Formel 1 - Verstappen siegt im Krimi von Spielberg

Max Verstappen

Großer Preis von Österreich

Formel 1 - Verstappen siegt im Krimi von Spielberg

Von Christian Hornung

Endlich mal wieder ein grandioses Formel-1-Rennen: Mit einer harten Attacke drei Runden vor dem Rennende hat Max Verstappen (Red Bull) beim Großen Preis von Österreich Charles Leclerc im Ferrari doch noch den Sieg abgejagt. Dahinter folgten Valtteri Bottas im Mercedes, Sebastian Vettel (Ferrari) und Lewis Hamilton (Mercedes).

Lange Zeit hatte Leclerc am Sonntag (30.06.2019) wie der sichere Sieger ausgesehen. Doch am Ende wurde der Niederländer immer schneller und druckvoller und zog schließlich unter dem Jubel der niederländischen Fans in Spielberg mit einem sehr harten, aber so gerade noch regelgerechten Manöver vorbei. Auch den Extrapunkt für die schnellste Rennrunde sicherte sich der 21-Jährige, der nach dem Rennen aber noch mehrere Stunden um den Sieg bangen musste - bis die Jury schließlich für ihn entschied.

Verstappen vermasselt den Start

Dabei war Vorjahressieger Verstappen zunächst der große Verlierer des Starts gewesen. Er blieb in seinem Red Bull beinahe stehen, fiel von Rang zwei auf sieben zurück - und damit sogar noch hinter Sebastian Vettel, der gleich in den ersten Kurven von Platz neun auf sechs vorfuhr.

"Da dachte ich schon, dass das Rennen für mich vorbei ist", gab Verstappen nach der Zielflagge zu. "Danach ist es aber noch super gelaufen, Wahnsinn, was mein Team hier geleistet hat." Zum harten Überholmanöver gegen Leclerc meinte er nur ganz cool: "Dafür sind wir nun mal in der Formel 1."

Leclerc beschwert sich

Leclerc sah das deutlich anders: "Da warte ich die Entscheidung der Rennleitung ab, es hat doch jeder gesehen, was da los war. Ich war auf der Innenbahn und wurde von der Strecke gedrängt. Ansonsten war es aber ein tolles Rennen für mich." Danach ließ er ziemlich genervt die Siegerehrung über sich ergehen.

Lando Norris, der im McLaren ein starkes Qualifying hingelegt hatte, fuhr zunächst sogar bis auf Rang drei durch, musste dann aber früh Hamilton und Kimi Räikkönen im Alfa Romeo vorbeilassen. Auch Vettel und Verstappen brauchten nicht lange, um den vielversprechenden Rookie in die Schranken zu weisen, der aber am Ende hervorragender Sechster wurde.

Vettels schlimmer Boxenstopp

Vettel hatte nach seinem Defekt in der dritten Qualifying-Session vom Vortag angekündigt, sich möglichst schnell die langsameren Autos vor ihm zu schnappen, was ihm auch gelang: Schon in der sechsten Runde zog er auch an Räikkönen vorbei und war damit bereits Vierter. Danach war mit der Aufholjagd aber erstmal Schluss: Hamilton und Bottas hatten schon einen ordentlichen Vorsprung herausgefahren, an der Spitze sammelte Polesetter Leclerc einsam seine Führungsrunden.

Sollte Vettel noch die Spitze im Auge gehabt haben, machte ihm in Runde 22 seine Boxencrew alles zunichte. Als Bottas zum ersten Reifenwechsel kam, wollte Ferrari schnell reagieren. Der Deutsche bog ebenfalls in die Boxengasse ab - doch seine Mechaniker hatten die Reifen nicht parat.

"Da hatten wir ein Kommunikationsproblem"

Satte vier Sekunden verschenkte Vettel mit diesem völlig vermasselten Stopp und geriet durch 6,2 Sekunden Standzeit wieder ins Hintertreffen - die Fortsetzung der Pleiten-Pech-und-Pannen-Show von Ferrari in den vergangenen anderthalb Jahren. Ferrari erklärte hinterher, die Mechaniker hätten eine Funkansage nicht gehört - ein nicht zu entschuldigender Patzer.

Vettel sagte anschließend: "Ich ärgere mich immer noch über meine schlechte Startposition, weil heute mehr möglich gewesen wäre. Grundlegend war das Rennen okay, aber es darf natürlich nicht passieren, dass dann bei einem Stopp die Reifen nicht da sind, da hatten wir ein Kommunikationsproblem."

Neue Nase für Hamilton

Der Ferrari-Aussetzer war umso bitterer, als Vettel kurz danach mit einer schnellsten Rennrunde zeigte, was an diesem Tag möglich gewesen wäre. Zumal auch Hamilton patzte und sich bei einem kleinen Ausflug neben die Strecke den Frontflügel ruinierte. Beim folgenden Boxenstopp musste er sich eine neue Nase holen und fiel dadurch sogar hinter Vettel zurück.

Damit kam der Deutsche hinter Leclerc und Bottas doch noch einmal auf den dritten Rang, doch ab der 45. Runde machte Verstappen enormen Druck auf ihn. Das Duell hielt die Fans voll in Atem und sehr zur Freude der riesigen Oranje-Fraktion auf den Rängen in Spielberg zog der Niederländer nach mehreren vergeblichen Attacken in der 50. Runde schließlich vorbei.

Tolles Racing am Ende

Kurz danach war dann auch Bottas nur ein Statist gegen die Verstappen-Attacke, der mit hohem Geschwindigkeitsüberschuss auf Platz zwei raste. Fünf Sekunden musste der Niderländer dann noch auf Leclerc aufholen, und dazu brauchte er nur vier Runden.

In der drittletzten Runde zog Verstappen dann mit einem knallharten Manöver samt Berührung vorbei. Leclerc fluchte über Boxenfunk, weil er nicht ganz zu Unrecht meinte, dass ihm Verstappen keinen Platz in der Kurve gelassen und ihn von der Strecke gedrängt habe.

Rennkommissare entschieden für Verstappen

Die Jury schritt zunächst nicht ein, es erfolgte die normale Zeremonie bei der Siegerehrung. Anschließend nahmen sich die Kommissare aber gut drei Stunden Zeit, um den Vorfall zu analysieren und beide Fahrer anzuhören. Dann kam die erlösende Nachricht für Verstappen und Red Bull: Die Berührung wurde vollkommen zu Recht als normales Racing gewertet - der Sieg des Niederländers hatte Bestand.

Verstappen bleibt Sieger

Sportschau 01.07.2019 00:38 Min. Verfügbar bis 01.07.2020 Das Erste

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, Sport am Sonntag, 30.06.2019, ab 22.50 Uhr

red/dpa | Stand: 30.06.2019, 19:59

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