Formel 1 - Die letzten Runden am Hockenheimring

Der Hockenheimring

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Formel 1 - Die letzten Runden am Hockenheimring

Wahrscheinlich zum letzten Mal macht die Formel 1 am Hockenheimring Station. Denn die Rennserie setzt auf Rendite statt Tradition. Deutschland kann und will nicht mitbieten.

In den Zeiten von "Schumania" musste sich Michael Schumacher in Hockenheim schon mal eine Perücke aufsetzen oder im Kofferraum eines Wagens Platz nehmen. Nur inkognito konnte sich der Formel-1-Lokalheld vorbei an den stürmischen Fans beim Grand Prix von Deutschland seinen Weg bahnen.

Mitte der 90er Jahre war das, als "Schumi" einen einzigartigen Formel-1-Boom in Deutschland auslöste und den Traditionskurs in Nordbaden direkt an der A6 zum Motorsport-Mekka machte.

Zeitreise zum Abschied

Die Zeiten haben sich geändert. Der siebenmalige Weltmeister und Rekordchampion Schumacher fährt schon lange nicht mehr. Die Gänsehautstimmung ist weitgehend verschwunden. Und der Hockenheimring kämpft um seine Daseinsberechtigung im Rennkalender der Königsklasse des Motorsports. Am vielleicht letzten Formel-1-Wochenende in Hockenheim unternehmen die Veranstalter jedoch nochmal eine Zeitreise.

Michael Schumachers Sohn Mick soll das Rahmenprogramm mit Demorunden aufpolieren. Der Ferrari-Zögling und Formel-2-Pilot wird sich vor der Qualifikation am Samstag (27.07.2019, 13.05 Uhr) und vor dem Rennen am Sonntag (12.45 Uhr) ans Steuer des F2004 der Scuderia setzen. Es ist jener rote Renner, mit dem sein Papa 2004 seinen letzten von bisher unerreichten sieben WM-Titeln errang. Vergangenheit trifft Zukunft.

Das vorerst letzte Formel-1-Rennen am Hockenheimring? Morgenmagazin 26.07.2019 01:43 Min. Verfügbar bis 26.07.2020 Das Erste

Grand Prix mit Nostalgiecharakter

"Der F2004 ist ein Symbol für die großartigen Zeiten der Formel 1 in Deutschland und ich kann mir vorstellen, dass sich einige der Zuschauer in diese Zeiten zurückversetzt fühlen werden", meinte der 20-Jährige im Vorfeld des elften Grand Prix der Saison. "Ich werde mein Bestes tun, um diese guten Erinnerungen wieder zu entfachen und werde versuchen, dass jeder eine tolle Zeit hat."

Seite an Seite in Hockenheim: Der Ring und die Autobahn

Seite an Seite in Hockenheim: Der Ring und die Autobahn

Nostalgie ist ein nicht zu unterschätzendes Gut in der Formel 1. Mick Schumacher durfte schließlich schon als 18-Jähriger den Benetton Ford B194-5 seines Vaters auf dem Circuit de Spa-Francorchamps ausfahren. Im Sommer 2017 war das, als sich der erste Formel-1-Sieg seines Vaters zum 25. Mal jährte.

Es droht der Totalschaden

Umso bedauerlicher, dass der Formel 1 in Deutschland im nächsten Jahr ein Totalschaden droht. Die Betreiber des Hockenheimrings haben keine große Hoffnung auf einen Grand Prix auf heimischem Boden im kommenden Jahr. Mit dem US-Besitzer der Königsklasse des Motorsports, Liberty Media, rede man zwar "permanent über die Zukunft, aber noch nicht von einem Vertrag", sagte Hockenheimring-Geschäftsführer Georg Seiler .

Auch andere Traditionsstandorte wackeln. Neben Hockenheim gilt das auch für Barcelona oder Monza. Eine Formel 1 ohne Spanien, Italien und Deutschland? Länder mit eigener Autoindustrie, in denen früher auch schon zwei Rennen stattfanden. Stattdessen kreiseln die teuren Flitzer nun in Sotschi und Baku, in Bahrain und Abu-Dhabi, Schanghai oder bald Hanoi.

Zandvoort kommt dazu

Oft Länder "mit wenig Motorsport-Geschichte, aber umso größerer Investitionsbereitschaft", wie das Nachrichtenmagazin "Spiegel" feststellt. Der Rennkalender 2020 soll wie in diesem Jahr 21 Grand Prix umfassen. Hanoi in Vietnam und Zandvoort in den Niederlanden kommen neu hinzu - dafür sollen Standorte weichen.

"Für 2020 sieht es aber so aus, dass es hier keinen deutschen Grand Prix gibt. Es sollen 21 Rennen bleiben, Hanoi und Zandvoort kommen hinzu, also müssen Veranstaltungen rausfallen. So wie es aussieht, gehören Barcelona und Mexiko zu den Kandidaten, wir auch", erklärt Seiler.

Zuschauerinteresse sinkt

Der Hockenheimring kann sich aufgrund gesunkenen Zuschauerinteresses die Antrittsgebühr nicht mehr leisten und hat zuletzt nur noch alle zwei Jahre den Grand Prix von Deutschland ausgerichtet. Für diese Saison erzielten die Betreiber erst spät eine Einigung mit den Formel-1-Machern, nachdem die geforderte Abgabe von angeblich mehr als 21 Millionen Euro deutlich gesenkt worden war. Mitentscheidend war zudem die Bereitschaft von Autobauer Mercedes, als Titelsponsor des Grand Prix aufzutreten.

"Dass Mercedes den Geldbeutel aufmacht, ist natürlich schön", sagte damals Ferrari-Star Sebastian Vettel und hofft weiter auf einen Heimsieg. Im vergangenen Jahr war der Heppenheimer kurz davor - krachte dann nach einem Fahrfehler in Führung liegend 15 Runden vor Schluss in die Streckenbegrenzung. Den einzigen Formel-1-Sieg in Deutschland feierte Vettel 2013 auf dem Nürburgring beim letzten Rennen dort.

Nur Lippenbekenntnisse

"Wenn es um eine langfristige Zukunft geht, muss unser Sport seine historischen Veranstaltungsorte erhalten", sagte Formel-1-Geschäftsführer Chase Carey noch vor zwei Wochen, als der Vertrag von Silverstone bis mindestens Ende 2024 verlängert wurde.

Für Deutschland ist das nicht mehr als eine lose Absichtsbekundung. Am südlichen Ortsausgang von Hockenheim verabschiedet ein Schild die Besucher: "Auf Wiedersehen in der Rennstadt Hockenheim". Es könnte nun sein, dass die Formel 1 nie mehr wiederkommt.

dpa/red | Stand: 25.07.2019, 13:21

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