Abstoßregel - Zeit für neue Tricks

Ein Torhüter bereitet einen Abstoß vor.

Fußball

Abstoßregel - Zeit für neue Tricks

Von Chaled Nahar

Beim Abstoß im Fußball gilt eine neue Regel, die derzeit für kuriose Szenen sorgt. Sie könnte das Spiel aber auch taktisch verändern - offensiv wie defensiv.

Lupfen, köpfen, fangen - das ist der neueste Trend im Fußball. Die Regeländerungen, die im Sommer in Kraft getreten sind, betreffen auch den Abstoß. Seitdem müssen die Mitspieler des ausführenden Spielers den Ball nicht mehr außerhalb des Strafraums annehmen, ein "kurzer Abstoß" ist möglich.

In verschiedenen Spielen im Sommer entwickelten die Mannschaften aber eine Variante, mit der sie die Rückpassregel umgingen: Der Torhüter lupft den Ball beim Abstoß an, der Mitspieler köpft ihn zum Schlussmann zurück, der den Ball fängt. Und was eigentlich verboten erscheint, ist erlaubt. Das International Football Association Board (IFAB), das die Fußballregeln festlegt und die Änderungen im März beschlossen hatte, bestätigte in verschiedenen Medien zunächst, dass das Vorgehen zulässig ist (Aktualisierung: Mittlerweile hat das IFAB bei der Regel eine vorübergehende Aussetzung bekanntgegeben).

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Umgehen der Regel ist eigentlich verboten

Als die Rückpassregel 1992 eingeführt wurde, hatten findige Spieler Ideen, die Regel zu umgehen. Mit dem Knie spielten sie den Ball zum Torwart zurück oder lupften sich den Ball selbst an, um ihn zum Schlussmann zu köpfen. Dieser Umgehung der Regel wurde mit Gelben Karten schnell ein Riegel vorgeschoben.

Rückpass historisch: Wie Spieler die Regel in den 90ern umgehen wollten Sportschau 01.08.2019 00:19 Min. Verfügbar bis 01.08.2020 Das Erste

Doch im aktuellen Fall liegt die Sache anders, der Trick ist nicht strafbar. Anders als bei einem Spieler, der den Ball mit dem Knie spielt, ist nun kein eindeutig Schuldiger festzulegen. "Der Torwart lupft, der Feldspieler köpft, der Torwart fängt - keiner tut etwas Verbotenes", sagt Alex Feuerherdt vom Schiedsrichter-Podcast "Collinas Erben". Weiter gedacht könnte der Trick sogar im offenen Spiel und auch bei Freistößen regelkonform angewandt werden. "Was für den Abstoß gilt, müsste auch für andere Spielsituationen gelten", sagt Feuerherdt. Und der Trick ist in Deutschland angekommen: In der 3. Liga tricksten beim Halleschen FC Sebastian Mai und Torwart Kai Eisele den Ball in die Arme des Schlussmanns.

Der neue Trick beim Abstoß Sportschau 01.08.2019 00:38 Min. Verfügbar bis 01.08.2020 Das Erste

Die Frage bleibe, ob der Trick mit dem angelupften Ball die Rückpassregel aushöhlt und ob das IFAB im kommenden Jahr darauf reagiert, sagt Feuerherdt. Die erlaubte Form des Rückpasses und ihre Nutzung beim Abstoß hat zudem gegen Spielende natürlich großes Potenzial, zum Zeitschinden genutzt zu werden.

Neue taktische Möglichkeiten - und Gefahren

Die neue Abstoßregel eröffnet den Teams zudem neue taktische Möglichkeiten. Inter Mailand und Manchester City zeigten in der Vorbereitung, dass man mit tief stehenden Verteidigern beim Abstoß das Spiel in die Länge ziehen und so Raum für temporeiche Angriffe schaffen kann. Für hoch stehende Mannschaften besteht beim Pressing die Gefahr, schnell überspielt zu werden.

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"Bei der alten Regel, nach der die Spieler beider Mannschaften nicht in den Strafraum durften, konnte eine pressende Mannschaft die Gegner zustellen und den Torwart zu einem langen Ball drängen", sagt Tobias Escher, der den Taktik-Blog "Spielverlagerung" betreibt. Nun bleibt der Gegner, der außerhalb des Strafraums sein muss, zwangsläufig auf Abstand. "Und so kann die Mannschaft, die den Abstoß ausführt, den Ball hinten rausspielen."

Taktik-Experte Escher sieht aber auch eine Gefahr: In Spielen von besonders spielstarken Mannschaften gegen eher unterlegene Teams könnte das Spiel des Außenseiters noch defensiver werden. Wenn beispielsweise Union Berlin bei den Bayern spiele, den Abstoß des Favoriten aber nicht zustellen darf, um einen langen Ball zu provozieren, sei eine deutlich defensivere Ausrichtung die mögliche Folge, sagt Escher.

Stand: 01.08.2019, 12:03

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