Die Formel 1 in doppelter Gefahr

Vettels Ferrari mit großem Vorsprung

Nach dem Großen Preis von Belgien

Die Formel 1 in doppelter Gefahr

Von Jo Herold

Das an Entspannungsmomenten reiche Formel-1-Rennen von Spa-Francorchamps wirft einmal mehr die Frage auf: Wohin geht's mit der vermeintlichen Königsklasse des Motorsports? Denn neben der Langeweile droht der Rennserie auch der Verlust an Tradition.

"Langweilig!", ätzte Formel-1-Pilot Fernando Alonso jüngst gegen seine eigene Rennserie und kündigte seinen Abschied an. Ein Eindruck, der sich auch nach dem 2018er Grand Prix von Belgien wieder einmal aufdrängt.

Wer früher - zu Michael Schumachers Zeiten - Formel-1-Fan war, rümpft angesichts der heutigen Performance häufig nur mehr die Nase. Richtige Duelle sind selten geworden, oft genug kommen die beiden größten Rivalen um den Titel aus dem selben Rennstall.

GP nach fünf Kilometern entschieden

Doch das eigentliche Problem sind die Rennen. Abgesehen vom Startcrash passierte auf der Strecke in Spa so gut wie nichts. Der Fahrer mit der meisten Power unterm Hintern gewann: an den Vordermann ranfahren, Heckflügel flachstellen - vorbei. Gegenwehr sinnlos. Nachdem Sebastian Vettel genau dieses in der ersten Runde des Belgien-Rennens zeigte, war das Rennen nach noch nicht einmal fünf von 300 Kilometern entschieden.

Die Autos meistern dank ihrer immer ausgefeilteren Technik die größten Herausforderungen einer Strecke von selbst: Die legendäre Kurve "Eau Rouge", in vielen Jahren Rennsportgeschichte zur Mutkurve gewachsen, wird von den moderen F1-Autos regelrecht eigenständig durchfahren. Pinsel durchdrücken und bei Tempo 300 genießen, statt respektvoll in den Rennanzug schwitzen.

Nach Hockenheim und Nürburgring steht auch Monza auf der Kippe

So geraten die Rennen zu Langweilern erster Güte. Und nun droht auch noch ein weiteres traditionelles Motorsportland im Kalender wegzufallen, wodurch langsam auch das historische Flair der Formel 1 verloren gehen könnte: Nachdem Hockenheim und dem Nürburgring die Grand-Prix-Veranstaltungen zu teuer werden, sieht es auch danach aus, dass Monza 2018 zum letzten Mal den GP von Italien ausrichtet. Ausgerechnet Monza, der Schauplatz so vieler legendärer Motorsport- Ereignisse!

2021 steht Einschnitt bevor

2021 immerhin soll die Formel 1 dann komplett umgekrempelt werden. Bis dahin laufen alle Verträge aus. Billiger soll der Rennsport dann werden, die Autos wieder lauter und noch potenter. Die Ausgaben der Teams sollen begrenzt werden. Wie sich das mit den immer größer werdenden Herausforderungen einer nachhaltigeren und effizienteren Technik vereinbaren lässt, dazu scheint es noch keine wirklichen Ideen zu geben. Neue Hersteller sollen geworben werden - Porsche, Aston Martin, vielleicht auch VW.

Gut möglich aber, dass sich solche Global Player von einem Konzept locken lassen, das zunehmend Rennen in Wüstenstaaten vorsieht und in Ländern, in denen - zumindest bei einigen wenigen - Geld keine Rolle zu spielen scheint. In denen es noch potente Wachstumsmärkte gibt. Ob sich da der treue Motorsportfan wiederfindet? Oder der Visionär, der zwar Rennsport mag, aber auch die Notwendigkeit einer Modernisierung der Zeiten- und Geschwindigkeitsjagd erkennt?

Thema in: Sport am Morgen, Deutschlandfunk, 7.56 Uhr

Stand: 27.08.2018, 08:00

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