Fußball | Afrika-Cup

Afrika-Cup - Komoren ohne Torhüter ins Spiel des Lebens

Stand: 24.01.2022, 15:55 Uhr

Die Fußball-Nationalmannschaft der Komoren steht sensationell im Achtelfinale des Afrika-Cups. In der Partie gegen Gastgeber Kamerun am Montagabend droht den "Quastenflossern" aber, ohne Torhüter antreten zu müssen.

Wenn die Komoren spielen, dann "hält das Land inne", sagte Trainer Amir Abdou zuletzt. Dann gibt es unter den 850.000 Einwohnern auf den Inseln des kleinen Archipels kein anderes Thema, so war es auch bei den drei Gruppenspielen des Afrika-Cups.

Doch am Montag, wenn die "Quastenflosser" im Achtelfinale gegen Gastgeber Kamerun spielen, werden die Komoren noch einmal extra eng zusammenrücken. Aus dem Fußball-Märchen könnte ein Drama werden.

Vor dem Spiel ihres Lebens wird die komorische Mannschaft von einem massiven Corona-Ausbruch geschüttelt. Insgesamt zwölf Spieler und Staffmitglieder wurden positiv getestet, darunter Trainer Abdou und die beiden Torhüter Moyadh Ousseini und Ali Ahamada.

Da sich Stammkeeper Salim Ben Boina bereits beim 3:2-Sieg im letzten Gruppenspiel gegen Ghana verletzt hatte, droht den Komoren, ohne gelernten Keeper antreten zu müssen.

Hoffnung auf Ausnahmegenehmigung nach negativem Test

Noch hoffen die Verantwortlichen: Wie der nationale Verband am Montagnachmittag der Nachrichtenagentur AFP bestätigte, fielen die Coronatests von Ahamada zwar negativ aus. Noch liegt aber keine Spielerlaubnis vor.

Denn das neue CAF-Corona-Protokoll, das während des Turniers geändert wurde, sieht vor, "dass ein Spieler fünf Tage in Isolation warten muss, bevor er 48 Stunden vor seinem Spiel den PCR-Test durchführt".

Da der nationale Verband erst am Samstag (22.01.2022) die positiven Fälle mitteilte, sind die Hoffnungen auf einen Einsatz also eigentlich gering.

Ganz ohne Hoffnung sind die Komoren allerdings nicht: Tunesien hat am Sonntag von der CAF eine Ausnahmegenehmigung für den Stürmer Wahbi Khazri erhalten, der beim Sieg gegen Nigeria weniger als fünf Tage nach einem positiven Covid-Test spielen konnte. Einen solchen Antrag hat auch die Delegation der Komoren gestellt.

Komoren schickten Ghana nach Hause

"Wir versuchen, so gut wie möglich mit der Situation umzugehen", hatte Teammanager El-Hadad Himidi in einem Video des Verbands bei Twitter am Samstag gesagt: "Aber ohne unseren Trainer, ohne einige Schlüsselspieler und vor allem ohne unsere zwei verbliebenen Torhüter ist die Situation sehr kompliziert."

Allein die Teilnahme war für den Weltranglisten-132. schon eine Sensation - und erst der Anfang. Die Komoren schafften als Dritter der Gruppe C knapp den Einzug in die K.o.-Runde und warfen dabei den dreimaligen Afrikameister Ghana aus dem Turnier.

Mindestens elf Spieler müssen laut Verband negativen Test aufweisen

Die Regeln des afrikanischen Dachverbands CAF geben grundsätzlich vor, dass eine Mannschaft antreten muss, wenn mindestens elf Spieler einen negativen Coronatest aufweisen. Wenn kein Torhüter verfügbar ist, muss ein Feldspieler einspringen.

Erst 2005 ist der Inselstaat dem Weltverband FIFA beigetreten, Trainer Abdou, wie viele seiner Spieler in Europa geboren, hat eine Einheit auf dem Platz geformt. Die Komoren spielen keinen spektakulären Fußball, sind aber gut organisiert und verfolgen einen klaren Plan.

Die Mannschaft "beweist, dass die Kraft in der Einheit liegt", sagte Abdou: "Sie setzt sich aus Spielern von allen vier Inseln zusammen. Alle Farben unserer Flagge sind in ihr vertreten. Das schweißt zusammen." Heute können sie diesen Spirit mehr denn je brauchen.

Afrika-Cup: Fußball, Leidenschaft und Politik WDR 5 Sport inside – der Podcast: kritisch, konstruktiv, inklusiv 08.01.2022 48:28 Min. Verfügbar bis 02.01.2042 WDR 5

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