Formel 1 - Ferrari droht das nächste Trauer-Heimspiel

Der Eingang zum Autodromo Internazionale del Mugello in Scarperia e San Piero in der Nähe von Florenz

Formel 1 in Mugello

Formel 1 - Ferrari droht das nächste Trauer-Heimspiel

Zum ersten Mal fährt die Formel 1 einen Grand Prix in Mugello, auf der mythisch aufgeladenen Werksstrecke von Ferrari. Für den angeschlagenen Rennstall könnte der Zeitpunkt nicht ungünstiger sein.

Der wegen der Corona-Pandemie durcheinandergewürfelte Rennkalender macht Ferrari zum Gastgeber der Formel 1: Zum ersten Mal überhaupt findet ein Grand Prix auf der werkseigenen Strecke in Mugello statt. Weil in Asien und Amerika in dieser Saison nicht gefahren werden kann, ist nun der Kurs rund 35 Kilometer nördlich von Florenz in den Notkalender gerutscht und erlebt am Sonntag (13.09.2020, (15:10 Uhr, Live-Ticker bei sportschau.de) seine Premiere als Toskana-Grand-Prix.

Ferrari-Mythen Mugello und Michael Schumacher

Ferrari hat die Highspeedstrecke in der Vergangenheit für wichtige Testfahrten genutzte. Und die ist mythisch aufgeladen, spätestens seit Michael Schumacher Tausende Testkilometer in Mugello abspulte und damit den Grundstein legte für die erfolgreichste Zeit des Traditionsrennstalls.

Der Mugello Circuit in Italien

Der Mugello Circuit in Italien

Die diversen Rennabsagen und Verschiebungen haben dazu geführt, dass Ferrari seine Premiere als Formel-1-Gastgeber exakt im 1000. Rennen seiner Grand-Prix-Geschichte feiern darf. Und das erstmals in dieser Saison auch wieder vor Zuschauern: Bis zu 2.880 Fans können von Freitag (11.09.2020) bis Sonntag jeweils im Autodromo Internazionale del Mugello dabei sein, verteilt auf drei Tribünen. Vor dem Einlass wird die Temperatur gemessen, zudem müssen die Fans Mundschutz tragen. So sieht es das Hygiene- und Sicherheitskonzept vor. Ein Jubiläum auf der großen Bühne für den stolzen italienischen Rennstall, doch darauf hätte die Scuderia wohl lieber verzichtet, im gefühlt schlimmsten Jahr ihrer ruhmreichen Geschichte.

Ferraris Angst vor der nächsten Blamage

Beim Heimspiel in Monza am vergangenen Wochenende gab es den nächsten Tiefschlag in einer Saison, von der man bei der Scuderia dachte, dass es eigentlich nicht schlimmer werden kann. Die dominierenden Silberpfeile leisteten sich den ersten Komplettausfall der Saison, auch Red Bull patzte - doch Ferrari konnte die Schwächen der Konkurrenz nicht nutzen, erlebte dafür ein weiteres, historisches Desaster. Erstmals seit 1995 sah in Monza kein Ferrari die Zielflagge. Am Ende feierte Pierre Gasly im Alpha Tauri einen in der Formel 1 seltenen Außenseitersieg - und verschlimmerte die Depression bei den Roten.

Auf der werkseigenen Strecke droht nun das nächste Trauer-Heimspiel. Der hügelige Kurs in der Toskana verlangt vor allem Motorenpower - und damit kann der SF 1000 in dieser Saison nicht aufwarten. Der 5,245 Kilometer lange Kurs ist den Ferrari-Piloten bestens bekannt, Sebastian Vettel und Charles Leclerc haben auch in diesem Jahr bereits Testfahrten absoviert, wenn auch in einem älteren Wagen.

Vettel freut sich auf Aston Martin

Von einem Heimvorteil möchte bei der Scuderia dennoch niemand sprechen, zu weit fuhren ihre Dienstfahrzeuge der Konkurrenz zuletzt hinterher. Teamchef Mattia Binotto gab vor dem neunten Saisonrennen nur das zaghafte Ziel aus, "Punkte zu holen", und richtete sich an die Fans, die sich besser schon jetzt auf die nächste Blamage einstellen sollten: "Ich hoffe, dass auch sie verstehen, in was für einer Situation wir uns befinden", sagte Binotto.

"La Gazzetta dello Sport" schrieb bereits gewohnt martialisch vom "Jahr null" beim Traditionsrennstall. Und der viermalige Weltmeister Vettel hat ohnehin längst mit dem nicht konkurrenzfähigen Auto und dem Team abgeschlossen und blickt schon der neuen Saison im Cockpit bei Aston Martin entgegen.

Aston Martin freut sich auf "neuen Mann"

Sportschau 10.09.2020 00:41 Min. Verfügbar bis 10.09.2021 ARD Von Jens Wolters

Hamilton jagt weiter Schumacher-Rekord

Beim Premieren-Rennen in Mugello steht wieder einmal Seriensieger Lewis Hamilton im Blickpunkt. Der 35 Jahre alte Brite ist auf dem besten Weg zu seinem siebten WM-Titel. An diesem Wochenende kann ihm schon Grand-Prix-Erfolg Nummer 90 gelingen - ohne seinen Aussetzer in Monza hätte Hamilton womöglich schon an diesem Wochenende die alte Bestmarke von Michael Schumacher (91 Siege) eingestellt, ausgerechnet auf der Hausstrecke des Kerpeners.

Die Hoffung auf das Debüt eines anderen Schumachers hat sich zerschlagen: Meldungen, wonach Mick Schumacher beim Freien Training für eines der Kundenteams von Ferrari an den Start gehen könnte, haben sich nicht bestätigt. Dafür ist der Schumacher-Youngster in Mugello in der Nachwuchsserie dabei. Außerdem soll er am Sonntag den legendären Ferrari F2004 seines Vaters steuern. Ferrari muss beim Heimspiel weiter vom Glanz der Vergangenheit zehren.

dpa/sid/red | Stand: 10.09.2020, 14:36

Darstellung: