Vettels Neustart, Hamiltons Rekordjagd, Verstappens Vorfahrt

Sebastian Vettel als Gast beim Ski-Weltcup in Kitzbühel

Neue Regeln und Favoriten

Vettels Neustart, Hamiltons Rekordjagd, Verstappens Vorfahrt

Neustart bei Ferrari und Vettel, Mercedes mit Hamilton auf Rekord-Jagd, Verstappen endlich Platzhirsch bei Red Bull - bei den Präsentationen der Autos in der Formel 1 rücken auch die spannenden Fragen für die neue Saison in den Vordergrund.

Hamilton jagt Schumacher-Rekord

Mercedes stellte in den vergangenen fünf Jahren immer den Weltmeister - in der Fahrerwertung und als Konstrukteur. Allein viermal in dieser Zeit triumphierte Lewis Hamilton - mit einem weiteren Titel-Double würden Hamilton und die Silberpfeile den Rekord von Ferrari aus der Michael-Schumacher-Ära kassieren, die zwischen 2000 und 2004 ebenfalls fünfmal in Serie beide WM-Wertungen gewinnen konnten.

Nach einer nahezu perfekten Saison ist Hamilton weiter der erste Anwärter auf den Titel. Der Brite zählt bereits jetzt zu den besten Fahrern der Geschichte. Obwohl Ferrari in den vergangenen zwei Jahren mächtig aufholte und oft das schnellere Auto hatte, dominierte weiter der Weltmeister. Hamilton kündigte bereits nach seinem vorzeitigen WM-Triumph in Mexiko an, Titel Nummer sechs in Angriff zu nehmen - zwei fehlen ihn noch, um auch Schumacher einzuholen. Mit seiner Erfahrung und seinem fahrerischen Können bleibt er auch in der neuen Saison das Maß aller Dinge.

Keine Ausreden mehr für Vettel und Ferrari

Nach einer weiteren enttäuschenden Saison zog Ferrari den Stecker. Der langjährige Teamchef Maurizio Arrivabene musste gehen, Nachfolger wird Mattia Binotto, der als Technikchef bereits dafür verantwortlich war, dass Ferrari im vergangenen Jahr nach Ansicht vieler Experten das beste Auto im Feld stellte. Dass es dennoch nicht zum Titel reichte, wurde dem Team, aber vor allem den Fehlern und Unkonzentriertheiten von Sebastian Vettel angelastet. Für Vettel, immerhin vierfacher Weltmeister, geht es deshalb auch darum, seinen angekratzten Ruf als Rennfahrer wieder herzustellen. In den vergangenen zwei Jahren hatte Ferrari den Silberpfeilen vor allem in der entscheidenden zweiten Saisonhälfte kaum etwas entgegenzusetzen. Vettel wurde von Hamilton unter anderem in Monza, im Ferrari-Wohnzimmer, gedemütigt.

Die Verpflichtung von Charles Leclerc, eins der größten Talente im Fahrerfeld, könnte auch ein Fingerzeig auf mögliche künftige Änderungen in der Ferrari-Rangordnung sein. Vettels Vertrag bei der Scuderia läuft noch bis 2020, doch nicht nur der abgetretene Weltmeister Nico Rosberg sieht den Heppenheimer in der neuen Saison unter Zugzwang: "Sie haben jetzt zwei Chancen gehabt und diese vor allem im letzten Jahr überhaupt nicht genutzt, im Gegenteil. Deswegen ist schon Druck drauf."

Red Bull - Freie Bahn für Verstappen

Max Verstappen hat bei Red Bull in der neuen Saison die Rolle, die der Niederländer eigentlich schon immer für sich reklamierte: Nach dem Abgang von Daniel Ricciardo ist Verstappen der unumstrittene Nummer-eins-Fahrer. Mit seinem nunmehr ehemaligen Teamkollegen hatte sich der angriffslustige Verstappen in den gemeinsamen drei Jahren einigermaßen arrangiert, nachdem sich die zwei Red-Bull-Piloten 2017 in einem denkwürdigen Rennen in Aserbaidschan sogar gegenseitig von der Strecke befördert hatten.

