Grafik: Akte Wettmafia

Wie stehen die Fußballverbände zum Wettmarkt in Deutschland?

Kicker mit DFB-Logo und Geldschein

Ermittler: “Da läuft viel schief“

Wie stehen die Fußballverbände zum Wettmarkt in Deutschland?

Von Benjamin Best

Mit Sportwetten werden Milliarden umgesetzt. Die Verbände und Klubs wollen davon profitieren und machen Werbung für Wettanbieter. Passt das zum verkündeten Ziel, den Wettbetrug zu bekämpfen?

Der Sportwettenmarkt boomt: Geschätzte 40 Milliarden Euro wurden im Jahr 2017 weltweit allein auf den deutschen Fußball gewettet. Laut Deutscher Fußball Liga DFL ohne jede Auffälligkeit. In deutschen Innenstädten sind Wettbüros unübersehbar. Wetten kann man rund um die Uhr : 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Im Wettbüro oder im Internet. Aber über die Wettbüros operiert auch die Wettmafia, um über manipulierte Spiel hohe Wettsummen abzukassieren.

Ständig wechselnde Ansprechpartner

Die DFL hat seit dieser Saison verpflichtende Schulungen für die Teams der Bundesliga und zweiten Liga eingeführt. Zusammen mit dem DFB hat man Prävention- und Aufklärungsprogramme eingeführt. Ein Warnsystem überwacht den deutschen Fußball. Auf der verbandseigenen Internetseite heißt es beim DFB, man setze mit eigenen Aufklärungsarbeit "Maßstäbe".

Doch es gibt Zweifel an der Ernsthaftigkeit, mit der die deutschen Verbände, insbesondere der DFB das Thema Wettmanipulation angehen. Dort wechsele ständig der zuständige Verantwortliche, kritisiert etwa der Polizist Michael Bahrs. Bahrs leitete jahrelang die Sonderkommission "Flankengott", die zwischen 2009 und 2012 im bislang größten deutschen Wettskandal ermittelte. "Da ist aufgrund von Strukturänderungen innerhalb des DFB ständig ein neuer Ansprechpartner gewesen. Für mich gab es immer wieder neue Leute, die ich kennenlernen musste", sagt Bahrs.

"Problematisch ist, dass die Leute sich erst mal mit dieser Materie auseinandersetzen müssen. Das heißt, wenn es da fähige Sachbearbeiter gab, die eben schon im Stoff standen und die dann komplett wegbrechen und alles immer wieder bei null beginnt. Dann ist die Erfolgsaussicht natürlich auch nicht so groß, da irgendetwas zu bewirken." Zu diesen Vorwürfen will sich der Verband nicht äußern. Nach ARD-Informationen arbeitet sich gerade wieder ein neuer Mitarbeiter in das Thema Spielmanipulation ein.

UEFA im Austausch mit verurteiltem Wettbetrüger – DFB nicht

Informationen aus erster Hand hätte sich der DFB auch beim Wettbetrüger Marijo Cvrtak holen können, der 2012 vom Landgericht Bochum zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden war. "Aber keiner hat da nachgehakt. Zum Beispiel die UEFA hat mich in der JVA Bayreuth besucht. Die haben nachgehakt. Der DFB nicht. Ich glaube, dem DFB ist bewusst: wir sind eigentlich machtlos dagegen", sagt Cvrtak.

Geld von den Wettanbietern

Wie glaubwürdig ist der deutsche Fußball, der im Kampf gegen die Mafia Wettverbote für Fußballprofis ausspricht und gleichzeitig viel Geld von den Wettanbietern annimmt? Zwei Drittel der Klubs aus der Bundesliga und der zweiten Liga haben Sponsoringverträge mit Wettanbietern - als Trikotsponsor oder Bandenwerbung. Dazu ist Tipico offizieller Partner der DFL und der Bundesliga. Der DFB arbeitet mit dem staatlichen Anbieter Oddset zusammen.

"Sehr problematisch"

Weder die DFL noch der DFB legen  die Einnahmen aus den Sponsoringverträgen offen. Die Spielergewerkschaft VDV sieht diese Form des Sponsoring  kritisch und fordert ein Ende der Zweideutigkeiten.

"Wie will ich einem Spieler glaubhaft vermitteln, dass er selber nicht wetten darf, nicht wetten soll wenn er das Logo des Wettanbieters bei sich auf der Brust trägt. Das ist schon sehr problematisch", sagt VDV-Geschäftsführer Ulf Baranowsky. "Wenn man es ganz konsequent sieht, darf man solches Geld nicht annehmen, um die Glaubwürdigkeit hochzuhalten. Die Problematik ist, das hier versucht abzuwägen. Wie weit können wir gehen. Wie viel Geld können wir annehmen und was verlangen wir dann auf der anderen Seite von den Spielern?"

Die DFL teilt der ARD-Sportschau dazu schriftlich mit: "Über das Wettverbot wird in Schulungen ausführlich aufgeklärt. Die Werbung der Wettanbieter richtet sich nicht (...) an die Spieler, sondern in erster Linie an die Zuschauer und Fans." Und weiter: "Tipico ist sich nach eigener Angabe der Verantwortung als Marktführer in Deutschland bewußt."

Blick nach Großbritannien

Der englische Fußballverband FA hat Konsequenzen gezogen. Er verzichtet auf das Geld der Wettanbieter. Im vergangenen Jahr wurde der Millionenvertrag mit einem Anbieter vorzeitig gekündigt.

Stand: 18.12.2018, 13:10

Darstellung: