Formel 1 - Vettels "Liebesbeziehung" und Hamiltons Dresscode

Sebastian Vettel schmunzelt unter seinem Mund-Nasen-Schutz

Großer Preis von Portugal

Formel 1 - Vettels "Liebesbeziehung" und Hamiltons Dresscode

Von Jo Herold

Es gibt viele Hinweise auf das Ende der nahenden Formel-1-Saison: Zwar stehen noch sechs der insgesamt 17 Rennen aus, aber dass sowohl Mercedes den siebten WM-Titel in Folge und Lewis Hamilton Michael Schumachers Rekord-WM-Anzahl von ebenfalls sieben einstellen wird, daran besteht so gut wie kein Zweifel. Aber nun nimmt das Fahrerkarussell richtig Fahrt auf - und Sebastian Vettel spricht versöhnlich von einer endenden "Liebesgeschichte".

Vettels Ferrari-Affäre war von Beginn an für etwas Großes angelegt: Als legitimer Nachfolger von "König" Michael Schumacher, der mit der Scuderia fünf WM-Titel errang, sollte der viermalige Weltmeister dem Mythos Ferrari wieder neues Leben einhauchen. Aber Vettels Fähigkeiten führten in fünf Jahren nicht zum gewünschten Erfolg. Die gekränkte Diva Ferrari, die beim Blick in den Spiegel selbst die Zeichen der Zeit - vulgo der notwendigen Weiterentwicklung auf höchstem Niveau - übersah, verbannte den Fahrer vor dem vielleicht verflixten siebten Jahr aus dem roten Dornröschenschloss.

Also drei deutsche Piloten 2021?

Sebastian Vettel litt zu Beginn der Saison 2020 sichtlich in vielen Rennen und noch mehr Interviews. Aber - mit neuem Vertrag bei Aston Martin (bis 2020: Racing Point) - schlug der 33-Jährige baldige "Ex-Liebhaber" vor dem Portugal-Grand-Prix (25.10., 15.10 Uhr, live bei sportschau.de) versöhnliche Töne an: "Zum Ende des Jahres möchte ich gerne wieder beweisen, was ich drauf habe", sagte Vettel. Natürlich sei es für ihn nicht so einfach, "weil es ja immer etwas anderes ist, wenn eine Liebesgeschichte endet". Es scheint, der ausrangierte Casanova habe seiner italienischen Verflossenen bereits verziehen.

Vettel bei Aston Martin - und wieder ein Schumacher bei Ferrari? Nicht so schnell! Michael Sohn Mick schickt sich zwar an, bald für Ferrari zu fahren, aber vorerst wird er sich noch in einem der Teams beweisen müssen, das mit Ferrari-Motoren unterwegs ist. Vielleicht Haas, vielleicht Alfa Romeo. Haas jedenfalls kündigte bereits aus finanziellen Gründen den aktuellen Stammfahrern Romain Grosjean und Kevin Magnussen, um Platz für zwei Neue zu machen. Das Anforderungsprofil laut Haas-Teamchef Günter Steiner: "Geld und Talent. Talent ist wichtiger, aber manche haben Sponsoren, die sie mitbringen", betonte Steiner. "Wir schauen uns alle Optionen an."

Vettel - Schumacher und Hülkenberg?

Sergio Perez - Vettels Vorgänger bei dessen neuem Rennstall - bringt beides mit, und aus der Formel 2 könnte Nikita Masepin aufsteigen, der Sohn eines milliardenschweren Chemiefabrikanten aus Russland. Und dann ist da noch Nico Hülkenberg.

Laut sky ist Red Bull durchaus an Nico Hülkenberg interessiert - als Ersatz für den instabilen Alex Albon an der Seite von Topfahrer Max Verstappen. Die Gründe? Sicherlich nicht die Erfolge des 33-Jährigen Emmerichers: Denn Hülkenberg ist der Formel-1-Pilot mit den meisten Grands Prix, dem ein Sieg oder auch nur eine Podiumsplatzierung verwehrt blieb. Aber den Racing-Point-Ersatz-Fahrer zeichnen andere Dinge aus.

"Hülk" ist jederzeit einsatzbereit: Jüngst saß er im Café in Köln, als seine Dienste wegen der Corona-Infektion von Lance Stroll überraschend per Telefon angefragt wurden - eine gute Stunde später soll er bereits am Nürburgring gewesen sein und sich auf seinen Renneinsatz vorbereitet haben. Sein Resultat als Achter schlug deutliche Wellen in der Motorsportwelt. Auch an der hügeligen Strecke in Portimao/Portugal am kommenden Wochenende ist Hülkenberg vor Ort - für den Fall der Fälle.

Hamilton als Reifenmechaniker

Lewis Hamilton indes pflegt sich und sein Image - und kann es sich definitiv leisten. Als dominierender Fahrer, der sich immer wieder - für den neutralen Motorsportfan - amüsante Rededuelle während der Rennen mit seinem Renningenieur liefert, verdient er sich jeden Dollar seines Vertrages mit Mercedes. Schon lange wird nicht mehr diskutiert, ob Hamilton gut ist - er schickt sich an, der beste Formel-1-Fahrer aller Zeiten zu werden. Vermutlich ist er es bereits. Der 92. Sieg seiner Karriere winkt, und damit hätte er sogar Michael Schumacher übertrumpft. Abgesehen von einem achten (und weiteren?) WM-Titel in den kommenden Jahren.

Gleichzeitig lässt Hamilton mit seiner Unterschrift unter einen neuen Vertrag seinen Arbeitgeber Mercedes warten. Und es wirkt wie ein Poker. Denn Hamilton äußert - für den Sport, besonders für den Motorsport, eher unüblich - seine politische Meinung. Er polarisiert, er provoziert. Und er inszeniert sich daneben entspannt mit auf dem Rücken schlafenden Hund und als lebendes Kunstwerk. Das kann nur einer, der weiß, wie hoch sein Marktwert ist. Offenbar extrem hoch, angesichts der nicht sehr lauten Kritik an seiner T-Shirt-Aktion "Verhaftet die Bullen ("cops"), die Breonna Taylor umgebracht haben" nach dem Sieg beim Rennen in der Toskana. Zustimmung oder nicht: Der Sportler als politischer Mensch ist definitiv eine neue Erscheinung im Motorsport, und Hamilton verdient sich dadurch auch außerhalb des Sports Respekt.

Tweet in farbenfrohen Klamotten

Jedenfalls sprengte ein Tweet Hamiltons kurz vor dem Portugal-Rennen zumindest die Kleiderordnung, als er sich nachts an einer portugiesischen Tankstelle als Reifenmechaniker nützlich machen musste: Nicht Rennoverall, keine Sponsorenlogos, nur bunte Reiseklamotten trug der 35 Jahre alte Superstar, als an seinem Hybrid-Dienstwagen ein Reifen den Geist aufgab. Und dann konnte es sich der Brite nicht verkneifen, noch hinterherzuschicken: "Und das Beste: Getankt werden musste auch nicht." Was er von seinem Formel-1-Rennwagen nicht behaupten kann.

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Stand: 23.10.2020, 07:29

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