Analyse - Mercedes-Stratege James Vowles macht den Unterschied

James Vowles

Formel 1 in Ungarn

Analyse - Mercedes-Stratege James Vowles macht den Unterschied

Von Christian Hornung

Oft macht das Auto in der Formel 1 den Unterschied, oft auch der Fahrer. Beim Großen Preis von Ungarn war es aber der Chefstratege, der Mercedes den Sieg brachte.

Helmut Marko redete nicht lange drumherum. Warum Red Bull den sicher geglaubten Sieg in Ungarn vier Runden vor Schluss noch aus der Hand gegeben hatte? Der Motorsportchef gab zu: "Weil wir nicht die optimale Strategie gewählt haben. Wir haben unterschätzt, wie schnell der Reifen am Ende abgenutzt war, daraus müssen wir sicher lernen."

20 Sekunden Rückstand in Kauf genommen

Das Lernbeispiel trägt den Namen James Vowles. Das Taktikhirn im Mercedes-Rennstall hatte 21 Runden vor Schluss den rennentscheidenden Einfall: Trotz nur einer Sekunde Rückstand von Lewis Hamilton auf Max Verstappen holten die Silbernen den Zweitplatzierten an die Box und nahmen zu diesem Zeitpunkt mehr als 20 Sekunden Rückstand in Kauf.

Zunächst sah das aus Red-Bull-Sicht nicht allzu bedrohlich aus: Selbst wenn man pro Runde eine Sekunde hergeben würde, müsste Hamilton den stets aggressiven Verstappen auch noch überholen - wonach es nach dem Rennverlauf bis dahin nicht aussah. Der erste Verdacht: Hamilton will sich auf frischen Reifen auf jeden Fall den Zusatzzähler für die schnellste Rennrunde sichern. Aber weit gefehlt.

"Lewis war nicht überzeugt"

Zugegeben: Das Risiko dieser Entscheidung war überschaubar, denn von hinten drohte angesichts der peinlich langsamen Pace von Ferrari keine Gefahr. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff erklärte später: "Platz zwei hatten wir aus unserer Sicht ohnehin sicher. Es ging also nur darum: Wir enden als Zweiter, oder wir riskieren es. Lewis war nicht überzeugt, aber wir haben ihm gesagt: Es geht sich auf jeden Fall aus."

Und es ging sich aus - am Ende sogar erstaunlich problemlos. Verstappens Reifen quittierten vorzeitig den Dienst, der Niederländer konnte nicht mal mehr Kampflinie fahren, als Hamilton in der 67. von 70 Runden heranrauschte und sich den Holländer mühelos zurechtlegte. Der Fünffach- und nun ziemlich sicher baldige Sechsfach-Weltmeister sagte anschließend: "Ich bin so dankbar für diesen Tag, für dieses Auto - und für diese Strategie."

Ferrari will sich Gedanken machen

Die bevorstehende Sommerpause kann Hamilton nun deutlich entspannter genießen. Hätte Verstappen nach seinem Triumph in Hockenheim gleich den nächsten Sieg eingefahren, wäre es im WM-Kampf vielleicht tatsächlich noch einmal spannend geworden. Aber während sich der Dämpfer für Red Bull mit Rang zwei und der am Ende auf frischen Reifen doch noch schnellsten Rennrunde in Grenzen hielt, muss man sich bei Ferrari am besten komplett neu erfinden.

Hamilton ist Ungarns neuer Rekord-Sieger

Sportschau 04.08.2019 01:22 Min. Verfügbar bis 04.08.2020 ARD Von ARD-Reporter Volker Hirth

Sebastian Vettel wollte sich dann von Platz drei auch keinesfalls trösten lassen und räumte ein: "Das Podium reicht nicht, um es Happy End zu nennen. Wir haben heute eins auf die Mütze bekommen, es ist bitter, wenn so viel fehlt im Rennen. Wir alle brauchen jetzt diese Sommerpause, um unsere Batterien aufzuladen. Wir müssen uns aber auch Gedanken machen." Sicher über ein besseres Auto. Aber auch über eine bessere Strategie.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, Sonntag, 04.08.19, 22.50 Uhr

Stand: 04.08.2019, 18:16

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