Analyse - Wo die Formel 1 doch noch spannend ist

Formel 1-Fahrer Charles Leclerc (links) in seinem Ferrari und Lewis Hamilton im Mercedes

Nach dem Großen Preis von Österreich

Analyse - Wo die Formel 1 doch noch spannend ist

Von Christian Hornung

Im Kampf um den Weltmeistertitel in der Formel 1 sieht es trotz seines schwachen Österreich-Rennens immer noch komfortabel für Lewis Hamilton aus. Trotzdem herrscht noch jede Menge Spannung, und es wackeln einige Cockpits - eine Analyse.

Schnappt sich Leclerc noch Vettel?

Der Ferrari-Rookie im Duell mit dem Vierfach-Weltmeister - das kann noch eng werden. Nach dem zweiten Platz des Monegassen in Spielberg trennen ihn nur noch 18 Punkte von Sebastian Vettel - die Wachablösung kann also innerhalb eines einzigen Rennens erfolgen. Umso bitterer für den Deutschen, dass auch das Österreich-Rennen wieder den Eindruck verstärkte, das entweder er selbst oder ihn diesem Fall sein Team nicht das Optimum aus ihren Möglichkeiten herausholen.

Kommt jetzt Verstappens Großangriff?

Auch wenn das Manöver zum Sieg hart war - die Pace, die Max Verstappen in Österreich auf die Straße brachte, war in jedem Fall beeindruckend. Ob das nur an der traditionell auf die Red Bull zugeschnittenen Strecke in Spielberg liegt oder das Team wirklich einen großen Entwicklungsschritt in Richtung Augenhöhe mit Mercedes und Ferrari gemacht hat, werden die nächsten Rennen zeigen.

Was hat Bottas noch drauf?

Zu Saisonbeginn zeigte sich Valtteri Bottas angriffslustig - verbal und auf der Strecke. Es schien eine Zeitlang wirklich auf ein teaminternes Duell hinauszulaufen, ehe Lewis Hamilton zuletzt die Verhältnisse wieder geraderückte. Jetzt in Spielberg nutzte der Finne die Probleme von Hamilton und holte wieder etwas auf: 31 Punkte Rückstand sind zwar nicht wenig - aber durchaus noch im Bereich des Machbaren.

Fährt Gasly nur noch auf Abruf?

Während Verstappen seine Härte inzwischen mit Geduld und Übersicht paart und damit momentan das Optimum aus dem Red Bull herausholt, läuft für seinen Teamkollegen Pierre Gasly wenig - prompt verschärft Motorsport-Chef Helmut Marko die Tonlage. Gasly habe es nach einem schwachen Saisonstart zwar schwer gehabt und auch die Konkurrenz zu Verstappen sei sicher ein Problem. Aber: "Leistungen wie in Kanada oder Frankreich sind nicht zu akzeptieren", stellte Marko klar - da war der Franzose Achter und Zehnter geworden. Auch Platz sieben in Spielberg war kein Befreiungsschlag, sein Cockpit ist in Gefahr.

Ärgert Norris weiter die Großen?

Lando Norris ist eine der ganz positiven Neuerscheinungen dieser Formel-1-Saison: Der ehemalige Kart-Weltmeister und Formel-3-Champion ärgert mit seinen 19 Jahren schon die Großen, fuhr beim Start in Spielberg sogar mal kurz bis auf Rang drei vor. Beeindruckend, wie sich der Brite gegen die teilweise überlegenen Autos dann aber nicht durchreichen ließ, sondern seinen McLaren auf Platz sechs steuerte - auch in der WM-Wertung ist er völlig überraschend mit 22 Punkten Achter.

Wer siegt im Renault-Duell?

Zu den großen Enttäuschungen dieser Saison zählen die Renault, die nur noch teamintern einen spannenden Wettbewerb haben. Nico Hülkenberg musste in Spielberg kurz vor dem Ende noch Daniel Ricciardo (im Kampf um die Plätze zwölf und 13) vorbeilassen - in der WM-Wertung liegen die beiden mit nun 16 Zählern gleichauf. Reichen wird diese Performance dem französischen Rennstall kaum, Hülkenberg wird auch schon als möglicher Gasly-Nachfolger bei Red Bull gehandelt.

Holt Williams noch einen Punkt?

Die Williams sind in dieser Saison auch mangels eines konkurrenzfähigen Budgets nur noch der Begleitservice für den Rest des Feldes - und das einzige Team, das noch nicht einen Punkt verbuchen konnte. Während man vom 21-jährigen George Russel auch nicht viel erwarten konnte, hat Rückkehrer Robert Kubica in der Formel 1 schon deutlich rosigere Zeiten erlebt. In Österreich fuhr er als abgeschlagener Letzter phasenweise mehr als eine halbe Minute hinter dem Vorletzten her - einem Racer wie ihm dürfte das wenig Spaß machen.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, Sport am Sonntag, 30.06.2019, ab 19.10 Uhr

red/dpa | Stand: 30.06.2019, 17:54

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