Hamilton feiert legendären 92. Grand-Prix-Sieg

Die Mercedes-Piloten Valtteri Bottas (vorne) und Lewis Hamilton beim Qualifying .

Großer Preis von Portugal

Hamilton feiert legendären 92. Grand-Prix-Sieg

Von Jo Herold

Lewis Hamilton ist nun endgültig der erfolgreichste Formel-1-Fahrer aller Zeiten: Beim Grand Prix von Portugal in Portimão sicherte sich der Brite mit einem überragenden Rennen seinen 92. Sieg und ist in der ewigen Bestenliste auf Platz eins vor Michael Schumacher.

Polesitter Hamilton schob sich in der 20. Runde an seinem Teamkollegen Valtteri Bottas vorbei, der beim Start von einer Kollision zwischen Sergio Perez und Max Verstappen profitierte und schnell den kurzzeitigen Führenden Carlos Sainz im McLaren überholen konnte. Bottas kam im Ziel auf Rang zwei, Verstappen sicherte sich Platz drei. Hamilton baute in der WM-Wertung seinen Vorsprung auf Bottas - auch dank des Extrapunktes für die schnellste Rennrunde auf 77 Zähler aus. Teamchef Toto Wolff funkte Hamilton nach der Zieldurchfahrt sofort ins Cockpit: "Lewis: 92, 92!" Der Superstar gab das Lob schnell zurück: "Es ist so ein Privileg, mit all den Leuten zu arbeiten, und auch die Zuverlässigkeit von Mercedes und Petronas ist unglaublich." Gerührt fügte der Champion hinzu: "Ich hätte mir nie erträumt, hier zu stehen, wo ich heute bin. Das ist ein gesegneter Tag!"

"Reifenflüsterer" Hamilton

Von Beginn des Rennens an schien der WM-Führende Hamilton am Sonntag (25.10.2020) auf dem hügeligen Kurs an der portugiesischen Algarve besonders seine empfindlichen Reifen im Blick zu haben. Ohne Topzeiten zu produzieren, wählte der 35-Jährige während des ersten Renndrittels häufig einen leicht weiteren Weg durch die Kurven und half den Reifen so, länger auf hohem Niveau zu arbeiten. Während viele der Konkurrenten (Verstappen im Red Bull, Bottas) über abbauenden Grip bei den Pneus klagten, baute Hamilton seinen Vorsprung bis zur Rennhälfte auf über sieben Sekunden aus. Am Ende hatte deklassierte Hamilton seinen Teamkollegen Bottas regelrecht, als er mit fast einer halben Minute Vorsprung über die Ziellinie fuhr.

Regen drohte

Als fast alle Piloten bereits an der Box neue Reifen aufgezogen bekamen, zog Mercedes bei seinen Rennfahrern die Wechsel geschickt raus: Während Bottas darunter wegen deutlich wachsender Rundenzeiten litt, zog Hamilton optimalen Nutzen aus der Startegie. Sowohl die Anforderungen an den neuen Reifensatz wurden dadurch geringer, als auch die Möglichkeit blieb erhalten, auf die wechselhafte Witterung zu reagieren. Immer wieder meldeten die Piloten unterschiedlicher Teams neuerliche Regentropfen - ein zusätzlicher Reifenwechsel auf Regenreifen hätte rennentscheidend sein können.

Ferrari deutlich verbessert

Die in der laufenden Saison arg gebeutelten Ferrari-Fans (nur Platz sechs in der Konstrukteurswertung) konnten sich beim Rennen in Portugal über gute Ergebnisse ihrer Piloten freuen: Charles Leclerc überzeugte mit einer konzentrierten Performance und Rang vier, Sebastian Vettel arbeitete sich im Verlauf des Rennens immerhin auf Rang zehn vor. Ferrari hatte am Auto der beiden Piloten Updates vorgenommen, die offensichtlich gut in Speed umgesetzt werden konnten. Dennoch war der viermalige Weltmeister sehr kritisch: "Natürlich bin ich nicht zufrieden, ich bin ja nicht hier, um Zehnter zu werden", sagte Vettel, "das Gefühl im Auto ist schon das ganze Jahr ein bisschen Murks."

Stroll mit dem Kopf durch die Wand

Für den ersten Aufreger des Rennens sorgte Lance Stroll, der Teamkollege von Sebastian Vettel im kommenden Jahre bei Aston Martin: In Runde 18 setzte der Kanadier im Force India zu einem riskanten Überholmanöver außenherum gegen McLaren-Pilot Lando Norris an und rutschte von der Strecke. Dabei wurden beide Rennwagen beschädigt und mussten zur Reparatur an die Box - das Rennen war für beide Piloten gelaufen, Unfallverursacher Stroll wurde zudem mit einer Fünf-Sekunden-Strafe belegt, schied nach einer weiteren Strafe als Letzter zwölf Runden vor dem Ende aus.

Nächstes Rennen am 1. November: GP in Imola

Die Formel 1 wird in Corona-Zeiten bereits in einer Woche (1. Nov.) wieder auf einem lange nicht befahrenen Kurs Station machen, Austragungsort ist die berüchtigte Strecke Autodromo Enzo e Dino Ferrari in Imola.

Stand: 25.10.2020, 16:30

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