Die Formel 1 in Singapur - nachts in der Sauna

Luftbild der Formel-1-Rennstrecke in Singapur

Grand Prix

Die Formel 1 in Singapur - nachts in der Sauna

Das Formel-1-Rennen in Singapur ist etwas Besonderes: Nacht, Lichtspektakel und Hitze. Sebastian Vettel steht dabei mächtig unter Druck.

Die Ausgangslage

Vor dem 15. von 21 Rennen führt Mercedes-Pilot Lewis Hamilton die Gesamtwertung mit 284 Punkten an. Auf Platz zwei folgt sein Teamkollege Valtteri Bottas mit 221 Zählern. Max Verstappen im Red Bull ist Dritter (185), erst danach folgen die beiden Ferrrari - Charles Leclerc (182) und Sebastian Vettel (169).

Der Kurs

Auf dem 5,056 Kilometer langen Marina Bay Street Circuit müssen die Fahrer 61 Runden bewältigen. Auf dem engen Stadtkurs mit 23 Kurven und nur wenigen Geraden werden wie in Monaco Fehler sofort bestraft. Keine andere Formel-1-Strecke hat so viele Kurven wie Singapur. Immer wieder kommt es zu Zusammenstößen. Safety-Car-Pilot Bernd Mayländer war bei den Rennen in den vergangenen Jahren schwer beschäftigt.

Das Besondere

Der Grand Prix im Herzen der Mega-City war 2008 das erste Formel-1-Nachtrennen - und es ist bis heute eines der stimmungsvollsten der Saison. "Home of Nightrace", so nennen die Veranstalter den Kurs selbstbewusst. Die Fahrt durch die hell erleuchteten Straßenschluchten wird in der Tat wieder für spektakuläre Bilder sorgen. "Es hat etwas Romantisches", sagt Renault-Pilot Daniel Ricciardo.

Die Herausforderung

Erdrückende Hitze, so gut wie keine Auslaufzonen und die ungewöhnlichen Arbeitszeiten bis tief in die Nacht lassen das Gastspiel in Singapur für die Piloten zur Herausforderung werden. Selbst am Abend, wenn das Rennen um 20.10 Uhr Ortszeit (in Deutschland um 14.10 Uhr) beginnt, herrschen Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit. "Es ist ein bisschen eine Qual, wenn man da drin sitzt und vor sich hinkocht", sagt Ferrari-Pilot Vettel. Erholungsphasen auf der Strecke gibt es nicht. "Singapur ist für uns Fahrer vermutlich die körperlich härteste Strecke. Das Fahren in der Nacht macht mir Spaß, weil es sich viel schneller anfühlt als tagsüber", sagt auch Ferrari-Fahrer Leclerc, und Robert Kubica (Williams) erklärt: "Es ist ganz sicher ein einzigartiger Grand Prix. Die Strecke verlangt dem Auto und dem Fahrer viel ab."

Die Statistik

Sebastian Vettel (2011, 2012, 2013, 2015) und Lewis Hamilton (2009, 2014, 2017, 2018) haben in Singapur je vier Siege auf dem Konto. Ein Sieg im Nachtrennen gelang auch schon Nico Rosberg - und zwar im Weltmeister-Jahr 2016. Fernando Alonso siegte bei der Premiere 2008 sowie 2010.

Wer ist der Favorit?

Ferrari-Pilot Charles Leclerc hat zuletzt zwei Siege in Serie eingefahren. In Spa und Monza war Topspeed auf den langen Geraden Trumpf - genau das ist die Stärke des Ferrari SF90. In den Straßen von Singapur kommt es aber auf gute Traktion in den engen Kurven an. Hier haben Mercedes mit Hamilton und Bottas und auch Red Bull mit Verstappen deutliche Vorteile gegenüber der Scuderia und dem Rest des Feldes. Für Mercedes war Singapur lange ein Schwachpunkt. Doch inzwischen hat sich der Branchenführer besser eingestellt. In den vergangenen beiden Jahren gewann Hamilton.

Wer steht am meisten unter Druck?

Vettel braucht dringend ein Erfolgserlebnis. In der WM liegt der 32-Jährige als Fünfter schon 115 Zähler hinter Hamilton. Sogar sein junger Teamgefährte Leclerc hat ihn in der Gesamtwertung überholt. Mit der Brechstange aber darf es Vettel nicht probieren. Weil er schon neun Strafpunkte in der Sünderkartei des Weltverbands angehäuft hat, würde ein weiterer grober Regelverstoß eine Rennsperre nach sich ziehen.

Thema in: Sportschau, Das Erste, Sonntag, 22.09.2019, 18 Uhr

vdv/sid/dpa | Stand: 19.09.2019, 10:44

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