"Erweiterte Ruhezeit zu Ostern" - Unklarheit für den Profisport

Die leere Alte Försterei, das Stadion von Union Berlin.

Profisport am Osterwochenende

"Erweiterte Ruhezeit zu Ostern" - Unklarheit für den Profisport

Der Profisport steht vor einem ungewissen Osterwochenende. Durch die "erweiterte Ruhezeit zu Ostern" in den Beschlüssen der Bund-Länder-Konferenz zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie ist derzeit unklar, was zwischen Gründonnerstag und Ostermontag erlaubt sein wird. Eine Rechtsverordnung soll Klarheit für die Fußball-Bundesliga, aber auch für die Spiele im Eishockey, Handball, Volleyball oder Basketball bringen.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller, derzeit Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz bestätigte am Dienstag (23.02.2021) Gespräche zwischen Politik und Fußball, ob die für Ostern geplanten Spiele trotz der verordneten "Ruhetage" stattfinden dürfen. "Das muss bundeseinheitlich geklärt werden", sagte der SPD-Politiker. Es könnte aber auch zu unterschiedlichen Handhabungen in den Bundesländern kommen. "In Niedersachsen gehen wir davon aus, dass am Osterwochenende kein Profi-Sport stattfinden wird", sagte Anke Pörksen, Sprecherin der niedersächsischen Landesregierung, am Dienstag dem Redaktions-Netzwerk Deutschland.

Diese Worte dürften nicht nur den Fußball aufhorchen lassen, denn ein Verbot der Spiele hätte logischerweise ähnliche Folgen für andere Sportarten.

Politik: Die entscheidenden Fragen bleiben offen

Beim Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Bundesländer war man übereingekommen, dass von Gründonnerstag bis Ostermontag das öffentliche, private und wirtschaftliche Leben weitgehend heruntergefahren werden soll, um die dritte Corona-Welle zu brechen.

Das siebenseitige Schriftstück zu den Beschlüssen lässt den Profisport allerdings unerwähnt und die für ihn entscheidenden Fragen damit offen. Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtete, dass der Bund an einer Rechtsverordnung arbeite, um Fragen wie die Erlaubnis von Profisport über Ostern zu klären. Fest steht: Fast alle Mannschaftssportarten haben zu Ostern eigentlich ein straffes Programm vorgesehen.

Fußball: Projekt mit Fans abgesagt, Spiele derzeit nicht

In Berlin soll am Ostersonntag (04.04.2021) eigentlich das Derby in der Fußball-Bundesliga zwischen Union und Hertha BSC angepfiffen werden. Ein Projekt, das Spiel mit bis zu 1.000 Fans auszurichten, wurde abgesagt. Nicht aber das Spiel, wie der Berliner Senat für Inneres und Sport klarstellte. Der RBB hatte über eine Absage berichtet, die Meldung erwies sich als falsch. Nach Informationen der Sportschau gibt es in der Deutschen Fußball Liga DFL keine Überlegungen, den Spieltag in der Bundesliga und der 2. Bundesliga abzusagen.

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Klarheit herrscht aber trotzdem nicht. Am Osterwochenende stehen auch volle Spieltage in der 2. Bundesliga und der 3. Liga an. In der Bundesliga ist in Leipzig das Spitzenspiel gegen Bayern München geplant. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) wollte laut dpa eine Absage genauso wenig ausschließen wie umgekehrt auch eine Freigabe für bis zu 1.000 Zuschauer. "Das werden die nächsten Tage zeigen, ob das so ist", sagte Kretschmer. Am vergangenen Samstag durfte in Mecklenburg-Vorpommern Drittligist Hansa Rostock gegen den Halleschen FC vor gut 700 Zuschauern spielen.

Die Frauen-Bundesliga hat am Osterwochenende spielfrei und geht dem Problem so aus dem Weg - aber die beiden Halbfinalspiele im DFB-Pokal der Frauen sind für Karsamstag angesetzt.

Handball: 1.000 Fans in Leipzig am Gründonnerstag?

In der Handball-Bundesliga sind bei den Männern und den Frauen laut Spielplänen jeweils alle Teams am Osterwochenende im Einsatz. Bei den Männern mussten durch Corona-Fälle zahlreiche Spiele neu angesetzt werden. Noch könne die Saison wie geplant zu Ende gespielt werden, sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann der dpa. "Es darf aber nicht mehr viel passieren." Der Terminplan verdichte sich und biete kaum noch Spielraum.

