Analyse - Mercedes-Strategie überrascht selbst Hamilton

Lewis Hamilton in Mexico

Großer Preis von Mexiko

Analyse - Mercedes-Strategie überrascht selbst Hamilton

Von Christian Hornung

Mercedes-Chefstratege James Vowles kennt die Qualitäten von Lewis Hamilton offenbar besser als der Weltmeister selbst. Während Hamilton in Mexiko mal wieder an der Taktik zweifelte, ging der Plan von Vowles perfekt auf.

Mexiko gilt nun wirklich nicht als Mercedes-Strecke, aber sicher als reifenfressende Strecke. Deshalb waren die Zweifel von Hamilton, die dieser deutlich über den Boxenfunk artikulierte, verständlich. "Es fühlt sich so an, als hätten wir die Reifen zu früh gewechselt", haderte der Noch-Fünffach- und baldige Sechsmal-Weltmeister, als er schon nach 24 von 71 Runden an die Box beordert worden war. 47 Runden mit demselben Reifensatz lagen zu diesem Zeitpunkt vor Hamilton. Dass das die Siegtaktik sein sollte, konnte er nicht glauben.

"Du kannst das"

Aber es war die Siegtaktik. Trotz der Pole von Charles Leclerc im Ferrari, der auch die schnellste Rennrunde absolvierte - und damit bewies, was mit einer perfekten Strategie möglich gewesen wäre. Die Power war mal wieder da bei den Roten. Doch zwei Stopps, der erste davon schon nach 16 Runden und dazu noch ein verpatzter zweiter mit gleich vier verschenkten Sekunden führten dazu, dass statt Rang eins am Ende nicht mal das Podium für den Monegassen zu Buche stand.

Formel 1: Hamilton fährt ganz nah ran an den Titel Morgenmagazin 28.10.2019 01:19 Min. Verfügbar bis 28.10.2020 Das Erste

James Vowles, der schon das Rennen in Ungarn mit einer genialen Entscheidung für Hamilton zurechtzauberte, musste den misstrauischen Engländer beruhigen: "Du kannst das", rief er ihm über die Kopfhörer zu und meinte: Du kannst bei deiner trotz Highspeed unglaublich reifenschonenden Fahrweise 47 Runden mit den harten Gummis fahren, ohne entscheidend an Tempo zu verlieren.

Wolff fühlt mit Ferrari

Lewis Hamilton bestaunt in Mexiko seine Reifen

Lewis Hamilton bestaunt in Mexiko seine Reifen

Auch in Ungarn hatte Hamilton der Glaube gefehlt, ebenso wie jetzt in Mexiko. Aber tatsächlich gelang es ihm ohne allzu große Mühe, seinen Verfolger Sebastian Vettel auf den deutlich frischeren Reifen jederzeit unter Kontrolle zu halten. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff wirkte ungewollt fast etwas mitleidig, als er erklären sollte, warum der Sieg trotz der Doppel-Pole von Ferrari erneut an einen Silbernen gegangen war: "Es ist ganz schwierig, die richtigen Entscheidungen zu treffen, wenn man ganz vorne ist. Dahinter kann man schon etwas mehr Risiko eingehen." Das Risiko zahlte sich aus.

Hamilton schaute nach dem Rennen zuerst lachend und etwas ungläubig auf seine Reifen, die zwar arg ramponiert aussahen, aber - wie von Vowles und Wolff prognostiziert - gehalten hatten. Ob der 34-Jährige in Zukunft mehr Vertrauen für die Funksprüche aufbringt, ist trotzdem zweifelhaft, aber letztlich auch nicht relevant - denn er befolgt sie.

Platz acht reicht Hamilton sicher zum Titel

In Austin/Texas am Sonntag (03.11.19) gibt es nun nur noch zwei Szenarien, die Hamiltons sechsten Titel verhindern können: Valtteri Bottas muss das Rennen in den USA gewinnen - und Hamilton zeitgleich schlechter als Achter werden.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, Sonntag, 27.10.19, 22.50 Uhr

Stand: 27.10.2019, 23:29

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