Hamilton kritisiert Formel 1 - "Von Weißen dominiert"

Lewis Hamilton

Nach dem Tod von George Floyd

Hamilton kritisiert Formel 1 - "Von Weißen dominiert"

Der sechsmalige Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton hat in der Diskussion um Rassismus und Polizeigewalt in den USA deutlich Position bezogen und auch die Motorsport-Königklasse kritisiert.

Der 35 Jahre alte Brite, der es als erster dunkelhäutiger Pilot in die Formel 1 geschafft hat und auf dem besten Weg ist, der erfolgreichste Fahrer der Geschichte zu werden, erklärte: "Ich sehe diejenigen von Euch, die still bleiben, einige von Euch sind die größten Stars und bleiben noch still mitten in dieser Ungerechtigkeit. Nicht ein Zeichen von irgendjemandem in meiner Industrie, die natürlich ein von Weißen dominierter Sport ist." Er sei einer von wenigen dunkelhäutigen Menschen dort und stehe noch allein, meinte Hamilton.

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Schwere Ausschreitungen in den USA

Der Mercedes-Pilot reagierte auf die Vorfälle in den USA. Der unbewaffnete schwarze US-Bürger George Floyd war am vergangenen Montag (25.05.2020) gestorben, nachdem der weiße Polizist Derek Chauvin ihm fast neun Minuten lang sein Knie in den Nacken gedrückt hatte. Vergeblich stöhnte der Afroamerikaner, dass er keine Luft bekomme, bevor er bewusstlos wurde und später im Krankenhaus verstarb. Ein Video des Vorfalls löste landesweites Entsetzen aus. Seither kommt es US-weit zu schweren Ausschreitungen.

Hamilton: "Nicht nur Amerika"

Er stehe nicht auf der Seite derer, die plündern und Gebäude anzünden würden, aber auf der Seite derer, die friedlich protestieren. "Es kann keinen Frieden geben, bis die sogenannten Führer es ändern", so Hamilton. Es sei nicht nur Amerika, es sei Großbritannien, es sei Spanien, es sei Italien und überall. Es müsse sich ändern, wie Minderheiten behandelt würden. "Wir werden nicht mit Rassismus und Hass in unseren Herzen geboren, es wird gelehrt, von denen, zu denen wir aufschauen", erklärte Hamilton.

Unterstützung bekam Hamilton anschließend von Charles Leclerc. "Es ist unsere Verantwortung, uns gegen Ungerechtigkeiten auszusprechen. Seid nicht still", schrieb der 22 Jahre alte Ferrari-Fahrer bei Twitter. Gegen Rassismus müsse etwas getan werden, betonte der Teamkollege von Vierfach-Weltmeister Sebastian Vettel. Der 20 Jahre alte Brite Lando Norris vom Team McLaren rief seine Anhänger auf, sich zu engagieren.

Michael Jordan "verletzt und wütend"

In den USA hat sich auch NBA-Ikone Michael Jordan der Protestwelle gegen Polizeigewalt gegen Schwarze angeschlossen und mit Wut auf den Tod Floyds reagiert. "Ich bin zutiefst betrübt, wirklich verletzt und schlichtweg wütend", teilte der frühere Superstar der nordamerikanischen Basketball-Profiliga in einer Stellungnahme mit: "Ich stehe zu denen, die auf den tief verwurzelten Rassismus und die Gewalt gegen farbige Menschen in unserem Land aufmerksam machen. Wir haben genug."

Gegen die Polizeigewalt und den Rassismus meldeten sich neben Jordan, der sich während seiner aktiven Zeit politisch meist zurückgehalten hatte, auch viele andere US-Sportler zu Wort. Auch NBA-Chef Adam Silver teilte seine Empörung in einer internen Botschaft an seine Mitarbeiter mit. "Wir werden daran erinnert, dass es in unserem Land Wunden gibt, die nie verheilt sind", hieß es darin, "Rassismus, Polizeibrutalität und Rassenungerechtigkeit gehören nach wie vor zum Alltag in Amerika und können nicht ignoriert werden." Jordan und Silver schlossen sich einer Reihe von Stimmen aus der NBA, der US-Football-Liga NFL sowie weiteren Sportarten an, die sich solidarisch mit der Forderung nach Veränderungen für Schwarze in den USA zeigten.

Auch deutsche NBA-Spieler aufgebracht

Der gewaltsame Tod von George Floyd bewegt auch die deutschen Basketballer in der Eliteliga NBA. Nationalspieler Maximilian Kleber von den Dallas Mavericks nahm zusammen mit Teamkollegen und Vereinsboss Mark Cuban an einer öffentlichen Gedenkveranstaltung teil. "Rassismus, Diskriminierung und Ungerechtigkeit aufgrund von Hautfarbe, Religion oder anderen Eigenschaften ist nie zu akzeptieren", schrieb Kleber bei Instagram.

Moritz Wagner von den Washington Wizards kommentierte in dem sozialen Netzwerk, man werde nicht länger die Ermordung von dunkelhäutigen Menschen, den Machtmissbrauch der Polizei und ignorante Politiker akzeptieren: "Wir werden nicht länger den Mund halten und dribbeln." Damit bezog sich der gebürtige Berliner auf Forderungen von zumeist konservativen Politikern und Kommentatoren, Sportler mögen sich aus politischen Debatten raushalten.

Proteste auch in der Fußball-Bundesliga

Zuvor hatte es auch in der deutschen Fußball-Bundesliga Proteste gegeben. So forderten die Profis Marcus Thuram von Borussia Mönchengladbach und Jadon Sancho von Borussia Dortmund beim Torjubel am Sonntag Gerechtigkeit für Floyd. Der Franzose Thuram kniete nach einem Treffer im Spiel gegen Union Berlin nieder, während der englische Nationalspieler Sancho eines seiner drei Tore gegen Paderborn Floyd widmete, indem er sein Trikot hob und darunter ein T-Shirt mit der Aufschrift "Justice for George Floyd" zeigte. Auch Schalkes Weston McKennie trug beim Heimspiel gegen Bremen eine Armbinde mit der Aufschrift "Gerechtigkeit für George".

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In der Theorie drohen McKennie, Sancho und Hakimi, der auch ein T-Shirt mit Aufschrift trug, damit Strafen durch den DFB. Politische Botschaften auf der Spielkleidung sind nach DFL-Richtlinien nicht erlaubt. "Der Kontrollausschuss des DFB wird sich im Laufe der nächsten Tage dieser Angelegenheit annehmen und den Sachverhalt prüfen", sagte der Vorsitzende des Gremiums, Anton Nachreiner, am späten Sonntag.

Strafen gelten dennoch als unwahrscheinlich. In der Vergangenheit wurde auch schon mal ein Auge zugedrückt - zumal die Verbände zahlreiche Kampagnen gegen Rassismus unterstützen.

sid/dpa | Stand: 01.06.2020, 10:55

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