Formel 1

Pechvogel Hülkenberg verpasst Chance zur Eigenwerbung

Christian Hornung

Nico Hülkenberg bleibt der Unvollendete: 177 Rennen ohne Podium stehen für ihn zu Buche, sein Überraschungs-Comeback in Silverstone endete sogar schon vor dem Start. Mehr denn je droht 2021 ein Jahr ohne deutschen Formel-1-Fahrer.

Es war zu Beginn fast so, als wäre er nie weggewesen. Kaum dass Hülkenberg, dessen Vertrag bei Renault im Vorjahr ausgelaufen war, für den mit dem Coronavirus infizierten Sergio Perez vom Racing-Point-Team zum Blitz-Comeback engagiert worden war, fuhr der Emmericher in den Freien Trainingssessions von Silverstone Top-Ten-Zeiten.

Statt Zielflagge nicht mal Startampel

Für das Rennen hatte sich "Hulk" dann nur eins vorgenommen: "Ich will unbedingt die Zielflagge sehen." Er sah nicht mal die Startampel. Bis kurz vor Rennbeginn suchten seine Mechaniker nach einem Grund, warum sich der Motor nicht starten ließ - es reichte am Ende nicht.

Und dennoch: Bei allem Frust über das unvollendete Comeback hat Hülkenberg zwar die Chance für eine nachhaltigere Eigenwerbung unverschuldet verpasst. Er hat sich aber immerhin in Erinnerung gebracht und gezeigt, dass er in einem guten Auto wieder in die Form kommen könnte, ins Vorderfeld zu fahren.

"Das ist genau die Chance"

Im Fahrerlager genießt Hülkenberg auf jeden Fall nach wie vor große Wertschätzung. "Das ist genau die Chance, auf die er gewartet hat nach seinem Ende bei Renault. Vielleicht öffnet das für ihn wieder die Tür", hatte der deutsche Teamchef Andreas Seidl von McLaren in Silverstone gesagt.

Günter Steiner, Teamchef vom US-Rennstall Haas, ergänzte: "Nico sollte eigentlich hier sein, denn er fehlt." Ob er für immer fehlt oder vielleicht doch bald zurückkehrt, ist völlig offen. Etwas wahrscheinlicher ist seit diesem Wochenende, dass Racing Point Hülkenbergs gesuchte Zukunftsoption sein könnte.

Perez' Verbleib ist unklar

Zwar hat neben Lance Stroll auch Perez einen Vertrag für die kommende Saison. Es gibt aber anhaltende Gerüchte, dass der Mexikaner per Trennungsklausel mit siebenstelliger Abfindung vorzeitig verabschiedet wird - das Haas-Team gilt als möglicher neuer Arbeitgeber.

Was Racing-Point-Teamchef Otmar Szafnauer nach dem Bekanntwerden der Corona-Infektion bei Perez alles in Bewegung setzte, um an Hülkenberg heranzukommen, zeigt die große Wertschätzung für den 32-Jährigen. Szafnauer nannte auch den Grund für sein Bemühen: "Wir waren der Meinung, dass wir mit Nico die besten Chancen auf Punkte in Silverstone hatten."

Auch Vettel bei Aston Martin im Gespräch

Pikant in diesem Zusammenhang: Das Racing-Point-Team, das ab der kommenden Saison Werksteam von Aston Martin wird, gilt auch als vielleicht letzte Option von Sebastian Vettel, 2021 weiter in der Formel 1 zu fahren. Dessen Vertrag bei Ferrari wird bekanntlich zum Saisonende aufgelöst. Und der schwerreiche Vater von Lance Stroll, Milliardär und Team-Mitbesitzer Lawrence Stroll, soll sich nach Medienberichten für Vettel starkgemacht haben.

Sollten am Ende weder Hülkenberg noch Vettel ein Cockpit für die nächste Saison bekommen, droht nach Jahren, in denen bis zu sieben deutsche Fahrer gleichzeitig in der Formel 1 aktiv waren, der schwarz-rot-goldene Totalausfall. Eine kleine Hoffnung besteht noch, dass Mick Schumacher aus dem Ferrari-Perspektivkader in einem kleineren Rennstall seine Chance erhält. Doch das kann durchaus auch erst im übernächsten Jahr der Fall sein.