Formel 1 - "Formel Fun" dank Safetycar

Das Safetycar im Einsatz in Silverstone

Spannung wie selten beim Grand Prix in Silverstone

Formel 1 - "Formel Fun" dank Safetycar

Von Christian Hornung

Normalerweise mag kein Fan in der Formel 1 das Safetycar, weil es rundenlang die Rennaction unterbricht und für Langeweile sorgt. Diesmal in Silverstone sorgte es aber für Hochspannung, tolle Manöver und einen Reifen-Poker - eine Analyse.

Nicht schon wieder! Das werden sich wohl die meisten Zuschauer beim Großen Preis von Silverstone gedacht haben, als der vom Deutschen Bernd Mayländer gesteuerte AMG Mercedes in der 38. Runde nach einer Kollision von Romain Grosjean (Team Haas) und Carlos Sainz jr. (Renault) auf die Strecke kam. Denn gerade erst war das Rennen wieder freigegeben worden.

Fünf Runden zuvor war der Schwede Marcus Ericsson (Sauber) ungebremst ins Kiesbett gerauscht, auch da musste Mayländer sein Brems-Fahrzeug schon vor das gesamte Fahrerfeld platzieren, um für die Sicherheit aller Beteiligten zu sorgen.

Reifenwechsel oder volles Risiko?

Safetycarphase - das bedeutet automatisch Überholverbot, doch für soviel Spannung wie diesmal hat der AMG-Werkstuner selten gesorgt, in der laufenden Saison schonmal gar nicht. Denn binnen Sekunden mussten sich die Motorsportchefs aller Rennställe entscheiden: Fahrer reinholen und Reifenwechsel? Oder volles Risiko? Das Schöne beim Großen Preis von Großbritannien: Die beiden Top-Rennställe trafen unterschiedliche Entscheidungen.

Ferrari, das in dieser Saison schon das ein oder andere Mal in vergleichbaren Fällen schwer geschlafen und dadurch wichtige Punkte eingebüßt hatte, gab sofort das Kommando an Sebastian Vettel: "Box, Box!" Und das, obwohl der Deutsche in Führung lag und theoretisch hätte durchfahren können. Mercedes hingegen ließ Valtteri Bottas und Lewis Hamilton auf der Strecke. Und das hatte Folgen.

Attacke mit frischen Gummis

Bottas eroberte auf diesem Weg zwar zunächst Platz eins, doch nach den beiden reifenschonenden Safetycarphasen gingen die Angriffe von Vettel los - und der hatte jetzt die frischen Gummis. Vettel attackierte Bottas mehrfach, es entwickelte sich ein spektakuläres Duell, und im fünften Versuch kam der Deutsche vorbei.

Vettel baut Führung in der Fahrerwertung aus

Sportschau | 08.07.2018 | 01:15 Min.

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Hinter den beiden Fahrern gab es ebenfalls wunderbare Kämpfe: Erst arbeitete sich der Viertplatzierte Kimi Räikkönen im Ferrari an Hamilton ab, als der dann mit Bottas den Platz tauschte, schnappte sich Räikkönen seinen finnischen Landsmann. 

Zuvor hatte sich Räikkönen auch schon nach mehreren superharten Duellen an Max Verstappen im Red Bull vorbeigezwängt - die Fans beim Großen Preis von Großbritannien bekamen soviel geboten wie ewig nicht mehr.

Komplott gewittert?

Fast alle Fahrer in den Top Ten überholten hin und her, griffen vorne an, mussten aber gleichzeitig nach hinten schauen. Und das, wo es zuletzt oft prozessionsgleiches Hinterherfahren gegeben hatte. Dieses zehnte Saisonrennen war aber - natürlich auch, weil das Safetycar das Feld zweimal so schön zusammenschob, eine Werbung für die "Formel Fun", für den Mut zum Überholversuch.

Nur Hamilton war offenbar der Spaß vergangen. Er boykottierte das obligatorische Zielraum-Interview, vielleicht hatte er einen Komplott gegen sich gewittert: Ferrari-Mann Räikkönen hatte ihn beim Start abgeschossen, dadurch konnte Ferrari-Mann Vettel die WM-Führung ausbauen. Werbung für die "Formel Fun" war dadurch aber auch, wie Hamilton seine Aufholjagd von zwischenzeitlich Platz 17 auf Rang zwei am Ende hinlegte. Doch trösten konnte das den Vierfach-Weltmeister nicht, für ihn zählt bei seinem Heim-Grand-Prix wie in den Vorjahren auch einfach nur der Sieg.

Stand: 08.07.2018, 20:47

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