Formel 1 - Gedankenspiele über Rennen ohne Zuschauer

Australien, Melbourne: Leerer Albert Park

Rennställe in Zwangsferien

Formel 1 - Gedankenspiele über Rennen ohne Zuschauer

Die Verantwortlichen in der Formel 1 prüfen derzeit, ob ein Saisonstart mit sogenannten Geisterrennen, also ohne Zuschauer, möglich ist. Auch der Große Preis von Kanada war am Dienstag abgesagt worden. Der Neustart der Rennserie ist in immer weitere Ferne gerückt.

Die Formel 1 erwägt in der Coronakrise ungewöhnliche Maßnahmen. So sollen die ersten Rennen der Saison möglicherweise ohne Zuschauer gefahren werden. Die Teamchefs aller Rennställe sowie Rechteinhaber und Weltverbandschef Jean Todt hatten in einer Videoschalte darüber "ernsthafte Überlegungen" angestellt, berichtet die britische Rundfunkanstalt BBC. Mit den Geisterrennen könnten zumindest die an den Rennbetrieb geknüpften Millioneneinnahmen aus Fernseh- und Sponsorengeldern gerettet werden.

Termin für Saisonstart völlig unklar

Wann die ersten Rennen nach dem verschobenen Saisonstart ausgetragen werden können, ist dagegen völlig offen. Am Dienstag (07.04.2020) wurde nun auch der Große Preis von Kanada (14. Juni) vorläufig abgesagt und somit der angedachte Neustart erneut verschoben. Somit ist ein Datum für einen Saisonbeginn derzeit völlig unklar. Die Rennställe hoffen aber, dass sich die Corona-Lage in Europa ausreichend entspannt, um eventuell im Juli oder August wieder fahren zu können. Auftaktort könnte die Strecke im britischen Silverstone sein, in deren Nähe sieben der zehn Rennställe beheimatet sind.

Vor dem Rennen in Kanada waren bereits die Gastspiele in Australien, Bahrain, Vietnam, China, den Niederlanden, Spanien, Monaco und Aserbaidschan abgesagt oder verlegt worden. Eigentlich standen im Rennkalender für dieses Jahr 22 Grand Prix - das wäre ein neuer Rekord gewesen. Inzwischen wäre Chase Carey, Geschäftsführer der Formula One Group, froh, wenn in dieser Saison nur 15 bis 18 Rennen durchgezogen werden könnten.

"Shutdown" auf 35 Tage verlängert

Kurz vor der Absage aus Kanada hatte sich die Formel 1 einen noch längeren Stillstand in den Rennfabriken verordnet. Der "Shutdown", währenddessen keine Arbeiten an der Entwicklung der Rennwagen erlaubt sind, wird um weitere zwei Wochen auf nun 35 Tage verlängert. Die fünfwöchigen Werksferien müssen nun von den Rennställen und Motorenherstellern bis Ende Mai genommen werden.

Über all dem schwebt die große Sorge um mögliche Pleiten der Teams. Das hat auch eine neue Diskussion um eine weitere Reduzierung der bereits beschlossenen Ausgabengrenze befeuert. Statt wie geplant bei jährlich 175 Millionen US-Dollar (161 Millionen Euro) soll das Budgetlimit vom kommenden Jahr an nun bei höchstens 150 Millionen Dollar (138 Millionen Euro) liegen. Eine weitere Absenkung auf 125 Millionen Dollar (115 Millionen Euro) sei von den Branchenriesen Mercedes, Ferrari und Red Bull vorerst abgelehnt worden, berichten Fachmedien.

Streitpunkt Kostendeckelung

Streitpunkt sind vor allem die Kosten für Forschung und Entwicklung. Die drei Top-Teams beliefern die meisten anderen Rennställe mit Bauteilen oder Motoreneinheiten und müssen dafür zunächst Millionen in die Entwicklung investieren. Dies müsse bei der Festlegung eines Budgetlimits berücksichtigt werden, hieß es.

red/sid/dpa | Stand: 08.04.2020, 12:11

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