Formel 1 und Rassismus

Hamilton: "Ich wurde früher von Protest abgehalten"

Die Fahrer der Formel 1 haben sich beim Rennen in Österreich gegen Rassismus positioniert. Lewis Hamilton, der den Protest anführte, berichtete: Als er vor Jahren eine andere Aktion plante, sei er davon abgebracht worden.

"Beendet Rassismus" stand auf den T-Shirts der Formel-1-Piloten, Hamilton trug eines mit der Aufschrift "Black Lives Matter". Hamilton kniete am Sonntag (05.07.2020) bei der Startaufstellung vor dem Rennen, ein Großteil der anderen Rennfahrer tat es ihm gleich. Hamilton berichtete anschließend, dass er schon früher bei einem Rennen habe protestieren wollen - es dann aber doch nicht tat.

Hamilton: "Ich hatte einen Helm für Kaepernick vorbereitet"

Als der Footballspieler Colin Kaepernick in den USA bei Spielen in der NFL während der Hymne kniete, um gegen Rassismus und Polizeigewalt zu protestieren, habe er das als "sehr kraftvolle Stellungnahme" wahrgenommen, sagte Hamilton laut der englischen Zeitung "Guardian". "Ich hatte damals einen Helm. Er war rot wie Kapaernicks Trikot und hatte seine Nummer. Aber dann wurde ich irgendwie davon abgebracht, ihn zu tragen." Ihm sei gesagt worden, er solle den Helm nicht überziehen und Kapaernicks Aktion nicht unterstützen. Das habe er dann getan, sagte Hamilton. Dass er dem Folge geleistet habe, bedauere er.

Umso wichtiger sei es ihm, "dass ich diesmal meinen Teil beitrage". Nach der Tötung von George Floyd bei einer Festnahme durch einen Polizisten in den USA hatte Hamilton kritisiert, dass die Formel 1 sich nicht positioniere. "Ich sehe diejenigen von Euch, die still bleiben, einige von Euch sind die größten Stars und bleiben noch still mitten in dieser Ungerechtigkeit. Nicht ein Zeichen von irgendjemandem in meiner Industrie, die natürlich ein von Weißen dominierter Sport ist", schrieb er damals bei Instagram. 

Fahrer uneinig bei Geste gegen Rassismus

In Spielberg setzte die Formel 1 ein Zeichen, wirklich einig waren sich die Piloten dabei aber offensichtlich nicht. Hamilton ging wie Kaepernick damals auf die Knie. Viele Fahrer taten es ihm gleich - aber eben nicht alle. "Niemand sollte gezwungen werden. Ich bin denen dankbar, die mit mir gekniet haben", sagte Hamilton. Jeder habe das Recht, zu tun, was er für richtig halte.

14 der 20 Fahrer hatten dieselbe Geste wie Hamilton gewählt. Charles Leclerc von Ferrari, Red-Bull-Fahrer Max Verstappen, McLaren-Pilot Carlos Sainz, Kimi Räikkönen und Antonio Giovinazzi von Alfa Romeo sowie Daniil Kwjat von Alpha Tauri blieben stehen. Alle Fahrer aber trugen das T-Shirt mit der Aufschrift "Beendet Rassismus".

"Ich bin sehr engagiert für die Gleichstellung und den Kampf gegen Rassismus. Aber ich glaube, jeder hat das Recht, sich gleichzeitig und auf eine Weise auszudrücken, die zu ihm passt", schrieb Verstappen schon vor dem Rennen bei Twitter zur Begründung, warum er stehen bleiben werde.

Hamilton will weiter für Aufmerksamkeit sorgen

"Für mich fühlte es sich richtig an, das zu tun", sagte Hamilton. Der 35-Jährige ließ offen, ob er beim Rennen am kommenden Wochenende, das ebenfalls in Österreich stattfinden soll, erneut knien werde. Sicher sei, dass er seinen Kampf gegen Rassimsus fortsetzen wolle.

"Alles, was wir tun, ist nicht genug, wir müssen alle mehr tun", sagte Hamilton. "Es gibt seit einigen Wochen für das Thema Aufmerksamkeit - und was wir nicht brauchen, ist, dass sie still und leise wieder verschwindet."