Vertragspoker mit Mercedes - Wie geht es weiter mit Lewis Hamilton?

Hamilton (li.) und Teammanager Toto Wolff

Formel 1

Vertragspoker mit Mercedes - Wie geht es weiter mit Lewis Hamilton?

Von Andreas Troll

Was macht Lewis Hamilton? Die Vertragsgespräche mit Mercedes ziehen sich hin, angeblich auch, weil es um rund 45 Millionen Euro Jahresgehalt geht. Das Szenario eines Formel-1-Abschieds gilt trotz allem als unwahrscheinlich. Aber es ist nicht mehr undenkbar.

In der Formel 1 ist Mitte Januar üblicherweise die Zeit, zu der die neuen Autos vorgestellt werden, die Teamchefs dabei ihre Ziele und Wünsche abstecken. Und die Fahrer vor allem frisch und fit wirken. Das wird es dieses Jahr so nicht geben. Das lässt die Pandemie nicht zu. Das wird fehlen.

Vor allem aber fehlt der Serie die Verpflichtung von Lewis Hamilton, dessen Vertrag bei Mercedes zum Ende der vergangenen Saison ausgelaufen ist. Ein neuer wird noch verhandelt. Seit einer ganzen Weile. Der Plan sah vor, noch vor Saisonende eine Lösung zu finden. Dann kam die Corona-Erkrankung des Weltmeisters dazwischen.

Hat Hamilton genug von der Formel 1?

Weil die Bestätigung seiner Teilnahme an der kommenden Saison noch immer fehlt, stellen sich einige Fragen. Hat Sir Lewis Hamilton genug von der Formel 1?

Anfang Januar feierte der Brite seinen 36. Geburtstag. Auf Instagram, wo ihm 21,5 Millionen Menschen folgen, meldete er sich tags darauf, bedankte sich für die zahlreichen Geburtstagsgrüße und wünschte seinerseits Liebe und Friede, das Ende der Pandemie und Gleichheit für alle. Zu seiner beruflichen Situation: nichts.

Seit 2007 in der Königsklasse des Motorsports

Seit 2007 startet Hamilton in der Königsklasse. In seiner Karriere gewann er 95 F1-Rennen und sieben Weltmeistertitel. Er ist ein wichtiger Teil der Geschichte dieses Sports, und er kennt sich in dieser Geschichte aus.

Als er vergangene Saison in der Eifel den Rekord von 91 Grand-Prix-Siegen von Michael Schumacher einstellt, bekommt er von dessen Sohn Mick einen Helm seines Vaters überreicht. Ein sichtlich bewegender Moment für ihn. "Mir fehlen die Worte. Ich brauche etwas Zeit, bis ich das realisiert habe", sagte Hamilton. Das wird inzwischen der Fall sein. Er hat seitdem nochmal vier Rennsiege draufgepackt und ist mit WM-Titel Nummer sieben gleichgezogen mit Rekord-Weltmeister Schumacher.

2021 winkt WM-Titel Nummer acht

In diesem Jahr kann Hamilton also eine neue Bestmarke aufstellen. Der achte WM-Titel dürfte angesichts der Stärke des Mercedes Formsache sein. Und das allein sollte Motivation genug sein für den Briten.

Der hat zwar durchaus Beschäftigung in anderen Feldern gefunden - Mode, Musik, Lebensart und auch Politik - weiß aber auch um die Kontinuität in seinem Team. Während bei den Gegnern oftmals Neusausrichtungen anstehen, Fahrerwechsel und Aufholarbeit, konzentriert sich Mercedes auf das, was sie können: Rennsiege.

Lewis Hamilton: Der Beginn einer neuen Einzigartigkeit Sportschau 29.10.2020 05:45 Min. Verfügbar bis 29.10.2021 Das Erste

Weil der große Umschwung im Regelwerk erst 2022 ansteht, wird es 2021 kaum schwieriger werden für Hamilton, seinen Titel zu verteidigen. Zumal er von seiner eigenen Stärke überzeugt ist. Die Frage, ob auch Glück bei einem Sieg eine Rolle gespielt hat, beantwortete Hamilton so: "Mir gefällt das Wort Glück nicht. Das passt nicht in meine Welt. Ich erledige den Job. Das hat nichts mit Glück zu tun. Das ist Können!"

Hat Hamilton genug von Mercedes?

Nach seinem siebten Titelgewinn Anfang Dezember kam er nicht umhin, auch über das Alter zu sprechen. "Mit 40 Jahren werde ich nicht mehr hier sein, aber ich bin erst 35. Ich fühle mich jung und frisch."

Nur warum sollte Hamilton jetzt zu einem anderen Team wechseln? Kein anderes Team war je so erfolgreich wie das Mercedes-AMG Petronas F1 Team. Dort konnte er reifen. Nicht unter strenger Führung, wie bei Ron Dennis, seinem frühen Förderer bei McLaren. Sondern als Nachfolger von Michael Schumacher bei Mercedes mit Toto Wolff und Niki Lauda. Dort wurde er von einer Diva zur Integrationsfigur, einem meinungsstarken Menschen. Und zum Rekordhalter. Erfolg hat durchaus Suchtpotenzial. Schon das spricht für einen Verbleib.

Will Mercedes einen anderen Fahrer?

"Lewis ist einer der grössten Rennfahrer aller Zeiten und der erfolgreichste britische Sportler seiner Generation", sagt Wolff über seinen Star im Team. Hamilton ist auf der Höhe seiner Zeit. 2020 gewann er elf von 17 Rennen, landete insgesamt vierzehn Mal auf dem Podium. Zehn Mal stand er auf der Pole Position. Da bleibt wenig Raum für Kritik.

Welch enge Beziehung das Team und der Fahrer haben, zeigt die Lackierung des Silberpfeils im vergangenen Jahr. In Anlehnung an die von Hamilton unterstützte Bewegung "Black Lives Matter" ging Mercedes in Schwarz an den Start - und nicht im gewohnten Silber.

Wolff macht noch ein Jahr als Teamchef

Wolff selbst hat die Fortführung seiner Tätigkeit als Teamchef für diese Saison bestätigt. Danach sucht er eine übergeordnete Rolle, möglicherweise auch in Verbindung mit dem neuen Aston-Martin-Team, bei dem Sebastian Vettel unter Vertrag steht.

Lewis Hamilton hat dies für sich ebenso schon angemerkt. Dieses Suchen einer adäquaten Rolle in der Zukunft mag Zeit beanspruchen, möglicherweise auch das Abstecken der Inhalte.

Hamilton vereinnahmt die Formel 1 für sich

In seiner Position als Aktivist ist Hamilton in der Formel 1 allumfassend vorgegangen. Ohne groß zu fragen, hat er seine Fahrerkollegen und die gesamte Serie mitgenommen. Er ist omnipräsent. Er ist das Aushängeschild der Serie.

Hamilton wirkt, als mache er das alles nebenbei. Wie selbstverständlich. Vertragsverhandlungen aber, bei denen Summen von 45 Millionen Euro Jahresgehalt kolpoltiert werden, kann man nicht mal eben nebenbei führen. Von keiner Seite aus. Das braucht Zeit und den richtigen Zeitpunkt.

Wegen der weltweiten Pandemie fällt der Saisonauftakt in Melbourne Mitte März schon mal aus. Sowas bringt Zeit. Auch für Hamilton.

Formel 1 - Hamiltons Doppelstrafe beschert Bottas den Sieg Sportschau 27.09.2020 04:03 Min. Verfügbar bis 27.09.2021 Das Erste

Stand: 15.01.2021, 08:44

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