Zwei wichtige deutsche Ausrufezeichen - die Formel-1-Analyse

Nico Hülkenberg in Singapur

Großer Preis von Singapur

Zwei wichtige deutsche Ausrufezeichen - die Formel-1-Analyse

Von Christian Hornung

Bis zum Rennen in Singapur kein deutscher Saisonsieg in der Formel 1, nächstes Jahr kein Grand Prix in Deutschland und vielleicht nur noch ein einziger Fahrer im Feld - da kamen die beiden Ausrufezeichen von Sebastian Vettel und Nico Hülkenberg zum richtigen Zeitpunkt. Eine Analyse.

Es ist kein Jahrzehnt her, da war fast jeder dritte Formel-1-Rennfahrer ein Deutscher. 2010 standen mit Michael Schumacher, Sebastian Vettel, Nico Rosberg, Nico Hülkenberg Nick Heidfeld, Adrian Sutil und Timo Glock phasenweise sieben deutsche Piloten gleichzeitig in der Startaufstellung.

Auch 2016 war nochmal ein ganz spezielles schwarz-rot-goldenes Jahr in der Königsklasse des Motorsports: Weil entweder Rosberg oder Vettel oder ein Mercedes gewann, wurde über die komplette Saison nach jedem Grand Prix die deutsche Hymne gespielt. Im kommenden Jahr droht die Formel 1 hingegen so wenig deutsch wie nie zu werden - deshalb war der Große Preis von Singapur besonders wichtig.

Vettels Ehrgeiz ist ungebrochen

Auch wenn die Ferrari-Taktiker ganz massiv Einfluss auf das Rennergebnis zum Leidwesen von Charles Leclerc und zugunsten von Vettel nahmen, war sein Triumph ein klares Zeichen: Er kämpft noch genauso verbissen wie zu seinen weltmeisterlichen Zeiten. Vettel lässt sich auch nach acht Qualifying-Pleiten gegen den aufstrebenden Monegassen nicht hängen, er hat noch den nötigen Ehrgeiz, um ganz nach vorne zu fahren - und wenn ihm offensichtlich nichts mehr leicht fällt.

Dass er mit Rückschlägen umgehen kann, bewies in Singapur auch Nico Hülkenberg. Dass er als Neunter noch in die Punkte fuhr, obwohl er nach einem frühen Crash ganz ans Ende des Feldes zurückgefallen war, war beeindruckend. Noch erstaunlicher aber waren die Rundenzeiten, die der Emmericher im gegenüber den Top-Autos klar unterlegenen Renault fuhr - bis zu anderthalb Sekunden war er in seinem 171. Grand Prix phasenweise schneller als die Spitze.

Hülkenberg gehen die Optionen aus

Vielleicht hilft ihm das im Hinblick auf seine Zukunft. Denn für 2020 gehen ihm so langsam die Optionen aus. Nachdem Renault beschlossen hat, sich von Hülkenberg zu trennen und stattdessen auf Esteban Ocon zu setzen, gibt es nicht mehr viele Chancen auf ein Formel-1-Cockpit für den vorletzten verbliebenen Deutschen.

Red-Bull-Teamchef Christian Horner erklärte zwar seine große Wertschätzung für den 32-Jährigen, stellte aber auch klar: "Nico verdient es, in der Formel 1 zu fahren, er ist besser als einige andere im Starterfeld. Aber eine Verpflichtung ist für uns kaum vorstellbar, er steht nicht auf unserer Liste. Wir haben selbst eine ganze Reihe fabelhafter Talente."

Bei Haas hat es "nicht funktioniert"

Das Haas-Team wäre noch eine Alternative gewesen, doch auch dort zerschlug sich gerade eine Zusammenarbeit: Haas-Teamchef Günther Steiner und der Emmericher selbst bestätigten zwar Gespräche, Hülkenberg sagte aber: "Es hat nicht funktioniert." Der Franzose Romain Grosjean behält nun auch 2020 sein Cockpit.

Es bliebe Alfa Romeo, wo mit Teamchef Frederic Vasseur ein früherer Förderer Hülkenbergs die Verantwortung trägt. Doch Vasseur erklärte unter der Woche, dass der noch nicht für die kommende Saison bestätigte Italiener Antonio Giovinazzi "auf einem guten Weg" sei.

"Sehr viel Politik im Spiel"

Hülkenbergs Problem: Im Gegensatz beispielsweise zum aktuell bei Williams als Robert-Kubica-Nachfolger gehandelten Kanadier Nicholas Latifi bringt der Rheinländer keine Sponsoren-Millionen mit. Hülkenberg sagt dazu: "Es gibt leider viele Faktoren und Einflüsse, die man als Fahrer bei der Karrieregestaltung gar nicht in der Hand hat. In der Formel 1 ist sehr viel Politik im Spiel."

Allerdings haben sich auch die Erfolge beim Le-Mans-Sieger von 2015 in Grenzen gehalten: In 171 Rennen hat er zwar oft überzeugt, spektakuläre Aufholjagden und starke Überholmanöver gezeigt - aber noch nie auf dem Podium gestanden. Immerhin: Die enorme Pace, die er jetzt in Sigapur auf die Straße brachte, könnte vielleicht doch noch den ein oder anderen Teamchef zum Nachdenken anregen.

Großer Preis von Singapur: Vettel siegt erstmals nach über einem Jahr

Sportschau 22.09.2019 01:09 Min. Verfügbar bis 22.09.2020 ARD Von Jens Wolters

Stand: 22.09.2019, 20:28

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