Formel 1 - alle Augen auf Leclerc und Vettel und aufs Wetter

Charles Leclerc (l.) und Sebastian Vettel

Großer Preis von Japan

Formel 1 - alle Augen auf Leclerc und Vettel und aufs Wetter

Von Christian Hornung

Mit einem Sieg in Suzuka am Sonntagmorgen (13.10.2019/7.10 Uhr/live-ticker bei sportschau.de) wäre Lewis Hamilton sein sechster WM-Titel in der Formel 1 praktisch nicht mehr zu nehmen. Doch alle Augen sind auf die Streithähne Charles Leclerc und Sebastian Vettel gerichtet - und auf die spannende Frage, wie Ferrari dieses hochexplosive Duell diesmal managt. Sorgen macht erin herannahender Taifun.

Schlechter als in Sotschi geht es nicht: Ferrari hatte das beste Auto, die beste Pace, den besten Start, die besten Aussichten auf einen Doppelsieg. Doch der ging an Mercedes. Die Roten brachten nur Leclerc ins Ziel, und das auch nur auf Platz drei.

Desaster mit Anlauf

Vorausgegangen war eine "Funk-Farce" zwischen Vettel, Leclerc und den Rennstrategen, die tief in das Seelenleben aller Beteiligten blicken ließ. Beide Fahrer beharrten stur und vehement auf ihrer ganz persönlichen Siegchance. Ferrari beharrte auf einer vor dem Rennen getroffenen Absprache, die einen zweifachen Platztausch beeinhaltete - der nach dem Rennverlauf aber ins Reich Absurdistan gehört hätte: Vettel wurde schließlich ein viereinhalb Sekunden großer Vorsprung genommen, um Leclerc wieder nach vorn zu lotsen, am Ende lachten sich die Silberpfeile schlapp. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff durfte unwidersprochen und süffisant bilanzieren: "Um in der Formel 1 Rennen zu gewinnen, muss man nicht immer das beste Auto haben."

Das Sotschi-Desaster für die Roten hatte allerdings auch einen längeren Anlauf. In Monza hatte Leclerc dem Deutschen im Qualifying den Windschatten verweigert, um seine eigene Pole zu retten. In Singapur manövrierte Vettel den Monegassen taktisch aus und nutzte dabei den Strategievorteil eines frühen Boxenstopps eiskalt. Dass dieser Vorteil Vettel überhaupt gewährt wurde, erzürnte Leclerc maßlos.

Keine klare Nummer eins

Was macht Ferrari jetzt in Suzuka? Eine klare Nummer eins benennen? Bislang nicht. Von Teamchef Mattia Binotto steht der Satz: "Es ist Luxus. Wir haben zwei fantastische Fahrer." Trotzdem gab es Redebedarf, von dem alle Beteiligten angeblich Gebrauch gemacht haben. Ferrari sah sich anschließend sogar zu einer Pressemitteilung genötigt, dass tatsächlich gesprochen wurde. Der Verlauf sei "positiv und konstruktiv" gewesen, ließen die Roten die Welt wissen.

Was das jetzt konkret für Suzuka bedeutet, wird spannend zu beobachten sein. Freie Fahrt für beide? Jeder für sich allein? Gegenseitige Hilfe im Qualifying? Und soll der Trainingsschnellste dann auch wieder im Rennen künstlich zum Sieg gelotst werden? Und vor allem: Was soll der ganze Zirkus eigentlich?

Es geht schon um die Zukunft

Weder Leclerc noch Vettel werden in dieser Saison Weltmeister. Und so, wie der Rennstall derzeit agiert, wird auch keiner von beiden Zweiter - vielleicht nicht mal Dritter, was angesichts der Kraft des Ferrari-Motors im letzten Saisondrittel ein Witz wäre.

Es geht also offenbar jetzt schon um die Zukunft, um die Ausrichtung für die kommende Saison - um den Nummer-Eins-Status für 2020. Und da kommt Binotto mit seiner Schwärmerei für "zwei fantastische Fahrer" ganz sicher nicht weiter.

Qualifying wegen Taifun in Gefahr

Sorgen bereitet dem Formel-1-Tross das Wetter. Die Piloten stellen sich angesichts des nahenden Supertaifuns "Hagibis" auf eine mögliche Absage des Qualifyings am Samstag ein. "Die Sicherheit hat oberste Priorität, nicht nur für uns, sondern auch für die Zuschauer, die an die Strecke reisen", sagte Vettel: "Ich denke nicht, dass es so gemütlich ist, wenn man bei dem angekündigten Wind und im strömenden Regen auf den Tribünen sitzt." Es liege in der Verantwortung der Veranstalter, früh genug eine Entscheidung zu treffen: "Aktuell schaut es so aus, als wäre Samstag der ungemütlichste Tag. Ich denke, nach dem morgigen Tag wissen wir konkreter Bescheid." Leclerc meinte, es werde "schwierig, wenn nicht sogar unmöglich", wie geplant zu fahren.

Der Monstersturm soll am Samstag auf die japanische Hauptinsel Honshu treffen, es wird mit Starkregen und gefährlichen Windstärken gerechnet. Eine Verlegung der Zeitenjagd auf Sonntagmorgen wäre keine Premiere, in Suzuka wurde diese Maßnahme bereits 2004 und 2010 getroffen. Einschränkungen für das Rennen am Sonntag soll es offenbar nicht geben. Ein unnötiges Risiko werden die Verantwortlichen in jedem Fall vermeiden wollen. 2014 verunglückte der Franzose Jules Bianchi beim Regenrennen in Suzuka schwer und erlag im Juli 2015 seinen Verletzungen. Der Automobil-Weltverband FIA und die Veranstalter beobachten die Entwicklung des Unwetters genau. Man unternehme alle Anstrengungen, um die Auswirkungen auf den Zeitplan so gering wie möglich zu halten. "Die Sicherheit der Fans, der Fahrer und aller entlang der Strecke hat aber oberste Priorität", teilte die FIA mit.

Thema in Sport aktuell, Deutschlandfunk, 08.09.19, 22.50 Uhr

Stand: 08.10.2019, 20:16

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