In Sachsen steht zudem ein Projekt mit Fans an: Der Männer-Bundesligist SC DHfK Leipzig wollte am Gründonnerstag (01.04.2021) gegen Erlangen 1.000 Fans in die Halle lassen. "Das war uns ein wichtiges Anliegen, um zu zeigen, wie Öffnungen unter Pandemiebedingungen eben auch möglich sein können", sagte Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD). Ob das nun so geschehen wird, ist unklar.

Eishockey: Zahlreiche DEL-Spiele an Ostern geplant

Die Deutsche Eishockey-Liga wäre von Oster-Absagen im Profisport am härtesten betroffen. Hier stehen ein voller und die Teile zweier weiterer Spieltage am Osterwochenende an.

Die zuvor in Nord- und Süd-Gruppen geteilten Klubs der Deutschen Eishockey-Liga treffen nun aufeinander, es wird andere Reisen und mehr Hotelübernachtungen geben - das Infektionsrisiko steigt. Grundsätzlich kam es in der DEL bislang zu wenig positiven Tests und wenig Veränderungen im Spielplan. Sollte sich das nun an einigen Spieltagen ändern und zudem an Ostern kein Spielbetrieb möglich sein, würde das aber auch die DEL vor Probleme stellen.

Volleyball: Wohl wenige Termine an Ostern

In der Frauen-Bundesliga sind die dritten Spiele im Halbfinale der Bundesliga-Playoffs für Gründonnerstag angesetzt. Wenn die Spiele in den beiden Serien "best of three" nötig werden, müssen sie im Ernstfall verlegt werden. Mehr als zwei Spiele an Ostern wird es im Volleyball also nicht geben. Denn bei den Männern sieht der Spielplan ein Ende der Halbfinalspiele vor Ostern vor.

Zudem ist ein Projekt mit Fans in der Halle außerhalb der Ostertage genehmigt worden: Das Spiel zwischen den Berlin Volleys und den Powervolleys Düren soll am Mittwoch (24.03.2021) stattfinden.

Basketball: "Setzen die Spiele nicht von alleine ab"

Die Basketball-Bundesliga geht davon aus, dass die über Ostern angesetzten Spiele wie geplant stattfinden. "Von alleine werden wir sie sicher nicht absetzen", sagte Geschäftsführer Stefan Holz der dpa. Die BBL hat für Gründonnerstag drei vorgezogene Spiele des 29. Spieltags und von Karsamstag bis Ostermontag den 26. Spieltag mit neun Begegnungen angesetzt.

Obwohl seit Saisonbeginn ohne Zuschauer und mit einem strengen Hygienekonzept gespielt wird, mussten einige Teams wegen positiver Corona-Fälle für zwei Wochen in Quarantäne, was diverse Nachholspiele zur Folge hatte. "Bislang haben wir es noch ganz gut hinbekommen", sagte Holz. "Aber wenn wir jetzt zehn Tage vorher einen kompletten Spieltag absetzen müssten, dann hätten wir schon ein Problem." In der Damen-Basketball-Bundesliga (DBBL) steht an Ostern die Playoffs im Viertelfinale an.

Breitensport: Noch keine Öffnung in Sicht

Angesichts der Pandemie-Lage mit steigenden Zahlen ist für den Breitensport bis mindestens 18 April keine Öffnung in Sicht. Daran ändert auch die Kritik aus den Verbänden zumindest vorerst nichts. "Die aktuelle Beschlusslage stellt auch für den gesamten Sport nochmals einen herben Rückschlag dar", kommentierte DOSB-Präsident Alfons Hörmann die Ergebnisse des Politik-Gipfels.

DFB-Präsident Fritz Keller und sein Vizepräsident Rainer Koch zeigten sich enttäuscht, dass der organisierte Amateursport bei den jetzt getroffenen Bund-Länder-Beschlüssen mit keiner Silbe erwähnt worden sei. Man bedauere bei aller Vorsicht "sehr, dass abermals Verbote im Mittelpunkt stehen und nicht Lösungen, die Wege bieten, angemessen mit der Pandemie umzugehen". Turner-Präsident Alfons Hölzl bezeichnete die Beschlüsse als Rückschritt für den Vereinssport, der für die Pandemiebekämpfung aber akzeptiert werden müsse.

Die Sieben-Tage-Inzidenz ist in Deutschland zuletzt immer weiter gestiegen, am Dienstag lag sie laut Robert Koch-Institut (RKI) bei 108,1. Seit Beginn der Krise zählte das RKI fast 2,7 Millionen Infektionen und rund 75.000 Todesfälle, die mit dem Coronavirus in Verbindung gebracht werden.

nch/dpa | Stand: 23.03.2021, 18:40

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