Vettel einmal mehr übermotiviert

Sebastian Vettel und Max Verstappen

Formel 1 in Japan

Vettel einmal mehr übermotiviert

Von Marco Schyns

Die WM in der Formel 1 ist so gut wie gelaufen - zugunsten von Lewis Hamilton. Dass Sebastian Vettel schon vier Rennen vor Schluss fast keine Chance mehr hat, hat sich der Ferrari-Pilot auch selbst zuzuschreiben.

Es ist ein Bild, wie es sich in dieser Saison - aus Sicht der Ferrari-Fans - viel zu oft zeigt: Vettel landet nach einer Kollision mit Max Verstappen in der achten Runde des Formel-1-Rennens in Japan im Kiesbett. Das Rennen ist gelaufen. Und diesmal sogar die Weltmeisterschaft.

Dabei ging es doch vielversprechend los für Vettel in Suzuka. Trotz katastrophalen Qualifyings - sein Team hatte das Wetter falsch eingeschätzt - und Startposition acht, lag Vettel nach sieben Runden schon auf Platz vier. Nur Verstappen trennte den Heppenheimer davon, die in Führung liegenden Mercedes-Fahrer anzugreifen.

Vettel entscheidet sich für riskantes Manöver

Und weil er genau damit keine Sekunde länger warten wollte, entschied sich Vettel für ein riskantes Manöver in der sogenannten Spoon-Kurve, kurz nach der Start- und Zielgeraden. Das kann gutgehen, muss es aber nicht. Zumal der Gegner Verstappen hieß. Der Heißsporn aus den Niederlanden ist nicht gerade dafür bekannt, nachzugeben. "Das war nicht clever. Er war viel schneller - und ich glaube eine oder zwei Runden später hätter er mich locker auf der Geraden überholen können", sagte Verstappen nach dem Rennen, als er auf die Szene angesprochen wurde.

Verstappen brachte es auf den Punkt. Vettel wäre ohnehin vorbeigekommen, die Mercedes-Boliden hätten in der Zwischenzeit maximal ein oder zwei Sekunden Vorsprung mehr rausgefahren. Nichts, was man nicht aufholen könnte. Aber Vettel wollte sofort vorbei - und präsentierte sich dabei einmal mehr übermotiviert und, auch da hat Verstappen Recht, nicht clever.

Vettel ist ein "Racer", muss aber cleverer werden

Nun ist keinesfalls gesagt, dass - bei erfolgreichem Überholmanöver - Vettel seine Mercedes-Rivalen wirklich hätte überholen können. Aber er hätte etwa 40 Runden Zeit dafür gehabt. Stattdessen rollte er das Feld von hinten auf und landete schließlich auf Position sechs. Vettel hatte die falsche Entscheidung zur falschen Zeit getroffen - er selbst sah das natürlich anders. "Wenn ich es in der Kurve nicht versuche, dann kann ich auch zuhause bleiben", sagte er nach dem Rennen.

Der Heppenheimer ist und bleibt ein echter "Racer". Einer, der sich niemals mit dem zweiten Platz zufriedengibt und immer den Erfolg sucht. Das macht ihn aus, und das macht ihn so wichtig für die Formel 1. Das Problem ist: Wenn er Fehler, wie den in Suzuka und solche, die es über die ganze Saison schon gab, nicht abstellt und in heiklen Situationen einen kühlen Kopf bewahrt, wird es wohl nicht mehr über jenen zweiten Platz hinausgehen in der Weltmeisterschaft. Weder 2018, noch in den kommenden Jahren.

Thema in: Sportschau, Das Erste, 07.10.2018, ab 18 Uhr

Stand: 07.10.2018, 10:45

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