Vettel und das Momentum in Monza

Sebastian Vettel im Ferrari

Großer Preis von Italien

Vettel und das Momentum in Monza

Im vierten Ferrari-Jahr kommt Sebastian Vettel erstmals als Favorit zum Formel-1-Heimspiel seines Teams nach Monza. Im WM-Duell mit Mercedes-Pilot Lewis Hamilton hat er das Momentum auf seiner Seite.

In Spa hat Sebastian Vettel seine ganze Klasse gezeigt. Der Ferrari-Pilot war als Zweiter hinter Lewis Hamilton im Mercedes ins Rennen gegangen, hatte den Briten bei der ersten Gelegenheit überholt und den Sieg dann locker und leicht nach Hause gefahren. Zu verdanken hatte er das neben seinem fahrerischen Geschick dem Ferrari-Motor, mit dem er der Konkurrenz weit überlegen war. Auf dem Hochgeschwindigkeitskurs in den Ardennen mit seinen vielen Geraden hatte Mercedes keine Chance.  

Favorit auf der Vollgas-Strecke

Vettel geht deshalb beim Großen Preis von Italien in Monza als Favorit an den Start. Ähnlich wie Spa gilt der Autodromo Nazionale di Monza als Vollgas-Strecke. Mehr als 75 Prozent des Kurses bleibt der Gasfuß der Piloten voll am Anschlag. In der Spitze können die Autos mehr als 360 Stundenkilometer erreichen.

Sebastian Vettel hat noch nie in einem Ferrari in Monza gewonnen. Seit acht Jahren schon warten die Italiener auf einen Heimsieg. Jetzt ist Vettel nah dran. Auch deshalb ist seine Vorfreude groß. "Wenn man die richtige Farbe trägt so wie ich, dann ist es in Monza immer großartig. Es ist ein absolutes Highlight, für einen Rennfahrer gibt es nichts Besseres", sagt der 31-Jährige. Und es gilt das Motto: Wenn nicht jetzt, wann dann. "Das ist der beste Ferrari, den ich bisher gefahren habe", erklärt Vettel.

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Die Roten warten seit 2010

Dreimal hat Vettel seit seinem Wechsel zu Ferrari bislang vergeblich Anlauf genommen, seinen roten Dienstwagen als Erster ins Ziel von Monza zu steuern und die Nachfolge von Fernando Alonso (2010) als Sieger des Scuderia-Heimspiels anzutreten. Zu erdrückend war in den vergangenen Jahren die Dominanz von Mercedes auf der legendären Strecke, auf der es vor allem auf die Tempo-Stärke ankommt. Lewis Hamilton startete zuletzt viermal in Serie von der Pole Position und gewann dreimal. Diesmal reist der britische Silberpfeil-Star erneut als WM-Führender mit 17 Punkten Vorsprung auf Vettel an, doch die Vorzeichen haben sich geändert. Patzt der Titelverteidiger, winkt Vettel unter Umständen sogar die WM-Führung.

"Wir haben gezeigt, dass unser Auto stärker ist", sagt Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene voller Stolz auf seine Ingenieure nach Vettels Gala-Sieg von Spa. Auch sein deutscher Chefpilot spürte die Genugtuung in der Rennfabrik der Scuderia, nachdem im fünften Jahr der Hybrid-Ära Mercedes endlich überholt scheint. "Das macht Maranello und jeden in unserer Motoren-Abteilung sehr glücklich", sagt Vettel.

Mercedes staunt und ist hilflos

Die silberne Konkurrenz hadert mit dem plötzlichen Gefühl der Unterlegenheit. "Wir wissen nun schon seit vier Rennen, dass sie einige Dinge am Auto haben, die es ihnen ermöglichen, schneller auf den Geraden zu sein", sagt Titelverteidiger Hamilton. Erstaunt und ein wenig ratlos fügt der 33-Jährige hinzu: "Immer, wenn wir eine Ausbaustufe haben, dann bringen sie eine bessere."

Die Mängelliste beim Silberpfeil ist tatsächlich lang, wie Teamchef Toto Wolff bekannte. "In langsamen Kurven haben wir Probleme, auch die Traktion ist eine Schwäche und im Vergleich zu anderen haben wir in Spa die Reifen zu schnell verheizt", zählt der 46-Jährige auf. "Ärmel hochkrempeln", ermahnt Wolff daher seine Mannschaft vor dem Europa-Finale, dem noch sieben Übersee-Rennen folgen.

Im Endspurt der Saison müssen Ferrari und Vettel dann zeigen, dass sie ihren aktuellen Tempo-Vorteil in den ersehnten Titel umwandeln können. Der bislang letzte WM-Triumph der italienischen Marke liegt noch länger zurück als der bis dato letzte Sieg in Monza. Als Kimi Räikkönen 2007 Weltmeister im Ferrari wurde, hatte Sebastian Vettel gerade erst sein Formel-1-Debüt gegeben.

dpa/sid/red | Stand: 30.08.2018, 09:30

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