Formel 1-Fahrer Max Verstappen schaut in die Ferne

Endlich Nummer eins: Red-Bull-Pilot Verstappen

Mit Verstappen, der 2018 bei zwei Rennen ganz oben stand, und neuen Motoren von Honda will Red Bull in der neuen Saison die zwei Top-Teams Mercedes und Ferrari angreifen. Dafür bräuchten sie mehr Ruhe als im Vorjahr, als das Team öffentlich über den Motor stritt. Und vor allem müsste Verstappen es schaffen, sein Temparament in den Griff bekommen. Das neue Jahr begann für Verstappen schon wieder mit "Sozialstunden", einer Hospitanz bei den Rennkommissaren der Formel E - die Strafe dafür, dass Verstappen nach dem Crash in Brasilien in der Box wie ein Kneipenschläger auf Force-India-Pilot Esteban Ocon losgegangen war.

Ricciardo -Transfercoup bei Renault

Mit der Verpflichtung von Daniel Ricciardo konnte Renault einen echten Coup landen. Eine so gute Stimmung, sagte Teamchef Cyril Abitetoul bei "Motorsport Total", habe es zuletzt 2005 und 2006 gegeben, als Renault mit Fernando Alonso zweimal zum Titel brauste. Mit dem auch von Mercedes und Ferrari umworbenen Ricciardo sollen die Franzosen, die zuletzt vor allem als Motorenlieferanten erfolgreich waren, bald auch selbst wieder um den Titel mitfahren.

Zwar fuhr Renault in der vergangenen Saison hinterher, doch Ricciardo, der mit Red Bull sieben Rennen gewinnen konnte, sieht den Wechsel auch als Sprungbrett für seine weitere Karriere: Als Inspiration nannte er dabei den aktuellen Weltmeister Hamilton, der 2012 von McLaren zu Mercedes wechselte und vier weitere Titel gewann. Bei Renault tritt Ricciardo als neuer Anführer an, mit Niko Hülkenberg an seiner Seite.

Neue Aerodynamik, Zielflagge aus dem Verkehr

Die große Technik-Revolution in der Formel 1 ist für 2021 angekündigt. Doch auch für die neue Saison gibt es einige neue Regeln - die in den kommenden Wochen ein Dauerthema werden. Der Weltverband FIA hat sich vor allem die Aerodynamik vorgenommen und erhofft sich, wie immer wenn er am Reglement herumdoktert, künftig noch mehr Überholmanöver und enge Duelle auf der Strecke. Dafür wurden die Front- und Heckflügel angepasst, die jeweils breiter ausfallen und dabei weniger komplex sind. Vor allem der komplizierte Frontflügel sorgte bis zur vergangenen Saison für die starken Luftverwirbelungen hinter den Fahrzeugen, diese führten dazu, dass die Piloten kaum noch dicht auf den Vordermann auffahren konnten, ohne selbst zu viel Anpressdruck zu verlieren.

"Regeländerungen stellen stets sowohl eine Chance als auch eine Gefahr dar", sagte James Allison, Technischer Direktor der Silberpfeile: "Sie sind eine Chance, weil alle bisherigen Annahmen darüber, was man braucht, um schnell zu sein, über Bord geworfen werden."

Abgeschafft wird außerdem die Zielflagge, als Zeichen für das offizielle Rennende. Künftig soll es ein automatisches LED-Flaggensignal gaben - als Lehre aus der Lachnummer beim Großen Preis von Kanada im Vorjahr: Das Model Winnie Harlow hatte die Zielflagge aus Versehen eine Runde vor Schluss geschwenkt.

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Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, 13.02., ab 22.50 Uhr

Stand: 13.02.2019, 13:00

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