Sotschi - mit Vollgas am Eispalast vorbei

Lewis Hamilton in Sotschi

Großer Preis von Russland

Sotschi - mit Vollgas am Eispalast vorbei

Das Sotschi-Autodrom hat seine Reize: So geht es unter anderem am Olympia-Eispalast und am Vergnügungspark vorbei. Ferrari hat aber andere Sorgen. Trotz dreier Siege in Serie hängt der Haussegen schief. sportschau.de mit den Fakten zum Großen Preis von Russland.

Ausgangslage

Vor dem 16. von 21 Rennen führt Mercedes-Pilot Lewis Hamilton die Gesamtwertung mit 296 Punkten an. Auf Platz zwei folgt sein Teamkollege Valtteri Bottas mit 231 Zählern. Charles Leclerc im Ferrari ist Dritter (200) - punktgleich mit Max Verstappen im Red Bull. Ferrari-Pilot Sebastian Vettel (194) folgt auf Platz fünf.

Favoriten

Es sind die üblichen Verdächtigen. Hamilton und Bottas sind im Mercedes als die Gesamtführenden automatisch in der Favoritenrolle. Ferrari hat indes das Momentum auf seiner Seite. Drei Siege in Serie fuhr die Scuderia mit Vettel und Leclerc zuletzt ein, beim jüngsten Grand Prix in Singapur gab es den ersten Doppelsieg. Mercedes ist nach der Sommerpause noch ohne Erfolg.

Die Statistik

Gegen Ferrari spricht, dass die "Roten" im Olympia-Park von Sotschi noch nie gewinnen konnten. Vettel wurde 2015 und 2017 jeweils Zweiter. Anders die Mercedes-Piloten. In fünf Rennen gab es fünf Siege. 2014, 2015 und 2018 gewann Hamilton, zwischendurch standen Nico Rosberg und Bottas ganz oben auf dem Treppchen. Damit ist Hamilton Rekordsieger des noch jungen Grand Prix.

Die Strecke

Die Fahrer müssen im Sotschi-Autodrom 53 Runden zu je 5,848 Kilometer bewältigen. Es gibt 18 Kurven und 61 Prozent Vollgasanteil. Besonders hohe Fliehkräfte herrschen rund um die Brunnenanlage Poyushchiye in Kurve drei, die wie ein Omega geformt ist. Die Reifen werden nicht so stark beeinflusst, da der Asphalt eher glatt ist und es kaum schnelle Kurven gibt. "Von einem technischen Standpunkt aus gesehen, ist es eine der kompliziertesten Strecken, die wir im Kalender haben. Viele Kurven sind sich ähnlich, sie sind sehr technisch und es ist nicht so einfach, sie richtig zu treffen", sagt Vettel

Die Besonderheit

Der Olympia-Park der Winterspiele 2014 liefert die sehenswerte Kulisse für den vom deutschen Formel-1-Architekten Hermann Tilke entworfenen Kurs. Bolschoi-Eispalast, Fischt-Stadion und im Hintergrund die Bergkuppen des Kaukasus - der bei Russen so beliebte Kurort am Schwarzen Meer bietet die von den Organisatoren gewünschten PR-Bilder.

Mercedes alarmiert

Lewis Hamilton muss dank seines großen Vorsprungs in der Gesamtwertung jetzt nicht zittern vor Ferrari, alarmiert ist der Brite aber schon. "Sie sind wahnsinnig hungrig und geben absolut alles", sagte Hamilton: "Ihr Auto funktioniert jetzt sehr gut und es wird in den nächsten Rennen sehr schwer, sie zu schlagen. Sie liefern gerade sehr gut ab." Kamen die Siege von Youngster Leclerc auf den Vollgas-Strecken in Spa und Monza aufgrund des starken Motors weniger überraschend, schockte Vettels Triumph auf dem Stadtkurs in Singapur die Seriensieger. "Wir haben zu viele Fehler gemacht. Wir haben viele Möglichkeiten nicht genutzt, das ist uns bewusst", sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Und Hamilton kritisierte deutlich: "Wir können alle besser sein."

Dicke Luft bei Ferrari

Bei Ferrari geht indes der Kampf um die Vormachtstellung in die nächste Runde. Der erste Triumph von Vettel nach über einem Jahr zuletzt in Singapur sorgte zwar auch beim Rennstall für große Erleichterung. Die Umstände dürften die Italiener aber noch länger beschäftigen. Leclerc fühlte sich um den Triumph betrogen und schmollte nach seinem zweiten Platz, der sich wie eine Niederlage anfühlte. Die Strategen hatten Vettel überraschend zuerst zum Reifenwechsel an die Box geholt und den Deutschen so zum Sieg gelotst.

Strafen für Verstappen und Co.

Red-Bull-Star Max Verstappen und alle weiteren Formel-1-Piloten mit Honda-Antrieb werden in der Startaufstellung zurückversetzt. Wie der japanische Motorenhersteller bekannt gab, werden alle vier Boliden mit einem neuen Verbrennungsmotor ausgestattet. Verstappen und sein Red-Bull-Teamkollege Alex Albon müssen daher mit einer Fünf-Plätze-Strafe rechnen, das Gleiche gilt für Pierre Gasly im Toro Rosso. Für dessen Teamkollegen Daniil Kwjat ist ausgerechnet bei seinem Heimrennen ein Austausch der kompletten Power Unit notwendig, er wird daher ans Ende des Feldes versetzt. Hintergrund der Motorenwechsel sind strategische Überlegungen Hondas. Zwei Wochen nach dem Grand Prix in Sotschi steht das Heimrennen der Japaner in Suzuka an, dort will Honda mit frischen Motoren gut aussehen und nimmt die Strafen daher schon in Sotschi auf einem Kurs in Kauf, der den Boliden ohnehin weniger liegen sollte. 

Rechenspiele

In den verbleibenden sechs Rennen würde Hamilton auch jeweils ein dritter Rang genügen, um am Ende wieder Weltmeister zu werden. Läuft alles perfekt, kann der 34-Jährige sogar schon im übernächsten Rennen in Japan alles klar machen. Dafür müsste jedoch auch die Konkurrenz mitspielen.

Thema in: Sportschau, Das Erste, Sonntag, 29.09.2019, 18 Uhr

vdv/sid/dpa | Stand: 26.09.2019, 08:47

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