Analyse - Ferrari schenkt Hamilton die WM

Lewis Hamilton

Großer Preis der Formel 1 von Singapur

Analyse - Ferrari schenkt Hamilton die WM

Von Christian Hornung

Nicht erst das Rennen in Singapur hat den Titelkampf in der Formel 1 so gut wie entschieden - Ferrari hat schon vorher viel vermasselt. Aber dieses Rennen war die nahtlose Fortsetzung der Pannenshow aus Maranello.

Noch benutzt Sebastian Vettel die Wir-Form. Und das ehrt ihn. Wo Lewis Hamilton schnell mal Klartext auch in Richtung des eigenen Teams redet, wenn Mercedes mal etwas vermasselt, hält sich Vettel erstaunlich zurück. Nach dem Debakel in Singapur mit rund 40 Sekunden Rückstand auf Hamilton sagte er: "Ich habe vor dem Wochenende gesagt: Wir können nur uns selber schlagen - und wir haben hier nicht alles gezeigt, was wir können."

Immer wieder die falsche Strategie

Treffender wäre gewesen: "Wir können uns nur selber schlagen - und das haben wir mal wieder eindrucksvoll geschafft." Dass Ferrari in dieser Saison eigentlich das beste Gesamtpaket hat, gilt im Formel-1-Zirkel als unbestritten. Aber was sie in Maranello Rennen für Rennen daraus machen, ist teilweise schlimm.

Mal ist es Vettel selber mit seinen hanebüchenen Aktionen wie beim Deutschland-Grand-Prix oder auch in Monza, als er zwei klare Siegchancen liegenließ. Aber noch deutlich öfter als sein Starpilot hat die Strategie-Abteilung der Ferraristi daneben gelegen. So wie in Singapur mit der Reifenwahl.

Ultra-soft war die falsche Wahl

Denn eigentlich lief zunächst mal alles gut für den Heppenheimer. Das Auto hatte sogar soviel Power, dass sich Vettel in einem Rennen fast ohne Überholmanöver am starken Niederländer Max Verstappen vorbeizwängen konnte. Doch dann holte ihn Ferrari früh an die Box, verpasste ihm schon in der 15. Runde die ultra-soften Reifen, die auf dieser Strecke nachgewiesenermaßen Wettbewerbsnachteile hatten - und schickte ihn dazu auch noch mitten in den Verkehr.

Ein immenser Zeitverlust und letztlich auch die völlige Chancenlosigkeit im Kampf um die Spitze waren die Folge. Und ziemlich schnell war nach diesem Taktikfehlgriff klar, dass es nur noch um Schadensbegrenzung gehen konnte: Vettel musste schon ein bisschen zaubern, um nicht noch einen weiteren Boxenstopp absolvieren zu müssen und damit auch noch den dritten Rang preiszugeben. 46 Runden lang hielt er mit diesem Reifensatz durch.

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Sportschau | 16.09.2018 | 00:56 Min.

Gratulation ist bereits fällig

"Das war mit Sicherheit kein guter Tag mit Blick auf die WM", lautete später noch das Fazit von Vettel, und er klang ziemlich resigniert dabei. Zwar sind 40 Punkte Rückstand in sechs ausstehenden Rennen theoretisch natürlich noch aufzuholen - insgesamt liegen noch 150 Zähler auf dem Präsentierteller.

Aber wenn man sich die Performance von Hamilton in Singapur mit seiner Fabelrunde im Qualifying und seinem fehlerlosen Rennen anschaut und dies mit der Vorstellung von Ferrari an diesem Wochenende und auch in den vergangenen Rennen vergleicht, kann man eigentlich jetzt schon gratulieren. Vettel wirkt so, als wüsste er das auch. Aber noch spricht er in der Wir-Form.

Thema in: Sportschau, Das Erste, 16.09.2018, ab 18 Uhr

Stand: 16.09.2018, 17:02

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