Formel 1 - 91 Siege: Hamilton stellt Schumacher-Rekord ein

Lewis Hamilton nach dem Eifel-GP

Großer Preis der Eifel

Formel 1 - 91 Siege: Hamilton stellt Schumacher-Rekord ein

Von Christian Hornung

Es war nur eine Frage der Zeit, jetzt hat er es ausgerechnet am Nürburgring geschafft: Lewis Hamilton zog am Sonntag (11.10.2020) mit seinem 91. Grand-Prix-Sieg mit Formel-1-Legende Michael Schumacher gleich - und erlebte eine große Geste von dessen Sohn Mick. Beeindruckend stark präsentierte sich auch Aushilfsfahrer Nico Hülkenberg.

Hamilton war in der "Grünen Hölle" nur von Startplatz zwei aus ins Rennen gegangen, profitierte aber auch vom Motorschaden seines Mercedes-Teamkollegen Valtteri Bottas. Zweiter wurde Max Verstappen im Red Bull vor Daniel Ricciardo im Renault. Den Extra-Punkt für die schnellste Rennrunde luchste in der letzten Runde Verstappen Hamilton noch ab.

Tolle Geste von Mick Schumacher

Kurz nach dem Rennen gab es eine auch in diesem Geschäftsbetrieb Formel 1 sehr bewegende Geste. Mick Schumacher, der Sohn des Champions, kam zu Hamilton und übergab ihm während des Sieger-Interviews einen Helm seines Vaters. "Du hast ihn dir verdient, Lewis", sagte Mick. Hamilton sagte sichtlich gerührt: "Ich habe so viele Rennen von Michael gesehen und in einem Videospiel bin ich immer als Michael gefahren. Man konnte sich niemals vorstellen, dass es überhaupt jemanden geben wird, der diesen Rekord bricht. Dass ich es dann nun bin, ist einfach unglaublich." Schumachers Helm nahm Hamilton dann auch anschließend mit zur Siegerehrung aufs Podium.

Verstappen freute sich: "Insgesamt war es ein gutes Rennen, die Pace war gut und wir sind unser eigenes Rennen gefahren. Am Ende habe ich es dann einfach nochmnal versucht, die schnellste Runde zu fahren und mir den Extra-Punkt zu sichern." Ricciardo jubelte: "Ich war zweieinhalb Jahre nicht mehr auf dem Podium - das fühlt sich an wie ein Sieg. Mein ganz Team freut sich riesig, es ist großartig."

Harte Attacke in Runde eins

Gleich in der ersten Kurve startete Hamilton eine harte Attacke auf seinen Teamkollegen und Polesetter Bottas. Der Brite hatte auch schon kurz die Nase vorn, drängte den Finnen neben die Strecke - konnte dann aber die Pace nicht ganz halten und musste wieder klein begeben.

Offenbar waren auch die Reifen des Sechsfach-Weltmeisters noch nicht ganz auf Temperatur, so dass Bottas in der Folge einen ordentlichen Vorsprung herausfahren konnte.

Formel 1: 13.500 Fans bejubeln Hamiltons Rekordfahrt auf dem Nürburgring

Sportschau 11.10.2020 01:49 Min. Verfügbar bis 11.10.2021 ARD Von Michael Land

Vettel dreht sich von der Strecke

Für Sebastian Vettel setzte sich im Rennen die Enttäuschung aus dem Qualifying nahtlos fort. Erst verlor er von Startplatz elf aus sogar noch einen weiteren Rang, dann verbremste er sich bei einem Angriff auf Antonio Giovinazzi im Alfa Romeo dermaßen, dass er sich von der Strecke drehte, das Kiesbett streifte und den Wagen nur mit ganz viel Mühe wieder einfangen konnte.

Noch schlimmer ging es für Bottas weiter: Erst musste er in Runde 13 nach einem Verbremser Hamilton vorbeiziehen lassen, nach seinem Boxenstopp funkte er dann plötzlich "no power" an seine Boxencrew und musste in der 19. Runde seinen Mercedes mit einem Motorschaden abstellen.

Räikkönen schießt Russell ab

Auch im Hinterfeld ging es zur Sache. Der erfahrene Kimi Räikkönen (Alfa Romeo) verschätzte sich bei einem Überholmanöver und schoss George Russell im Williams ab - als Quittung bekam er eine Zehnsekunden-Strafe, Russell musste kurz danach aufgeben.

An der Spitze kehrte derweil gähnende Langeweile ein. Hamilton hielt sich Verstappen im Red Bull locker vom Heck, brachte meist acht bis zehn Sekunden zwischen sich und den Niederländer. Dahinter kam dann lange gar nichts, der drittplattzierte Riccciardo war nach drei Vierteln des Rennens schon um eine komplette Minute distanziert.

Hülkenberg lässt Vettel stehen

Vettel hatte sich inzwischen etwas stabilisiert und von zahlreichen Ausfällen profitiert (nach Bottas und Russell auch Lando Norris im McLaren, Alex Albon im Red Bull und Esteban Ocon im Renault), ehe er die nächste Ohrfeige kassierte.

Gelegenheitsfahrer Nico Hülkenberg, der diesmal im Racing Point den erkrankten Lance Stroll ersetzte, setzte in Runde 42 zum Überholmanöver gegen den viermaligen Weltmeister an - und ließ Vettel einfach stehen. Kurz zuvor hatte der Heppenheimer auch das direkte Duell gegen Charles Leclerc verloren, wobei sich die beiden Ferrari-Kollegen um ein Haar mal wieder gegenseitig abgeräumt hätten - Schuld hätte aber eindeutig der Monegasse gehabt.

Safetycar bringt nochmal Spannung

Im letzten Rennviertel brachte eine Safetycar-Phase dann wenigstens nochmal ein bisschen Spannung, weil das Feld wieder komplett zusammengeschoben wurde. Erst griff Ricciardo Verstappen an, scheiterte aber knapp und musste sich in der nächsten Kurve seinerseits der Attacke von Racing-Point-Pilot Sergio Perez erwehren - letztlich blieb aber alles wie gehabt.

Beeindruckend blieb die Vorstellung von Hülkenberg, der von Startplatz 20 aus sage und schreibe zwölf Plätze gutmachte und einmal mehr zeigte, dass er für 2021 wieder ein Stamm-Cockpit in der Königsklasse verdient hätte. Vettel, der seinen Platz im nächsten Jahr bei Racing Point/Aston Martin sicher hat, verpasste hingegen als Elfter erneut die Punkte.

Stand: 11.10.2020, 15:54

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