Sympathieträger Carlos Sainz - Ferrari geht den pragmatischen Weg

Die Formel 1 Piloten Charles Leclerc (l.) und Carlos Sainz (r.)

Formel 1

Sympathieträger Carlos Sainz - Ferrari geht den pragmatischen Weg

Von Marco Schyns

Carlos Sainz folgt bei Ferrari auf Sebastian Vettel. Für den Spanier geht damit ein Traum in Erfüllung. Die Scuderia setzt auf Pragmatismus, bekommt einen Sympathieträger und macht Charles Leclerc zur klaren Nummer eins.

Nun geht der Traum also doch in Erfüllung. Carlos Sainz Junior hat langen Atem bewiesen, Umwege in Kauf genommen und Rückschläge verkraftet. 2021 beginnt für den Spanier eine neue Ära - endlich ist er bei einem Top-Team angekommen. Der 25-Jährige folgt bei der Scuderia Ferrari auf Sebastian Vettel.

Neue Chance nach großer Enttäuschung

Nachdem Sainz vor zwei Jahren noch bitter enttäuscht wurde, bekommt er nun die Chance, sich in einem starken Auto zu beweisen. Und Ferrari bekommt einen ehrgeizigen Piloten, der eine Menge Erfahrung mitbringt. Ein Schritt, der für beide Seiten Sinn ergibt. "Ich bin sehr glücklich, dass ich 2021 für Ferrari fahren werde und bin schon gespannt auf die Zukunft in dem Team", sagte Sainz.

Seit fünf Jahren fährt Sainz Jr. in der Formel 1. Die Erwartungen waren groß an den damals 21-Jährigen, als er 2015 sein erstes Rennen für Toro Rosso bestritt. Sein Name war und ist weltweit bekannt im Motorsport, schließlich ist sein Vater Carlos Sainz zweimaliger Rallye-Weltmeister (1990 und 1992). "El Matador" gehört zu den größten Rallye-Fahrern aller Zeiten.

Im ersten F1-Jahr im Toro Rosso neben Verstappen

Sein Sohn bekam die Chance in der Königsklasse des Motorsports, musste aber trotz eines Punktgewinns beim ersten Rennen überhaupt in Australien 2015 gleich in seiner Debütsaison zurückstecken. Das teaminterne Duell mit Kollege Max Verstappen verlor Sainz deutlich - mit 18 zu 49 Punkten. Der nächste "Aufsteiger" aus dem Farmteam zum Werksteam Red Bull war damit klar: Seit 2016 fährt Verstappen nun im Red Bull. Sainz musste sich hinten anstellen, gab die Hoffnung aber nicht auf.

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Seine Leistungen wurden besser, respektabel, aber nicht aufsehenerregend. Weil auch 2017 die Perspektive fehlte, entschied sich Sainz für einen anderen Schritt - für Renault. Er selbst bezeichnete den Wechsel auf Leihbasis damals als "große Chance." Experten aber waren sich einig: Im Umfeld von Red Bull war er gescheitert.

Erst in der darauffolgenden Saison, 2017 sollte das offenkundig werden: Als sich die Gerüchte um einen Abgang von Daniel Ricciardo bei Red Bull verdichteten, fiel auch Sainz' Name als möglicher Nachfolger. "Ich sitze zwischen den Stühlen", sagte Sainz damals. Der Wunsch nach einem Top-Cockpit war groß, eine Rückkehr zum kleinen Toro Rosso undenkbar. Und Renault? Die hohen Erwartungen an das Team hätte mit dem vergleichsweise schwachen Auto kaum ein Fahrer erfüllen können.

Domino-Effekt im Sommer 2018: Sainz plötzlich ohne Cockpit

Es kommt zum Domino-Effekt: Pierre Gasly, Sainz' Nachfolger 2017 im Toro Rosso, wurde Ricciardo-Nachfolger bei Red Bull. Ricciardo wiederum soll Sainz' Cockpit im Renault einnehmen. Plötzlich war kein Platz mehr für den Spanier. Er war ein zweites Mal gescheitert, die Formel-1-Karriere, die nie richtig durchstarten wollte, hing am seidenen Faden. Von bösem Blut aber keine Spur. Sainz gab sich auch weiterhin stets gut gelaunt in Interviews. Auch in seiner schwierigsten Zeit galt er im Fahrerlager als Sympathieträger.

Dann kam McLaren. Ein Glücksfall für beide Seiten, wie sich später zeigen sollte. Das britische Traditionsteam stellte sich 2019 personell neu auf. Der deutsche Teamchef Andreas Seidl baute neben Rookie Lando Norris auch auf Sainz. "Er war neu im Team, hatte aber bereits seine Erfahrungen gemacht", sagte Seidl im November über ihn. Das Vertrauen zahlte sich aus: McLaren war die Überraschung der abgelaufenen Saison, holte Platz vier in der Konstrukteurswertung, Sainz fuhr in Brasilien seinen ersten Podestplatz ein und wurde am Ende sensationell WM-Sechster.

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Auf McLaren folgt Ferrari: Sainz am Ziel seiner Träume

Noch im Februar sprachen beide Seiten von Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung, jetzt funkt Ferrari dazwischen. Die Scuderia nimmt damit sämtlichen Spekulationen über einen Fahrertausch von Lewis Hamilton und Vettel den Wind aus den Segeln.

Stattdessen gehen die Italiener im Kampf um den ersten WM-Titel seit 2007 einen pragmatischen Weg - so wie ihn Konkurrent Mercedes nach Nico Rosbergs Rücktritt 2016 gegangen ist: Ein solider, erfahrener und sympathischer Fahrer soll die Position der Nummer zwei einnehmen. Was Valtteri Bottas für Hamilton ist, soll Sainz für Charles Leclerc werden. Der Monegasse, der Vettel in der vergangenen Saison den Rang abgelaufen hatte, wird als klare Nummer eins positioniert, soll Weltmeister werden. So wie einst Michael Schumacher - mit den Teamkollegen Rubens Barrichello, Eddie Irvine oder Felipe Massa.

Harmonie zurückbringen

Sainz soll zuarbeiten, dabei helfen, das Auto weiterzuentwickeln, Punkte sammeln und keine Rebellion anzetteln. Dafür ist der Spanier genau der richtige. "Er ist ein netter Junge außerhalb des Autos, was für das Team großartig ist", sagt Seidl über Sainz. Mit seiner Art kann Sainz die Harmonie zurückbringen zum Traditionsrennstall aus Maranello. Und mit seinen Fähigkeiten, die ihn nach vielen Jahren endlich ein Top-Cockpit eingebracht haben, kann er selbst dafür sorgen, seinen eigenen, bleibenden Eindruck im Motorsport zu hinterlassen.

Stand: 14.05.2020, 08:00

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