ansicht, dass es leere Drohungen waren.

Aber so genau achtete in diesen irren zwei Tagen des Fußballs ohnehin niemand auf Details. Die da von der Super League sind die Bösen, die Gierigen, die Feinde des Fußballs. Ceferin, ein studierter Jurist, ist der Gute, der Kämpfer der Gerechten, das Sprachrohr der Fans.

Gewagte These

In der Zeit, als die Wellen hoch schlugen, verabschiedete die UEFA eine Reform der Champions League, die ab 2024 greift. Schon das Großgedruckte zeigt, dass Ceferins These gewagt ist. Der Super League gehe es nur ums Geld, die UEFA entwickle den Fußball, hatte der Präsident gesagt.

Aleksander Ceferin focht in den vergangenen Tagen auf zwei Planchen. Auf der großen ging es vermeintlich um die Rettung des Fußballs, auf der kleineren um die Coronapolitik in Slowenien.

Super League - UEFA geht als Sieger aus beispiellosem Machtkampf hervor Sportschau 21.04.2021 03:25 Min. Verfügbar bis 21.04.2022 Das Erste

Ceferin gibt Sloweniens Regierung Contra

Wie schon häufiger ging er den rechtspopulistischen Ministerpräsidenten Janez Jansa verbal hart an. Der Regierungschef reagierte per Twitter und warf dem Widersacher Lügen vor.

Aber so etwas gehöre zum bekannten Repertoire des Rechtspopulisten, sagt der slowenische Politologe Marko Lovec. Dass Ceferin der Regierung häufig Contra gibt, macht ihn in der Heimat noch beliebter.

Schwarzer Gürtel in Karate

Gemeinsam haben Ceferin und Jansa nur ihren Geburtsort Grosuplje. In der Kleinstadt südlich der Hauptstadt Ljubljana hat auch die Anwaltskanzlei Ceferin ihren Sitz, die Aleksander von seinem Vater übernahm.

Aleksander Ceferin gilt als begeisterter Sportler. In den Archiven ist zu finden, dass er Basketball spiele, in Karate Träger des schwarzen Gürtels sei. Futsal, also Hallenfußball, möge er auch, auf dem Feld draußen habe er beim FC Ljubljana Lawyers gespielt.

Reform der Champions League – der Plan, der Streit, die Hintergründe sport inside 18.04.2021 08:43 Min. UT Verfügbar bis 18.04.2022 WDR

Das norwegische Magazin "Josimar" beschreibt den Verein als "Sunday League Club", Freizeitkicker. Ceferin kickte zum Spaß mit anderen Rechtsanwälten, unter ihnen auch Tomaz Vesel, inzwischen Vorsitzender des Audit- und Compliancekomitees bei der FIFA.

Auffällige Markierungen

Das muss nichts heißen. Aber es gibt einige Markierungen auf dem Weg Ceferins an die Macht, die auffällig sind. Sie wurden schon vor Jahren von "Josimar" aufgedeckt, fanden aber wenig Beachtung. Sämtliche Vorwürfe wurden zudem von Ceferin zurückgewiesen.

Eine Quelle in Slowenien besätigte der Sportschau die Recherchen des norwegischen Magazins. Mit Namen möchte die Quelle nicht genannt werden. Über Ceferin werde in Slowenien nicht gesprochen und geschrieben. Und wenn, dann nur Gutes.

Aufgehübschter Lebenslauf

"Josimar" enthüllte, dass Ceferin mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit seinen Lebenslauf aufhübschte, um 2011 Präsident des slowenischen Fußballverbandes zu werden. Voraussetzungen dafür waren mehrjährige Funktionärstätigkeiten.

Ceferin soll dabei etwa angegeben haben, bei seinen Hobbykickern und später auch bei einem Erstligisten im Vorstand gearbeitet zu haben. Belege sind dafür nicht bekannnt. Im Gegenteil: "Josimar" führte eine Zeugin auf, die Ceferins Angabe als Lüge bezeichnete.

Die Bewerbung Čeferins 2011, so das norwegische Magazin, sei vom slowenischen Verband kritisch untersucht worden. Bei der externen Anwaltskanzlei, die Ceferins Angaben ratifizierten, nahm sein Bruder wenig später die Arbeit auf.

Interessante Allianzen

Aleksander Ceferin schaffte es in Slowenien aus dem Nichts im ersten Anlauf auf den Chefsessel des Verbandes. Fünf Jahre später gelang ihm das auch bei der UEFA. Sehr deutlich mit 42:13 Stimmen gewann er die Wahl gegen den Niederländer Michael van Praag und wurde so Nachfolger von Michel Platini.

Super League, Champions League & das House of Cards des Fußballs

WDR 5 Sport inside – der Podcast: kritisch, konstruktiv, inklusiv 24.04.2021 42:43 Min. Verfügbar bis 16.04.2041 WDR 5


Download

Über die Allianzen, die er schmiedete, gibt es verschiedene Gerüchte. "Josimar" und auch die anonyme Quelle in Slowenien behaupten, FIFA-Präsident Gianni Infantino habe sein Netzwerk genutzt. Auch der russische Funktionär Witali Mutko, mit Skandalen reichlich gesegnet, soll Ceferin protegiert haben.

Ablehnung von Infantinos Klub-WM

Das Verhältnis zu Infantino hat jedenfalls arg gelitten. Das Projekt der aufgeblähten Klub-WM, mit dem der Präsident der FIFA hausiert, lehnt Ceferin ab.

Im eigenen Haus setzte sich der 53 Jahre alte Slowene dafür ein, die Amtszeiten einer UEFA-Präsidentin oder eines -Präsidenten auf zwölf Jahre zu begrenzen. Zudem fordert eine strikte Anwendung und Verschärfung des Financial Fairplay. Paris Saint-Germain aber, vom Staat Katar unterhaltener Topklub aus Frankreich, kommt stets ungeschoren davon.

Nasser Al-Khelaifi, Präsident von PSG, sitzt im Exekutivkomitee der UEFA, sein Medienunternehmen hält Rechte an der Champions League, gerade erst ist der Katari als Nachfolger des abtrünnigen Juventus-Bosses Andrea Agnelli zum Vorsitzenden der European Club Association (ECA) berufen worden.

Während des Kongresses der UEFA wandte sich Ceferin an Al-Khelaifi und dankte ihm dafür, dass sich PSG nicht der Super League angeschlossen habe: "Du hast gezeigt, dass du ein ehrenwerter Mann bist und den Fußball und dessen Werte respektierst."

Stand: 22.04.2021, 12:00

Darstellung: