Formel 1 - Hamilton siegt nach Reifen-Krimi

Lewis Hamilton in Monaco

Großer Preis von Monaco

Formel 1 - Hamilton siegt nach Reifen-Krimi

Von Christian Hornung

Lewis Hamilton war beim Großen Preis der Formel 1 in Monaco phasenweise der Verzweiflung nahe, schimpfte mehrfach mit seinem Mercedes-Team über die Reifenstrategie - doch am Ende gewann er auch dieses Rennen. Sebastian Vettel zeigte sich stark verbessert.

Hamilton hatte am Sonntag (26.05.2019) bereits in der 50. von 78 Runden auf dem spektakulären Stadtkurs im Fürstentum Alarm gefunkt: "Der linke Vorderreifen ist tot!" Sein Renningenieur konterte kühl: "Bleib draußen, solange es geht. Wir kommen jetzt nicht rein." Neun Runden nörgelte er weiter, rief dann fast verzweifelt klingend: "Ich weiß nicht, wie ihr euch das vorstellt. Wir brauchen ein Wunder."

Bitteres Rennen für schnellen Verstappen

Das trat ein: Die Medium-Reifen hielten entgegen der Annahme von Hamilton bis zum Ziel, der Brite baute mit seinem vierten Saisonsieg seine Führung in der Gesamtwertung aus. Rang zwei ging an Vettel, der ebenso wie der drittplatzierte Valtteri Bottas von einer Strafe gegen Max Verstappen profitierte - der Niederländer kam zwar als Zweiter ins Ziel, wurde aber als Vierter gewertet.

Formel 1 in Monaco - Hamilton siegt vor Vettel

Sportschau 26.05.2019 01:02 Min. Verfügbar bis 26.05.2020 ARD

Mercedes-Rennsportchef Toto Wolff rief in seiner ersten Reaktion über Funk Hamilton zu: "Unglaublicher Job, Lewis. Dieser Sieg ist für Niki." Das ganze Rennwochenende in Monaco hatte im Zeichen des Todes von Formel-1-Legende Niki Lauda gestanden, der zuletzt Vorstands-Boss im Mercedes-Team war.

"Mit Niki im Geiste"

Hamilton sagte kurz nach dem Ziel: "Es war vielleicht das härteste Rennen meiner Karriere. Ich habe einfach nur versucht, mit Niki im Geiste konzentriert zu bleiben und zu kämpfen, um Niki stolz zu machen. Das Auto hat sehr untersteuert, wir hatten offensichtlich den falschen Reifen drauf - aber das Team hat trotzdem einen großartigen Job gemacht."

Vettel freute sich über den Rennausgang: "Es war kein leichtes Wochenende, aber ich habe schon gesehen, dass ich von dem Boxenmanöver zwischen Bottas und Verstappen profitieren könnte. Das Ergebnis ist gut für mich - ich denke, Niki wäre heute glücklich für uns alle." Bottas ärgerte sich: "Es war sehr enttäuschend. Bei dem Boxenstopp mit Verstappen habe ich mir einen Plattfuß geholt und konnte dann nicht mehr viel gutmachen."

Starker Start der Mercedes-Fahrer

Vom Start weg hatten zunächst die beiden WM-Führenden ihre Überlegenheit demonstriert. Hamilton ließ Bottas keine Chance zum Überholen, der Finne musste sich kurz gegen den von hinten heranrauschenden Verstappen wehren, behielt aber die Oberhand.

Den einzigen Platzgewinn im Vorderfeld schaffte der Australier Daniel Ricciardo, der seinen Renault am Haas von Kevin Magnussen vorbei auf Rang fünf steuerte, am Ende aber weit zurückfiel.

Leclerc-Desaster endet vorzeitig

Für Charles Leclerc blieben die Top Ten ein Traum. Nach dem vom eigenen Ferrari-Team komplett vermasselten Qualifying (man hielt seine Zeit für gut genug, ließ ihn zu lange in der Box - und zahlreiche Konkurrenten zogen vorbei) griff der aufstrebende Monegasse voll an, machte von Rang 15 aus drei Plätze gut, unter anderem mit einem knallharten Manöver gegen Romain Grosjean im Haas. Doch als er bei seinem nächsten riskanten Angriff auf Renault-Pilot Nico Hülkenberg traf, drehte er sich nach einer Berührung, holte sich einen Plattfuß und wurde auf dem Rückweg in die Box bis auf den letzten Rang durchgereicht.

Da der zerfetzte Reifen Teile aus dem Ferrari-Chassis herausschlug, musste das Safety Car auf die Strecke - mit Folgen für das Spitzenfeld, das kollektiv den ersten Boxenstopp einlegte: Bottas brauchte einen Tick länger für seinen Reifenwechsel als Verstappen und verlor in der Boxengasse seinen zweiten Platz an den Niederländer. Kurz danach fuhr auch noch Vettel am Finnen vorbei, der einen weiteren Stopp einlegte, um einen Schaden nach der leichten Berührung mit Verstappen überprüfen zu lassen. Leclerc kam zwar nochmal auf die Strecke zurück, musste aber in der 18. Runde völlig entnervt sein am Unterboden beschädigtes Auto in die Garage fahren.

Fünf-Sekunden-Strafe für Verstappen

Auch für Verstappen gab es schlechte Nachrichten: Als er gerade ordentlich Druck auf Hamilton machte, bekam er in der 22. Runde eine Fünf-Sekunden-Strafe aufgebrummt: Die Jury hatte sich sein Manöver in der Box gegen Bottas lange angeschaut und schließlich entschieden, dass ihn sein Red-Bull-Team zu früh zurück auf die Straße gelassen hatte: Unsafe Release.

Verstappen kämpfte aber weiter gegen den unermüdlich über seine Reifen schimpfenden Hamilton, blieb fast ständig im Sekunden-Fenster, versuchte in der vorletzten Runde auch eine wilde Attacke mit leichter Berührung, kam aber einfach nicht vorbei. Da sich dahinter auch Vettel und Bottas nicht abschütteln ließen, konnte der Niederländer die wegen der Strafe benötigten fünf Sekunden Puffer nicht zwischen sich und die Verfolger bringen - und musste sich somit die Siegerehrung von unten anschauen.

Thema in: Sportschau, Das Erste, Sonntag, 26.05.19, 18 Uhr

Stand: 26.05.2019, 16:54

Darstellung: