Sebastian Vettel - blöder Fehler, große Geste

Formel 1 - Sebastian Vettel schießt Max Verstappen ab

Formel 1 in Silverstone

Sebastian Vettel - blöder Fehler, große Geste

Von Marco Schyns

Sebastian Vettel sorgte mit einem Fahrfehler für eine Kollision mit Max Verstappen. Seine Reaktion hinterher zeugt von Größe. Und doch scheint seine Zeit als Nummer eins bei Ferrari langsam abzulaufen.

Es läuft die 38. Runde beim Großen Preis von Großbritannien in Silverstone. Sebastian Vettel liegt auf Kurs Podium, muss sich aber seit einigen Minuten gegen Max Verstappen verteidigen. Als es dem Niederländer dann gelingt, Vettel aus dem Windschatten heraus zu überholen, scheint die Situation geklärt zur sein.

Aber Vettel lässt nicht locker, sieht offenbar auf der Innenbahn eine Lücke, die gar nicht da ist, und rast mit deutlichem Tempoüberschuss auf die Linkskurve zu. Der Heppenheimer bremst zu spät und kracht mit seinem Frontflügel ins Heck von Verstappens Red Bull. Beide landen im Kiesbett, Verstappen aber kann trotz beschädigtem Auto weiterfahren, Vettel muss sich an der Box eine neue Nase holen - sein Rennen ist quasi beendet.

Vettel gesteht Schuld ein

Es war die große Aufreger-Szene eines Rennens, das vom Anfang bis zum Ende Spannung, Überholmanöver und interessante Positionskämpfe zu bieten hatte. "Was zur Hölle?", funkte Verstappen sofort an die Box. Dass er in einem (unfairen) Zweikampf verwickelt war, ist für den Niederländer nichts Neues. In diesem Fall aber lag die Schuld an der Kollision eindeutig beim Gegner.

Das sah auch Vettel so. Unmittelbar nachdem beide ihre Autos geparkt hatten, entschuldigte sich Vettel bei Verstappen per Handschlag. Eine große Geste nach einem blöden Fehler. "Es ist natürlich schon doof", gestand Vettel nach dem Rennen: "Es geht auf meine Kappe."

Auch Ferrari-Boss Mattia Binotto zeigte sich enttäuscht. "Es ist schade, dass Sebastian dieser Fehler passiert ist - für uns und für ihn", sagte Binotto: "Aber es ist Teil der Zweikämpfe."

Ferrari-Boss lobt Leclerc

Sebastian Vettel (l.) und Teamkollege Charles Leclerc

Sebastian Vettel (l.) und Teamkollege Charles Leclerc

Im gleichen Interview kam Binotto aber nicht umhin, seinen zweiten Ferrari-Schützling Charles Leclerc für dessen Performance zu loben. "Es war toll anzusehen, was die beiden gemacht haben", sagte Binotto und spielte damit auf den erbitterten Zweikampf zwischen Leclerc und Verstappen zu Beginn des Rennens an - bis sie von einer Safety-Car-Phase entzweit wurden.

Unter dem Druck des schnelleren Red Bulls hatte sich Leclerc, wie schon beim Rennen in Spielberg, gegen Verstappen verteidigt. Fair und sauber. Mehrfach fuhren die beiden nebeneinander. Mehrfach war Verstappen bereits vorbei - und kassierte sogleich den Konter. Auch hier blieb alles fair und sauber. "Das war Racing, das hat Spaß gemacht", sagte Verstappen hinterher über das Duell der beiden Jungstars.

Baldiger Machtwechsel bei Ferrari?

Verstappen und Leclerc sind beide 21 Jahre jung und zweifellos die Zukunft der Formel 1. Beide sind hungrig auf Erfolge, sitzen in schnellen Autos, haben die Fähigkeiten, Rennen und Titel zu gewinnen. Verstappen aber ist mindestens einen Schritt weiter: Er ist die unangefochtene Nummer eins bei Red Bull, auch wenn der Weg dahin lang und steinig war.

Saison 2019 - Vettel vs. Leclerc
RennenSebastian VettelCharles Leclerc
Australien4. im Rennen / 3. im Qualifying5. im Rennen / 5. im Qualifying
Bahrain5. im Rennen / 2. im Qualifying3. im Rennen / 1. im Qualifying
China3. im Rennen / 3. im Qualifying5. im Rennen / 4. im Qualifying
Aserbaidschan3. im Rennen / 3. im Qualifying5. im Rennen / 8. im Qualifying
Spanien4. im Rennen / 3. im Qualifying5. im Rennen / 5. im Qualifying
Monaco2. im Rennen / 4. im QualifyingAus im Rennen / 15. im Qualifying
Kanada2. im Rennen / 1. im Qualifying3. im Rennen / 3. im Qualifying
Frankreich5. im Rennen / 7. im Qualifying3. im Rennen / 3. im Qualifying
Österreich4. im Rennen / 9. im Qualifying2. im Rennen / 1. im Qualifying
Großbritannien16. im Rennen / 6. im Qualifying3. im Rennen / 3. im Qualifying

Leclerc fährt im ersten Jahr bei Ferrari, ist nach zehn Rennen quasi gleichauf (drei Punkte Rückstand) mit dem viermaligen Weltmeister Vettel. Ohne das Pech beim Heimrennen in Monte Carlo, als sich das Team schon im Qualifying verrechnete, würde er wohl vor seinem Teamkollegen stehen. Dazu präsentiert er sich bodenständig, zurückhaltend und liefert begeisternde Racing-Momente.

Die letzten drei Qualifying-Duelle (Frankreich, Österreich und Großbritannien) gegen Vettel entschied der Monegasse mit großem Abstand für sich. Auch in den Rennen überzeugte er. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis der Machtwechsel innerhalb der Scuderia Ferrari vollzogen wird. Mit Fehlern wie in Silverstone sorgt Vettel unfreiwillig dafür, dass das schneller passieren könnte, als ihm lieb ist.

Stand: 14.07.2019, 19:12

Formel 1 | Fahrer-WM

Name P
1. Lewis Hamilton 381
2. Valtteri Bottas 314
3. Charles Leclerc 249
4. Max Verstappen 235
5. Sebastian Vettel 230
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